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Wismar Fahrradtour zum Todesstreifen

Fünf Tage, 175 Kilometer und volles Programm: Schüler und Erwachsene wollen Geschichte verstehen

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Start bei strömendem Regen: 25 Teilnehmer der Radtour lernen in den nächsten Tagen, was die deutsche Teilung für einzelne Bürger bedeutete.

Quelle: Foto: As

Wismar. Der Blick Richtung Himmel verrät nichts Gutes: es hat angefangen zu regnen. Jonas Holtkamp verschließt mit Unbehagen den Reißverschluss seiner roten Regenjacke und checkt noch das letzte Mal die Bremsen an seinem Mountainbike. Vor dem 17-Jährigen liegen 175 Kilometer und fünf Tage Fahrtzeit – den Großteil entlang der ehemals deutsch-deutschen Grenze.

Der Schüler vom Eldenburg-Gymnasium Lübz ist einer der 25 Teilnehmer einer Fahrradtour in die unmittelbare Geschichte der deutschen Teilung. Gestern Mittag startete die Gruppe am Wismarer Hauptbahnhof. Weitere Stationen sind Proseken, Klütz, Lübeck, Schlagsdorf, Zarrentin und Büchen. Die Tour wird durch den „Demokratiebus“ der Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen begleitet. „Durch Begegnungen mit Zeitzeugen wollen wir insbesondere den jüngeren Teilnehmern Alltag, Lebenswelt und Diktatur besser vermitteln“, sagt Burkhard Bley, stellvertretender Landesvorsitzender für Stasiunterlagen.

Martin Klähn vom Verein „Politische Memoriale“ organisierte die Radtour zum Todesstreifen bereits zum vierten Mal. „Wenn ich an der Organisation beteiligt bin, kann ich doch auch mal selbst mitfahren“, dachte er sich und stieg in diesem Jahr selbst aufs Rad. Der 58-Jährige findet es wichtig, Geschichte in aktuellen Kontext zu setzen. Ein wichtiges Thema auf der Tour seien deswegen Fluchtursachen von damals und heute.

Den Teilnehmern steht ein volles Programm aus Vorträgen, Filmen und persönlichen Begegnungen bevor. Eines der besonderen Erlebnisse auf der Tour ist der Besuch der Gedenkstätte am Gartenschläger-Eck bei Leisterförde. Hier wurde im Jahre 1976 der politische Häftling und Fluchthelfer Michael Gartenschläger von einem Spezialkommando des MfS getötet. Gartenschläger versuchte an der Grenze Selbstschussanlagen der DDR abzumontieren. Gemeinsam mit Zeitzeugen wie Uwe Rutkowski, der zusammen mit Gartenschläger in Haft saß, wollen die Teilnehmer der Radtour die Gedenkstätte pflegen.

Auch für Jonas Holtkamp ist das ein besonderer Moment, denn die Rolle des MfS interessiert den Schüler besonders: „Man hört immer viel von der Stasi, hat aber nie so recht einen Einblick in das tatsächliche Geschehen damals.“ Die Radtour ist für Holtkamp aber mehr als nur ein interaktiver Geschichtsunterricht. „Es ist schön, einfach neue Leute kennenzulernen“, sagt er.

Neben Schülern und ihren Betreuern aus Lübz, Satow und Malchin haben sich mehrere Erwachsene bei der Tour angemeldet. Ältester Teilnehmer ist der ehemalige Pastor Friedrich Kuhn aus Rüterberg. Der 79-Jährige ist schon zum zweiten Mal dabei bei der historischen Radtour. „Wenn es so eine Fahrt in meiner Jugend gegeben hätte, hätte ich auch sofort mitgemacht!“

Thilo Wierzock aus Neumünster glaubt, dass die Verknüpfung von historischen Inhalten mit sportlicher Aktivität den Reiz solch einer Tour ausmacht. „In der Gruppe entwickelt sich schnell ein Teamgeist – egal ob du 16 oder 60 Jahre alt bist. So was passiert bei einer Busfahrt nicht.“ Der 45-Jährige ist Architekt, beschäftigt sich aber schon seit Jahren mit dem Grenzschutz der DDR. Am gestrigen Abend hielt er vor den Teilnehmern einen Vortrag über die Grenzbrigade Küste. „Ich kann aus erster Hand berichten, bin aber noch vergleichsweise jung“, sagt er. Die jüngere Generation habe da weniger Kontaktschwierigkeiten.

Alexander Salenko

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