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Wismar „Es lebt sich gut hier, wir haben alles, was wir brauchen“
Mecklenburg Wismar „Es lebt sich gut hier, wir haben alles, was wir brauchen“
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00:05 05.05.2017
Dorf Mecklenburg

„Ich lebe gerne hier“, sagt Erwin Klein. Fast die Hälfte seines Lebens hat der 84-Jährige in Dorf Mecklenburg gewohnt. Der gelernte Landwirt wurde Agraringenieur und später Berufsschullehrer. Wo heute die Regionalschüler und Gymnasiasten in der Kooperativen Gesamtschule „Tisa von der Schulenburg“ lernen, büffelten zu DDR-Zeiten künftige Tierzüchter und Ackerbauer die Theorie in der Berufsausbildung mit Abitur. Erwin Klein unterrichtete Pflanzenbau und Landtechnik. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem Petra Bolbeth, heute Tierärztin in Dorf Mecklenburg.

Torsten Tribukeit ist seit 2015 Bürgermeister.
Erwin Klein ist Edelfan der MSVHandballerinnen

Die Auszubildenden wohnten im Lehrlingswohnheim und zogen anschließend ins Ledigenwohnheim, erzählt der Senior. Viele junge Leute wurden für das Volkseigene Gut (VEG) im benachbarten Groß Stieten, für die beiden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) oder den Landtechnischen Anlagenbau (LTA) ausgebildet. „Fast jedes Jahr gab’s einen neuen Wohnblock“, meint Erwin Klein. Denn auch Landmaschinenschlosser und Gärtner gingen in Dorf Mecklenburg zur Berufsschule. „Das Gut baute für die jungen Leute einen Jugendklub, die heutige Gaststätte ,Am Mühlengrund’, und auch die große Kaufhalle ließ das Gut errichten. Dorf Mecklenburg hat sehr vom VEG profitiert.“ Die Kaufhalle gibt’s zwar nicht mehr, dafür aber den Marken-Discounter Netto.

Erwin Klein wohnte mit seiner Familie seit 1978 in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in einem Neubaublock Am Wehberg 8A. „Es war der erste, der nach der Wende privatisiert wurde. Damals war ich sehr böse darüber“, gesteht der Senior. Aus 28 Miet- wurden 25 Eigentumswohnungen. Heute würden nur noch vier Erstbewohner in dem Block leben. Auch Erwin Klein und Ehefrau Martha sind ausgezogen, die Eheleute wohnen seit März in einem Mehrfamilienhaus zur Miete – seniorenfreundlich, weil auf einer Ebene mit breiten Türen und ohne Schwellen. Noch immer bewirtschaften sie einen kleinen Garten in der Anlage im „Mühlengrund“. Zwei weitere gibt es im Dorf.

Nach der Wende 1989 nahm das Dorf aus Sicht von Erwin Klein eine positive Entwicklung. „Wir hatten Glück mit unseren Bürgermeistern. Gerhard Schmidt war sehr rührig, dann kam sehr schnell Peter Sawiaczinski. Mit seinen Kontakten zu Bauleuten und in die Landesregierung hat er viel bewirkt“, schätzt Erwin Klein ein. Zur 1000Jahr-Feier 1995 nutzte das Dorf die neue Mehrzweckhalle. „Das war eine Errungenschaft, da kamen die Wismarer zu uns ins Dorf.“ Bereits jetzt werden Ideen für die 1025Jahr-Feier gesammelt.

Auch Erwin Klein hat sich ehrenamtlich ins Dorfleben eingebracht. Er war drei Wahlperioden lang im Finanzausschuss der Gemeinde, gründete den Naturschutzbund im Landkreis mit, ist Mitglied im Kulturverein und Chef der Garagengemeinschaft. Diese Funktion würde er gern abgeben. „Das ist nicht so einfach. Heute will keiner mehr etwas für die Allgemeinheit tun“, beklagt der Senior, der als Handballfan die Frauen vom Mecklenburger Sportverein seit Jahren unterstützt. Wegziehen kam für die Eheleute nicht infrage. „Es lebt sich gut hier“, sagt Erwin Klein, „wir haben im Dorf alles, was wir brauchen: zwei Ärzte, zwei Zahnärzte, Friseur, Fußpflege.“

Auch Bürgermeister Torsten Tribukeit hört von den Alteingesessenen, dass sie gern in Dorf Mecklenburg leben, und von den Zugezogenen, dass sie gern hergekommen sind. Jobs bieten fünf landwirtschaftliche Betriebe, mehrere Handwerker und Kleinindustrie hat sich im Ort angesiedelt. Junge Familien finden hier eine Kindertagesstätte und zwei Schulen vor. Moderne Sportstätten stehen für den Unterricht und den Mitgliedern des MSV kostenlos zur Verfügung. Weitere Vereine, wie das Blasorchester, der Kultur- und der Anglerverein, der Faschings- und der Schachclub, der Verein „Mecklenburger Wiege“ und das Kinderensemble, bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Zudem verfügt das Dorf über vier Gaststätten bzw. Kneipen, eine Disco und bald zwei Hotels.

Durch die Lage an der Bundesstraße 206 gibt es eine Busanbindung nach Wismar und nach Schwerin. Auch die Regionalbahn hält in Dorf Mecklenburg. „Leider ist erst ein Bahnsteig an das Höhenniveau des Zuges angeglichen, der andere noch nicht“, merkt Rentner Klein kritisch an.

Haike Werfel

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