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Erpressung mit intimen Details: Erotik-Händler vor Gericht

Wismar Erpressung mit intimen Details: Erotik-Händler vor Gericht

Ein 40-Jähriger aus Mühlen-Eichsen, der Latex-Masken verkaufte, soll unzufriedenen Käufer unter Druck gesetzt haben / Er beteuert seine Unschuld, will aber verurteilt werden

Wismar. Er betrieb ein pikantes Gewerbe und drohte mit intimen Details: Bis vor kurzem hat Martin F. Latex-Masken für Fetischisten hergestellt und diese zum Teil selbst über das Internet vertrieben. Doch weil ein Kunde mit seiner Ware nicht zufrieden war, verlangte dieser sein Geld zurück und gab dem Händler aus Mühlen-Eichsen auf der Online-Plattform „Amazon“ eine schlechte Bewertung. Um die geforderte Rückabwicklung des Kaufs zu verhindern und die Löschung der schlechten Bewertung zu erzwingen, soll F. am 18. Mai 2015 schriftliche Drohungen gesendet haben.

Unter anderem würde er das soziale Umfeld des Käufers über dessen Neigungen und gekaufte Produkte informieren, sollte dieser weiter auf die Reklamation bestehen. Der Betroffene erstattete daraufhin Anzeige. F. musste sich nun vor dem Amtsgericht Wismar wegen Nötigung verantworten.

Martin F. schüttelte nach der Verlesung der Anklage durch die Staatsanwaltschaft den Kopf. „Dieser Drohbrief stammt nicht von mir. Ich habe das Geld zurückerstattet, aber meine Ware noch nicht zurückerhalten“, behauptete er. Richter Hinrich Dimpker schenkte dieser Aussage wenig Glauben und konfrontierte den Angeklagten mit dessen Vergangenheit. Denn gegen den 40-Jährigen hatte es schon einmal wegen eines sehr ähnlichen Falls ein Ermittlungsverfahren gegeben. Auch seinerzeit waren schriftliche Drohungen im Spiel. „Das Verfahren wurde damals eingestellt“, räumte Dimpker ein. „Doch die Diktion des Briefes ist ungefähr gleich“, stellte er weiter fest.

F. äußerte daraufhin seine Vermutung, die beiden Fälle könnten in einem Zusammenhang stehen. „Die Sache ist inszeniert. Damals wollte mir schon jemand eins reinwürgen und hat es nicht geschafft.

Jetzt versucht er es erneut.“ Die kühne These des Angeklagten: Der jetzige Käufer habe mit dem damaligen Käufer Kontakt aufgenommen und ihn beauftragt, den Brief zu schreiben und abzuschicken.

Diese Theorie sorgte für Stirnrunzeln beim Richter. Dimpker appellierte nochmals an das Gewissen des Angeklagten. „Diese Verhandlung hier war als Vergleichsangebot gedacht. Ich kann auch die Zeugen aus Bayern und Baden-Württemberg vorladen. Das wird dann teuer für Sie“, mahnte er. F. beteuerte weiter hartnäckig, er hätte mit der ihm vorgeworfenen Tat nichts zu tun. Der Prozess nahm nach dem Hinweis des Richters dennoch eine skurrile Wende.

Denn F. forderte den Richter plötzlich auf, ihn zu verurteilen: „Auch wenn ich es nicht war. Ich will das endlich vom Tisch haben.“ Der Angeklagte könne sich weitere Verhandlungen mit teuren Zeugenvorladungen nicht leisten. Er weise ein negatives Einkommen auf, habe sein Gewerbe eingestellt und Hartz IV beantragt. Dimpker entgegnete: „Ich werde das Verfahren nicht aus Kostengründen abschließen.“ Wenn der Beschuldigte unschuldig sei, würde das Gericht die Aufgabe haben, das zu beweisen. Doch Martin F. resignierte. „Die Zeugen würden sich ohnehin etwas zurechtlügen. Ich habe keine Chance und müsste dann noch viel mehr Geld zahlen.“ Außerdem leide er an Herzproblemen, weshalb er in den zurückliegenden Monaten mehrere Wochen im Krankenhaus gelegen habe. „Weitere Verhandlungen würden mich auch gesundheitlich schwer belasten.“ Schließlich gab F. zu Protokoll: „Dann sage ich: Ja, es stimmt, was im Strafbefehl steht. Ich war es.“

Ob der Angeklagte die Schuld nun zu Recht oder Unrecht auf sich nahm, blieb unklar. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe von 40 Tagessätzen zu je 50 Euro reduzierte Richter Dimpker aufgrund der finanziellen Nöte des Beschuldigten deutlich. Martin F. muss nun 30 Tagessätze zu je fünf Euro zahlen und trägt die Kosten des Gerichtsverfahrens.

„Der Angeklagte ist bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Doch die Tat passierte in einer Grauzone, wo solche Drohungen alles andere als komisch sind. Es ist zwar nichts passiert, aber es hätte etwas passieren können“, sagte Richter Hinrich Dimpker in seiner Urteilsverkündung.

Von Daniel Heidmann

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