Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Flasche geht im Chemieraum zu Bruch

Neukloster Flasche geht im Chemieraum zu Bruch

Katastrophenschutz des Landkreises trainiert in der Regionalen Schule Neukloster den Einsatz im Ernstfall

Voriger Artikel
Spielgerät mit viel Spaß eingeweiht
Nächster Artikel
Daumen hoch für den Umbau: Kinderstation wird erneuert

Im Chemieraum können die Atemschutzträger kaum etwas sehen, müssen aber schauen, ob sich dort Verletzte befinden. Fotos (3): Kerstin Erz

Neukloster. Das Wochenende nutzen wohl viele Menschen, um sich mal so richtig auszuschlafen. Das wird auch in Neukloster so sein. Doch am Sonnabend kurz nach neun Uhr ist es mit dem Ausschlafen plötzlich vorbei. Mit lautstarkem Tatütata und Rundumleuchten sausen Neuklosteraner Feuerwehrautos durch die Stadt. Im Weiteren, weil später alarmiert, gefolgt von Fahrzeugen aus Warin, Wismar, Dassow, Neuburg, Gadebusch, Rehna und Selmsdorf. Ihr Einsatzziel ist die Regionale Schule in Neukloster.

OZ-Bild

Katastrophenschutz des Landkreises trainiert in der Regionalen Schule Neukloster den Einsatz im Ernstfall

Zur Bildergalerie

Hier fand im Chemieraum ein Seminar statt, bei dem dem Leiter eine Flasche mit chemischer Flüssigkeit auf den Boden fiel. Binnen weniger Sekunden ist der gesamte Raum in einen dicken, ätzenden Nebel getaucht.

Zehn Personen können sich aus dem Raum retten, zwei werden vermisst. Der Seminarleiter setzt einen Notruf ab. Innerhalb von wenigen Minuten ist die Neuklosteraner Feuerwehr vor Ort. Mit ihr der Krankenwagen des ASB (Arbeiter-Samariter-Bund).

Jetzt kommt es zwar auf Minuten an, aber Einsatzleiter Lars Krasemann erkundet in aller Ruhe die Situation. Neuklosters Wehrführer erkennt schnell, dass es sich hier um eine Situation handelt, die einen ABC-Einsatz erfordert (bei atomaren, biologischen und chemischen Gefahren). Umgehend alarmiert Krasemann den Katastrophenschutz des Landkreises.

Es werden Gefahrgutzüge und der Dekon-Zug benötigt. Eine technische Einsatzleitung wird eingerichtet, die Einsatzleiter Krasemann unterstützt. Bei Unfällen mit unbekannten Stoffen muss er auch ein CBRN-Erkunder-Fahrzeug (für chemische, biologische, radiologische und nukleare Vorfälle) mit Spezialkräften hinzuziehen. Es wird in Selmsdorf angefordert. Die Malteser aus Wismar übernehmen die seelsorgerische Betreuung der Verletzten und Angehörigen und versorgen alle Einsatzkräfte.

Spätestens jetzt steht Lars Krasemann der Zugführer Gefahrgut des Landkreises, Joern Warnke (51), unterstützend zur Seite. Noch wissen sie nicht, ob die vermissten Personen im Chemieraum sind und um welchen ätzenden Stoff es sich dort handelt. Also müssen Feuerwehrleute rein. Atemschutzträger steigen in einen Chemieschutzanzug. Sie dürfen aber erst dann in den Raum, wenn die Dekontaminationsschiene aufgebaut ist. Das heißt, nach Verlassen des verseuchten Raumes müssen die Feuerwehrmänner durch ein Zelt mit einem sogenannten Schwarz- und einem Weißbereich. Zudem müssen sie abgespritzt werden und sich komplett umziehen. Ihre Sachen werden fachgerecht dekontaminiert oder entsorgt.

Zwei solche Dekon-Schleusen sind inzwischen aufgebaut, eine für die Atemschutzträger, die andere für die Verletzten. Zwei von ihnen wurden bewusstlos aus dem Chemieraum geborgen. Sie werden von den Dekon-Fachkräften und demn ASB versorgt.

Letztlich wird ein weißes Pulver, das im gesamten Chemieraum verteilt war, geborgen. Angelique Merz (18) und Christian Saik (26) tüten das weiße Pulver fachgerecht ein. „Es muss jetzt so schnell wie möglich nach Hamburg zur Berufsfeuerwehr, wo wir etwa nach zwei Stunden das Ergebnis haben“, erklären die beiden. Erst dann kann der Einsatzleiter den Einsatz beenden und den Landkreis beauftragen, entsprechende Spezialisten zur Reinigung des Schulgebäudes anzufordern.

Wie unschwer zu erkennen ist, war dies eine Übung des Katastrophenschutzes des Landkreises. Florian Haug (28) als Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes beobachtete die Übung ganz genau. „Bei Bränden und Verkehrsunfällen sitzen alle Handgriffe bei den Feuerwehrleuten. Gefahrgutunfälle geschehen Gott sei Dank nicht allzu oft. Da sie aber vorkommen, müssen wir die Einsätze trainieren, denn hier ist höchste Konzentration und Fachwissen gefragt. Das tun wir zwei- bis dreimal im Jahr und ziehen dazu alle relevanten Wehren des Landkreises hinzu“, erklärt Haug. „Diese Übung ist gut gelaufen. Neukloster ist sehr gut vorbereitet auf den Katastrophenschutz. Das Zusammenspiel der Einsatzleitung mit der technischen Einsatzleitung hat funktioniert. Die zuständigen Ämter waren informiert und hier vor Ort, um solch einen Ablauf hautnah mitzuerleben. Bei jeder Übung probieren wir auch etwas aus und wenn es sich bewährt hat, wird es weiterentwickelt“, so Haug weiter.

Kerstin Erz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Karlshagen

Nachwuchslöschkräfte der Jugendfeuerwehr Karlshagen im Sommer-Zeltlager / Zu Besuch in der Wache der Lübecker Berufsfeuerwehr und auf der Greifswalder Oie

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.