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Wismar Enge Kiste: Arbeitslosentreff platzt aus allen Nähten
Mecklenburg Wismar Enge Kiste: Arbeitslosentreff platzt aus allen Nähten
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00:00 10.02.2018
Gert Bentin (li.) und Claus Adamoschek übergaben Spende an Angela Engel, Leiterin des Arbeitslosentreffs (3.v.li.), und Marita Kothe. Quelle: Fotos: Jana Franke
Grevesmühlen

Sorgfältig legt Davina Schulze das blaue Langarm-Shirt zusammen und verstaut es in der grauen Plastewanne. Diese wird später vom Keller in den Verkaufsraum des Arbeitslosentreffs in der Rosa-Luxemburg-Straße in Grevesmühlen getragen, die Kleidung auf Bügel und in Regalen verteilt. Der Transporter der Einrichtung fährt vor und bringt zahlreiche neue Kleidungsstücke, die in den 14 aufgestellten Containern des Arbeitslosenverbandes abgegeben wurden. Die 33-jährige Mitarbeiterin wird sie später zunächst in der Ecke stapeln.

100-Euro-Spende / Container werden mitunter als Abfallbehälter missbraucht

Es wird immer enger im Keller. Nicht nur da. Auch im Verkaufsraum müssen sich Mitarbeiter und Kunden durch enge Gänge quälen. „Wir platzen aus allen Nähten“, bestätigt Angela Engel, seit zehn Jahren Leiterin des Arbeitslosentreffs. Zum einen gut, weil es zeigt, wie groß die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist. Zum anderen würde sie sich zwei weitere, seit fünf Jahren leer stehende Räume in der Villa wünschen, die ihr die stadteigene Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Wobag) als Verwalter des Gebäudes zusätzlich vermietet – aber nur zum Preis der Nebenkosten. Für mehr reiche das Geld nicht.

Volle Windeln zwischen der gespendeten Kleidung

„Die Wobag hat dem Arbeitslosenverband bereits einen vergünstigten Mietpreis, der unter dem regulären Preis liegt, angeboten. Das hält sie weiterhin aufrecht“, erläutert Kristine Lenschow, stellvertretende Bürgermeisterin. Das Anliegen des Verbandes sei seit 2016 bekannt und bereits im Finanzausschuss beraten worden. „Im Ergebnis kann die Stadt einer weiteren Reduzierung des Mietpreises nicht zustimmen, da sie angehalten ist, alle Vereine, die sich in städtischen Räumlichkeiten einmieten, gleichzubehandeln“, bedauert sie.

Zurzeit stehen dem Arbeitslosentreff etwa 250 Quadratmeter zur Verfügung. Gebraucht werden deutlich mehr. Die Einrichtung lebt von Spenden. Dringend benötigt werden derzeit vor allem Herren- und Kinderschuhe, sagt Angela Engel. Abgegeben werden können die Spenden direkt vor Ort in der Rosa-Luxemburg-Straße. Vor der Villa steht zudem ein Container, ebenso jeweils drei in Selmsdorf und Dassow und jeweils einer in Lüdersdorf, Hohen Schönberg, Harkensee, Pötenitz, Groß Schwansee und Gägelow. Nicht selten kommt es allerdings vor, dass Menschen diese als Abfallbehälter benutzen. Volle Windeln, Essensreste und völlig durchlöcherte Sachen seien schon darunter gewesen, zählt Angela Engel auf. Und: Seitdem es die Plastiktüten nicht mehr kostenlos zum Einkauf dazu gibt, werden die Sachen mitunter ungeschützt in die Container geworfen, die regelmäßig geleert werden. Regnet es stark, werden sie nass und schimmelig. So kommen viele Säcke zusammen, die nicht brauchbare Kleidung enthalten. „Das ist ärgerlich“, sagt die 57-jährige Leiterin. 13 Mitarbeiter hat sie an ihrer Seite – eine Festangestellte und Kräfte, die befristet vom Jobcenter vermittelt worden sind.

Brauchbares für kleines Geld

Gewaschen werden die gespendeten Kleidungsstücke – Hosen, Shirts, Jacken, Babystrampler und vieles mehr – nicht. „Die Möglichkeit haben wir hier leider nicht. Wenn allerdings einige Kleidungsstücke zu stark verschmutzt sind, nimmt eine Mitarbeiterin diese mit und wäscht sie zu Hause“, berichtet Angela Engel. Fehlt mal ein Knopf, wird dieser von Davina Schulze und ihrer Kollegin Ute Rathke angenäht. Sie arbeiten befristet noch bis Juni im Arbeitslosentreff.

„Ich finde es wichtig, dass es diese Einrichtung gibt. Ich habe mich, meinen Partner und meine Tochter hier schon eingekleidet“, sagt Davina Schulze, die nicht damit hinter dem Berg hält, dass ihr Geld kaum zum Leben reicht. Für einen kleinen Betrag können die Kunden Brauchbares kaufen.

650 bis 700 Kunden im Monat

Neben Kleidung gibt es auch Geschirr, Bettwäsche, kleine Haushaltsgegenstände, Bücher, Spiele und Faschingskostüme. Nach Angaben von Angela Engel nutzen 650 bis 700 Kunden im Monat das Angebot.

Gewinn macht der Arbeitslosentreff nicht. Monatlich müssen unter anderem die vierstellige Miete für die Räumlichkeiten in der Villa, das Gehalt für die beiden Festangestellten und der Transporter finanziert werden. Deshalb freut sich Angela Engel über jede noch so kleine Geldspende, die dem Arbeitslosentreff zugedacht wird. Stolze 1000 Euro überbrachten ihr nun Claus Adamoschek und Gert Bentin. Als ehemalige Fraktionsmitglieder der aufgelösten Freien Wählergemeinschaft in Grevesmühlen spendete das Duo das Restgeld aus der Verwaltung. Claus Adamoschek legte noch einmal 400 Euro obendrauf. „Wir schätzen die Arbeit des Treffs“, begründet er. Nicht nur das Angebot der Kleidung, sondern auch das an Veranstaltungen sei wichtig. Kindern werden unbeschwerte Bastelnachmittage oder Ferienausflüge beschert. Im Lesecafé können die Kunden bei Kaffee und Tee plaudern oder ein Buch lesen. „Hier ist das Geld vernünftig eingesetzt“, meint er.

Jana Franke

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