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Fischer gründen neue Zunft

Wismar Fischer gründen neue Zunft

Amt regelt die Rechte in der Wismarbucht / Begehrte Krabbenstellen und der Fisch des „kleinen Mannes“

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Der Alte Hafen in Wismar mit Fischerkai um 1986.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 24. Juni 1825 gründeten die Wismarer Fischer mit Genehmigung des Wismarer Rates ihre Zunft. Sie hatten ein eigenes Amt, das sie nun mit der Zunftneugründung bestätigten, aber sie gehörten unter Wismars Ämtern zum „Dritten Stand“. Das Amtshaus der Fischer war „Ottilies Gartenhaus“ an der Reiferbahn. Die ehemalige Gaststätte „Wallgarten“ in der Dahlmannstraße war seit 1816 als „Ottilies Gartenhaus“ bekannt und wurde 1857 in „Zur Wallhalle“ genannt. Der Name kommt vom in der Nähe liegenden Stadtwall, der auch die „Wallgärten“ ihren Namen gab. Die Wallgärten entstanden schon Mitte des 18. Jahrhunderts und 1791 wurde dort die erste „Gartengemeinde“ gegründet.

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In der „Wallhalle“ wurde auch jeweils im Februar der jährliche „Jungclaas-Ball“ durchgeführt. Die frischgebackenen Schiffsjungen waren mächtig stolz, wenn Matrosen und Älterleute sie an diesem Tag erstmals mit „Herr“ ansprechen mussten. Danach war es aber wieder vorbei mit der „Jungenherrlichkeit“ und der raue Alltag zog ein.

Die Fischer betrieben eines der ältesten Gewerbe Wismars. Schon zur Zeit der Stadtgründung sind sie zum Fischfang in die geschützte Bucht und auf die freie Ostsee hinaus gefahren. Der Fisch war und ist ein Grundnahrungsmittel und zu allen Zeiten lebensnotwendig. Die Wismarer achteten ihn so hoch, dass er sogar im städtischen Siegel von 1250 und im heutigen Stadtwappen einen Platz hat, war doch der Handel mit Fisch teilweise die Basis für den Wohlstand der Stadt.

Fisch war im Mittelalter ein weitaus wichtigeres Grundnahrungsmittel wie heute und wurde besonders als „Langzeitnahrung“ gebraucht. Man trocknete oder dörrte ihn oder er wurde in Salz gepökelt. Damit hielt sich der Fisch und auf den langen Seereisen diente er als Nahrung. Zu den Fastentagen war Fisch das Nahrungsmittel, das über die strengen Regularien hinweg half. Fisch kam früher sprichwörtlich auf jeden Tisch – ob arm oder reich, es kam nur auf die Menge und Art an. Besonders zu den Festtagen, wie eben Weihnachten oder zum Jahreswechsel, war Fisch das Festmahl anstelle des heutigen Festbratens.

Der Hering war schon der Fisch des „kleinen Mannes“ und da diese Schicht mitunter bettelarm war, wurde oft heimlich gefischt. Wehe aber, wenn der „Sünder“ von den Wismarer Fischern oder den städtischen Bütteln erwischt wurde. Als „milde Strafe“ setzte es dann eine tüchtige Tracht Prügel oder es ging als „Wilddieb“ in den Turm.

Auch die Krabbenfischerei ist begehrt gewesen. Da aber im Amt für 20 Fischer nur elf Krabbenstellen zu vergeben waren, wurde um diese gelost. Später bekamen nur die ältesten Mitglieder der Zunft die begehrten Stellen. Im Amt wurden nicht mehr als 20 Fischer zugelassen und nur diesen war es auch gestattet, Seefischerei zu betreiben. Das heißt, sie durften auf die Bucht und auf die freie Ostsee fahren.

Auch war es lediglich den einheimischen Bootsleuten und Schiffern erlaubt, so die Zunftrolle von 1825, im Hafen bis zu den „alten Schweden“ ein „Gericht Aal“ zu stechen. Wismarer fischten gelegentlich im 16. Jahrhundert auch vor der schwedischen Küste bei Schonen. Die Wismarer Fischer hatten bis in das 18. Jahrhundert das alleinige Recht in der Wismar-Bucht, bei der Golwitz und im Haff bei Wustrow und in der Wohlenberger und Boltenhagener Bucht zu fischen. Den Bewohnern der am Ufer liegenden Dörfer war nur die Strandfischerei gestattet. Die „Bauernfischerei“ ließ sich jedoch nicht aufhalten.

Obwohl der Wismarer Rat seine Privilegien hart verteidigte, gab es erst ab 1880 einvernehmliche Regelungen und 1895 wachte ein Fischmeister streng über die Einhaltung. Lediglich im Innenbereich des Wismarer Hafens durften nur Wismarer fischen.

Gewerbefreiheit gab es im mittelalterlichen Wismar nicht. Der Rat ließ nur so viel Gewerbe zu, wie alle einträgliche Einnahmen hatten. Bei Tod eines Fischers oder durch Aufgabe, rückte einer nach. Am 1. Oktober 1869 gab es den  Erlass der „Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund“, später 1883 zur „Gewerbeordnung für das Deutsche Reich“. Damit erlosch das Zunftwesen auch in Wismar und nahezu jeder durfte ein Gewerbe ausüben.

100 Jahre nach Zunftgründung am 25. Juni 1925 gab es immerhin 38 selbstständige Fischer – heute gibt es nur noch zwei selbstständige Wismarer Fischer.

Was sonst noch geschah

24. Juni 1940: 1. Luftangriff auf Wismar und die Dornierwerke.

25. Juni 1777: Karl von Breitenstern (Bürgermeister von 1814-1825) geboren, am 4. Februar 1825 in Wismar gestorben. Gründer des im November. 1818 gegründeten Musikvereins, des zweitältesten in Deutschland.

26. Juni 1803: Der Vertrag von Malmö wird unterzeichnet. Wismar wird wieder mecklenburgisch.

28. Juni 1940: 2. Luftangriff: Von 0.39 Uhr bis 2.57 Uhr Angriff auf die Stadt durch fünf bis acht englische Kampfflugzeuge, die etwa 25 Sprengbomben und 100 Brandbomben abwarfen.

Detlef Schmidt

Detlef Schmidt

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