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Wismar Jährlich fehlen 100 Bauingenieure in MV
Mecklenburg Wismar Jährlich fehlen 100 Bauingenieure in MV
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06:00 11.10.2018
Im Rathaus wurden am Mittwoch die 25. Nordischen Bausachverständigentage eröffnet. Bürgerschaftspräsident Tilo Gundlack begrüßte die Teilnehmer des dreitägigen Treffens. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

In Wismar – wie im übrigen Teil des Landes – mangelt es an Bauingenieuren. Gleich zum Auftakt der 25. Nordischen Bausachverständigentage legte Prof. Dieter Glaner den Finger in die Wunde.

Prof. Dieter Glaner, Bereichsleiter Bauingenieurwesen an der Hochschule Wismar Quelle: Heiko Hoffmann

Der Bereichsleiter Bauingenieurwesen an der Hochschule Wismar sagte am Mittwoch im Rathaus: „Es gibt einen ungeheuren Bedarf an Bauingenieuren, den wir nicht decken können.“

Die Einschätzung teilt Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin. Rund 100 Bauingenieure fehlen jährlich in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben einen massiven Bedarf. Bessere Rahmenbedingungen sind zwingend erforderlich“, so Eisenach. Es fehle in MV an Breite und Tiefe. Mit Tiefe meint er unter anderem das fehlende Promotionsrecht an der Hochschule Wismar. Junge Menschen, die die universitäre Ausbildung anstreben, „gehen dann in andere Bundesländer und kommen nicht zurück“, ergänzt Dr. Andreas Eigendorf, Cheforganisator der Bausachverständigentage.

Die insgesamt rund 250 Teilnehmer der dreitägigen Fachveranstaltung aus dem gesamten Bundesgebiet können vom Mangel an Bauingenieuren und Sachverständigen ein Lied singen. Seit 25 Jahren treffen sich in Wismar Bausachverständige, Architekten und Bauingenieure aus Sachverständigen- und Planungsbüros, Unternehmen und Behörden, Wissenschaftler und Juristen. Sie diskutieren aktuelle Themen, tauschen Erfahrungen aus und bilden sich fort.

„Mit den Nordischen Bausachverständigentagen hat sich eine hochkarätige Veranstaltung in Wismar etabliert“, so Hochschul-Rektor Prof. Bodo Wiegand-Hoffmeister.

Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin Quelle: Heiko Hoffmann

IHK-Hauptgeschäftsführer Eisenach sagt: „Wismar mit der Hochschule kann sich mit der Veranstaltung rühmen. Das ist ein Magnet und ein Marketinginstrument für die Stadt.“ Bürgerschaftspräsident Tilo Gundlack (SPD) gratulierte zu Beginn zur „Silberhochzeit“ der Veranstaltung und war sich sicher, dass die Themen auch in Zukunft nicht ausgehen werden.

In Wismar gab es 2001 noch 1000 Baustudenten. 650 an der Fachhochschule, 350 befanden sich in der universitären Ausbildung. Aktuell zählt der Bereich Bauingenieurwesen rund 370 Studenten. Prof. Glaner: „Da tut sich eine große Lücke auf.“ Im Bauwesen des Landes gibt es etwa 45000 Beschäftigte. „Wir müssen für Nachwuchs bei Bauingenieuren sorgen. Wenn Strukturen kaputt sind, sind sie kaputt“, spielt Glaner auch auf keine Büros an und fragt: „Wer soll dann die Einfamilienhäuser planen?“

Mitte der 2000er-Jahre wurde das Studium für Bauingenieure an der Fachhochschule Neubrandenburg und an der Uni Rostock geschlossen. Ideen für eine Belebung des Bauingenieurwesens gibt es. So sei ein gemeinsamer Studiengang der Fachhochschulen Wismar und Neubrandenburg und der Uni Rostock angedacht. Ein gemeinsames Konzept mit Verbänden werde erstellt, so Prof. Glaner. Doch letztlich sehen Glaner und Eisenach die Landespolitik in der Pflicht.

An den drei Tagen in Wismar gibt es drei Schwerpunkte: Wertermittlung für Boden und Gebäude, rechtliche Aspekte des Sachverständigenwesens sowie Bauschäden analysieren und vermeiden. Zum Begleitprogramm gehören ein Empfang des Bürgermeisters sowie Besuche des Welterbehauses und des „Schabbell“-Museums.

Am Donnerstag findet um 14.45 Uhr eine öffentliche Podiumsdiskussion im Bürgerschaftssaal mit drei der ehemals vier Gründungsväter der Nordischen Bausachverständigentage statt. Der frühere Rektor Prof. Walter Schäfer, Siegbert Eisenach (IHK) und Prof. Wilfried Haker, Gründungspräsident der Ingenieurkammer MV, diskutieren über zukünftige Aufgaben.

Heiko Hoffmann