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Wismar Fifty-Fifty-Tickets sind bei vielen Taxifahrern unbeliebt
Mecklenburg Wismar Fifty-Fifty-Tickets sind bei vielen Taxifahrern unbeliebt
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04:21 13.03.2013
Mandy Meckelmann (AOK Wismar) zeigt die Taxi-Tickets.  

Wochenende heißt für viele Jugendliche: feiern gehen. Aber wer fährt? In Mecklenburg-Vorpommern soll durch die Fifty-Fifty-Taxitickets diese Frage geklärt sein. Nach Angaben der AOK, Mitorganisator des Projekts, seien die Tickets bei den Jugendlichen in Wismar beliebt — viele Taxiunternehmen sehen das allerdings anders. Klaus Martens arbeitet in der Zentrale der Wismarer Funktaxen: „Die Tickets werden nicht oft benutzt“, sagt der Taxifahrer. „Hier in Wismar beteiligen sich auch nicht viele Unternehmen an der Aktion.“

Eine OZ-Umfrage unter den sieben Wismarer Taxiunternehmen ergab: drei von ihnen akzeptieren die Tickets nicht, weitere drei nur ungern. Die Gründe: zu viel Aufwand, zu geringe Nachfrage. „So ein Ticket bedeutet mehr Schreibarbeit und das kostet uns Zeit, die wir oft nicht haben“, erklärt Martens. „Viele Jugendliche nutzen nach meinen Erfahrungen das Angebot aus und fahren nur von Haus zu Haus.“ Verboten sei das nicht, aber nicht Sinn der Sache.

Lediglich das Wismarer Unternehmen Union Taxi macht gerne mit: „Wir unterstützen das Projekt schon jahrelang. Es ist ja eine gute Sache“, meint Doreen Hentschel. „In den letzten Jahren wurde die Nachfrage jedoch kontinuierlich weniger.“ Am Wochenende komme das Unternehmen auf rund fünf Fahrten mit den Spartickets — an guten Tagen. „Früher gab es die Tickets bei der AOK und an den Tankstellen zu kaufen“, erinnert sich Doreen Hentschel. „Da lief die Aktion noch besser.“ Das könnte sich in Zukunft wieder ändern: „Der Landesverband arbeitet daran, dass die Tickets wieder in Tankstellen erhältlich sein werden“, sagt Brigitte Specht vom Landesverband Taxi- und Mietwagengewerbe MV auf OZ-Anfrage.

Bereits seit 15 Jahren gibt es das landesweite Projekt der Fifty-Fifty-Tickets, das vom Landesverkehrsministerium, der Krankenkasse AOK und Antenne MV organisiert wird. Mit den Tickets zahlen 16- bis 25-Jährige nur den halben Preis für eine Fahrt. Das Angebot wurde als Reaktion auf die hohe Zahl sogenannter Disco-Unfälle ins Leben gerufen. In den 1990er-Jahren starben immer wieder junge Menschen bei Autounfällen, die sich auf dem nächtlichen Heimweg von der Disco ereigneten. Verkauft werden die Rabatttickets in den AOK-Servicecentern im Land. In der Wismarer Niederlassung gehen in einer guten Woche rund 25 Tickets raus. Hauptkunden sind die Jugendlichen selbst. In der Nachbarstadt Grevesmühlen läuft der Verkauf besser: „Bei uns beteiligen sich mehr Unternehmen an der Aktion“, meint Claudia Kähler von der AOK in Grevesmühlen.

Zum 1. März hat das Verkehrsministerium für das laufende Jahr 90 000 Euro für die Aktion bereitgestellt. „Im Durchschnitt verkaufen wir pro Jahr rund 36 000 Tickets im ganzen Land“, berichtet Markus Juhls, Sprecher der AOK Nordost. „Alleine im letzten Dezember waren es 4200 Tickets, was im Vergleich zu den anderen Monaten mit etwa 2800 Tickets sehr viel ist.“ Das liege allerdings daran, dass die Tickets gerne verschenkt werden. „Die Großeltern oder Eltern schenken die Tickets gerne zum Weihnachtsfest“, weiß Juhls. „Die Jugendlichen können diese beim nächsten Discobesuch einsetzen, sind unabhängig und die Eltern können ruhig schlafen.“ Markus Juhls ist sich sicher: Die Fifty-Fifty-Tickets sorgen für Verkehrssicherheit im Land.

Die Werbetrommel wird auch in den Diskotheken im Land gerührt. So findet im K2 in Grevesmühlen Ende März eine Taxi-Party statt. „Wir bewerben jedes halbe Jahr die Aktion in unserer Disco“, erzählt Geschäftsführer Ulf Bartel. „Als Veranstalter liegt es natürlich auch in unserem Interesse, dass unsere Gäste nach dem Feiern heil nach Hause kommen.“

Wie funktioniert das Ticket?
Die Taxi-Tickets gelten jeden Freitag und Sonnabend von 20 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages sowie vor und an gesetzlichen Feiertagen. Zusätzlich auch in der Silvesternacht von 20 Uhr bis 12 Uhr am Neujahrstag.


Fahrgäste dürfen zwischen 16 und 25 Jahren alt sein. Ausgangs- oder Zielpunkt der Fahrt müssen innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern liegen. Bei der Taxibestellung sollte vorab das Fifty-Fifty-Ticket angekündigt werden.


Für 2,50 Euro kann eine Strecke für fünf Euro gefahren werden. Die andere Hälfte der Fahrtkosten bringt das Land Mecklenburg-Vorpommern mit Unterstützung von Sponsoren auf.


In Nordwestmecklenburg sind die Verkaufsstellen der Fifty-Fifty-Tickets in den AOK-Servicecentern in Grevesmühlen, Wismar und Gadebusch.


In Rostock gab es im Februar mit dem Jugendtaxi eine Konzept nach dem gleichen Prinzip. Das Budget von 20 000 Euro war jedoch schon nach vier Wochen aufgebraucht. Geplant war das Jugendtaxi für ein halbes Jahr.

• Infos unter:
www.taxiticket.de

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