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Wismar Es stehen nur noch Mauer-Fragmente
Mecklenburg Wismar Es stehen nur noch Mauer-Fragmente
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00:05 13.06.2017
Die 1972 eröffnete Meerwasserschwimmhalle war in der DDR-Zeit das Prunkstück des Ostseebades Kühlungsborn. Quelle: Foto: Rainer Schulz
Kühlungsborn

Nur die Fragmente von zwei Außenmauern stehen noch. Die Abriss-Bagger – vor allem der mit der Schere, die auch dicken Stahl schneiden kann – kämpfen sich jetzt durch die dicke Stahlbetondecke über dem Kellergeschoss. Die Ruine der einstigen Meerwasserschwimmhalle mit Seeblick am Rand des Baltic Parks in Kühlungsborn West ist fast verschwunden.

Schwimmhallen-Abriss in Kühlungsbornfast vollendet / Referendum über Zukunft des Grundstücks möglich

Dennoch: „Der Abriss und die nachfolgenden Arbeiten werden uns wohl noch bis Mitte/Ende Juli beschäftigen“, erklärt Eckhard Werges, der Chef der Firma Werges Erdbau-Abbruch-Schüttguttransporte und Baustoffhandel GmbH aus Kröpelin. Ursprünglich sollte die Ruine schon Pfingsten weg sein. Doch dann wurde im Zuge der Schadstoffsanierungsarbeiten vor dem eigentlichen Abriss festgestellt, dass dort Fledermäuse ihr Quartier hatten. Es musste gewartet werden, bis ihre Winterruhe vorbei war und Ausweichquartiere angeboten werden konnten.

Werges nennt einige Zahlen, um die Dimension der Arbeiten zu verdeutlichen: 20000 Kubikmeter umbauter Raum – das war die alte Schwimmhalle. 4000 Kubikmeter Feststoffe, darunter viel massiver Stahlbeton, sind abzureißen. Das Abbruchmaterial wird zu einem Gelände der Firma in Schmadebeck gefahren, vom Stahl getrennt und nach einem Recycling zum Baustoff für Straßen. Nach dem Abfahren des letzten Bauschutts wird das bis zu fünf Meter tiefe Loch, das entstanden sein wird, mit rund 6000 Kubikmeter Sand aufgeschüttet. Darüber kommt dann Mutterboden, auf dem Gras angesät wird. „Und dann können sich die Kühlungsborner endgültig Gedanken darüber machen, was auf diesem Filet-Grundstück in bester Lage direkt am Meer geschehen soll“, sagt Eckhard Werges.

Und spricht damit das eigentliche Problem an, das in Kühlungsborn zeitweilig fast zum Glaubenskampf wurde. Nach den Februar-Ferien 2003 wurde die zunehmend baufällige Halle, in die seit der Wende nichts mehr investiert wurde und die zum Energiefresser geworden war, geschlossen. Die Stadt machte sich damals daran, den Hafen zu bauen. Eine Landesbürgschaft für den notwendigen Kredit gab es jedoch nur, wenn der Stadthaushalt nicht mehr länger mit dem Defizit durch die Schwimmhalle – inzwischen einige Hunderttausend Euro pro Jahr – belastet sein würde. Wahrscheinlich der letztlich ausschlaggebende Grund, der zur Schließung führte.

Mehrere Projekte, die Halle wieder neu aufzubauen, scheiterten. Und seit einigen Jahren sind auch Stimmen laut geworden, die an diesem Standort keine neue Schwimmhalle mehr wollen. Was bei den Schwimmhallen-Befürwortern zu heftigen Reaktionen führte.

„Es gibt viele Kühlungsborner, die wollen dort wieder eine Meerwasserschwimmhalle sehen – als separates Bauwerk, notfalls auch – aus wirtschaftlichen Gründen – in Verbindung mit einem Hotel. Auch der Vorschlag, dort eine architektonisch schöne Konzert- und Veranstaltungshalle zu bauen, hat seine Befürworter. Und dann gibt es auch etliche Kühlungsborner, die dort überhaupt kein Gebäude mehr wollen. Sie sagen, die Fläche soll in die bevorstehende Neugestaltung des Baltic Parks integriert werden, um unseren Park direkt am Meer noch schöner machen zu können. Ich denke, wir werden erst nach einem Referendum Klarheit darüber haben, was die Mehrheit der Kühlungsborner dort wünscht“, sagt Stadtvertretervorsteher Uwe Ziesig (parteilos). Er wird die Idee einer Einwohner-Befragung zu einer künftigen Bebauung – oder Nichtbebauung – des ehemaligen Schwimmhallengrundstücks demnächst in der Stadtvertretung zur Sprache bringen.

Was soll mit dem ehemaligen

Schwimmhallen-Grundstück

geschehen? Schreiben Sie uns

doch Ihre Vorschläge an bad-dobe-

ran@ostsee-zeitung.de oder

auf unserer Facebook-Seite.

Eröffnung vor 45 Jahren

1972 wurde die Meerwasserschwimmhalle in Kühlungsborn eröffnet. Jahrzehntelang war sie der Stolz der Kühlungsborner und eine Attraktion nicht nur für die Urlauber, sondern auch für die Menschen in der Umgebung des Ostseebades. Neben dem touristischen Aspekt waren das Schulschwimmen und das Training der Rettungsschwimmer ein wichtiger Aspekt beim Betrieb.

Im Februar 2003 wurde die Halle

geschlossen – wegen beginnender Baufälligkeit. Die große Chance,

sie 1991/92 – kurz nach der Wende – mit großem Fördermittelanteil zu

sanieren, wurde zuvor durch die Stadt nicht genutzt. Warum auch

immer – darüber wird heute noch

gestritten. Projekte für einen Neubau zerschlugen sich.

Lutz Werner

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