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Wismar Fein schmecken lassen bei Frieda auf Poel
Mecklenburg Wismar Fein schmecken lassen bei Frieda auf Poel
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00:00 22.03.2014
Kathy Gordon in ihrem Café Frieda in Oertzenhof auf der Insel Poel. Kuchen und Torten aus der heimischen Küche stehen bei den Gästen hoch im Kurs. Auch Kunstliebhaber kommen gerne. Quelle: Heiko Hoffmann
Oertzenhof

„Dieses Café gehört zu den besten in Deutschland.“ Als die Urkunde Kathy Gordon erreichte, war die Überraschung riesig, der Stolz nicht minder. Darum hängt sie jetzt auch an der Wand im Café Frieda im kleinen Ortsteil Oertzenhof auf der Insel Poel.

Die Redaktion des Magazins „Der Feinschmecker“ hat in der März-Ausgabe das Café aus 1500 Mitbewerbern zu einem der besten Cafés in Deutschland gewählt. Die Tester lobten vor allem die Himbeer-Joghurt-Torte, die Mohn-Marzipantorte und den köstlichen Apple Crumble. Inhaberin Kathy Gordon: „Wir sind alle sehr glücklich und stolz auf diese Auszeichnung und freuen uns auf die neue Saison.“

Der Feinschmecker ist eine monatlich in Hamburg erscheinende Special-Interest-Zeitschrift, die sich mit feiner Küche, Wein und anderen Fragen des gehobenen Genusses beschäftigt.

Wer und wann das idyllisch gelegene Café besucht und getestet hat, weiß die gebürtige Poelerin nicht. „Umso größer war ja die Überraschung, dass wir es geworden sind. Nichts war gestellt, so soll es sein“, strahlt die Chefin.

Und dennoch: Von ungefähr kommt die Ehre nicht. Aus dem früheren Schweinestall ist ein Kunstcafé geworden. In diesem Jahr geht es in die fünfte Saison. Kathy Gordon ist zu ihren gastronomischen Wurzeln zurückgekehrt. Nach Beendigung der Schule 1989 in Kirchdorf hat sie Restaurantfachfrau gelernt. Später folgten eine zweite Lehre als Bürokauffrau und ein Job in einer Unternehmensberatung.

Privat verschlug es sie nach England. Ihr Mann hat einen britischen und einen australischen Pass, ihr Sohn einen deutschen und auch den britischen. Im Jahr 2000 zog es die Familie nach Poel. Kathy Gordon arbeitete noch zehn Jahre in der Unternehmensberatung, dann nahm sie die neue Herausforderung namens Café Frieda an.

„Das Paket aus Kunst und Kuchen ist uns wichtig. Das ist zwar nichts wirklich Neues, gibt es aber nicht überall. Wir hätten nie gedacht, dass wir mal so viel Zuspruch bekommen.“

Die Besucher wissen das Angebot auf den zwei Etagen zu schätzen. Ungezwungen können sie derzeit Fotografien, Tafelbilder und Farbskizzen auf sich wirken lassen. Die nächste Vernissage zur Ausstellung „Küsten und Ufer“ findet am 4. April statt. Außerdem stehen im Terminplan bis Jahresende schon neun musikalische Veranstaltungen verschiedener Stilrichtungen.

Die Großmutter von Kathy Gordon wäre wohl sehr stolz, wenn sie sehen könnte, was ihre Enkelin aus dem früheren Schweinestall und dem früheren Inspektorenhaus, in dem sie heute mit ihrer Familie wohnt, gemacht hat. Zwei Dinge würden sie wahrscheinlich besonders freuen. Denn der Name von Café Frieda geht auf die Vorfahrin Elfriede zurück. Und: Als geborene Bauerntochter aus dem Ermland war Frieda eine leidenschaftliche Bäckerin, Köchin, Gärtnerin und Gastgeberin.

Die Enkelin hat die Talente geerbt. Kuchen, Torten und Waffeln sind selbst gebacken, auch wenn Kathy Gordon natürlich nicht alles allein schafft. Ab Karfreitag ist das Café wieder täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Bis zu acht Frauen wirtschaften dann. Jetzt, in der Nebensaison, ist Frieda freitags bis sonntags offen. Drinnen finden 30 Gäste Platz, draußen etwa 40. Obwohl Oertzenhof nicht der Nabel von Poel ist und nicht an die Ostsee grenzt, kann sich Kathy Gordon über Zuspruch nicht beklagen.

Kunst und Kuchen und das Ambiente locken. Bei Spaziergängern, Radfahrern, Ausflüglern mit dem Auto oder auch mit der Pferdekusche. Und einige Besucher, heute im Rentenalter, erinnern sich an die 1950er- und 1960er-Jahre, als sie als Kinder ihre Sommerferien hier verlebten und auf dem Heuboden des Stallgebäudes schliefen, der nunmehr als Galerie genutzt wird.

Oertzenhof war bis 1945 Domäne des Landes Mecklenburg
Die unmittelbar an Kirchdorf grenzende Ortslage Oertzenhof, früher hieß sie Schwartzenhof, war bis 1945 Domäne des Landes Mecklenburg mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 199 Hektar. Die letzte Pächterin, Hanna Tiessen, musste 1945 Poel verlassen.



Im Zuge der Bodenreform wurde Oertzenhof aufgesiedelt. Es entstanden zahlreiche Neubauernstellen. Von den ehemaligen großen Wirtschaftsgebäuden ist heute nur noch der Speicher vorhanden, der zu Wohnungen umgebaut wurde. Nach Aufgabe der Schweinehaltung und der Verlegung des Technikstützpunktes der ehemaligen Bäuerlichen Produktivgenossenschaft wurde Platz geschaffen für den Bau neuer Einfamilienhäuser. Ein Schweinestall wurde zur Schießhalle des Poeler Schützenvereins umfunktioniert. Im Rahmen der Flurneuordnung wurde durch den Bau einer Betonspurbahn eine Verbindung zwischen Oertzenhof und der Wohnanlage auf dem Kickelberg hergestellt.



Geschichtliches lesen Gäste im Café Frieda auch in der Speisekarte. So heißt es zum Beispiel: „Nach der Auflösung der Domäne im Zuge der Bodenreform übernahm die Familie Wilhelm Ellmer, vertrieben aus Ostpreußen, das ehemalige Inspektorenhaus und den früheren Schweinestall, in welchem sich heute das Café Frieda befindet. Die letzten Besitzer von ,Oertzenhof 4‘ waren Gerhard Allary und seine Frau Elfriede. Nach der Flucht aus Ostpreußen, Gefangenschaft in Russland und ersten Jahren in Gollwitz fanden sie hier ab 1967 ein neues Zuhause. Heute wohnt deren Enkelin Kathy Gordon mit ihrer Familie hier.“
Wir sind alle sehr glücklich und stolz auf diese Auszeichnung.“Inhaberin Kathy Gordon



Heiko Hoffmann

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