Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Wismar: Historischer Flashmob zur Revolution 1918
Mecklenburg Wismar Wismar: Historischer Flashmob zur Revolution 1918
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:40 29.10.2018
Bilder der Revolution im November 1918 aus Wismar. Quelle: Archiv der Hansestadt Wismar
Wismar

Im Herbst 1918, also vor genau 100 Jahren, begehrten die Deutschen auf gegen das überkommene Regime des Kaiserreichs, gegen den seit 1914 tobenden Krieg, gegen Armut, Unfreiheit, Unterdrückung und soziale Benachteiligung. Die Fürsten dankten ab, an ihre Stelle trat als höchster Souverän das Volk selbst. Es war Deutschlands Aufbruch in die Demokratie.

Revolution mit der Eisenbahn

Der Funke der Revolution zündete zuerst an der Küste, bei den Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel. In wenigen Tagen sprang er auf alle Teile des Landes über – insbesondere durch die Eisenbahn, die damals schneller war als die Zeitung. Die Revolutionäre reisten von Bahnhof zu Bahnhof, um den Sturz der alten Machthaber voranzutreiben.

Diese Ereignisse werden in der Aktion „Die Revolution rollt“ nachgestellt, die der Weimarer Republik e.V. mit Unterstützung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, der Deutschen Bahn Station & Service AG und zahlreicher Partner vor Ort an 47 Bahnhöfen in ganz Deutschland nachstellt. Dabei handelt es sich um 15-minütige Flashmobs mit Schauspielern und Komparsen, die einen Eindruck davon geben, wie vor 100 Jahren die Demokratie und die Abdankung des Kaisers erkämpft wurden.

Flashmob in Wismar

Am Sonntag, dem 4. November, macht die „rollende Revolution“ Station in Wismar: Um 11 Uhr findet der Flashmob im Bahnhof statt. Alle interessierten Bürger sind herzlich eingeladen, die Aktion mitzuerleben und mitzugestalten (siehe Infokasten).

Der Wismarer Archivverein unterstützt in der Hansestadt die ungewöhnliche Aktion als „lebendige Geschichte“. Friedrich Techen (1859–1936) schrieb in seiner Chronik über diese Zeit in Wismar: „Bis in den Sommer 1918 hoffte man auf einen guten Ausgang des schweren Krieges. […] Da machte die von Kiel aus im November um sich greifende Umwälzung uns wehrlos, indem ein großer Teil der Truppen die Waffen fort warf, den Offizieren den Gehorsam aufkündigte und kopflos zurück flutete.“ Chronist Techen schrieb als Zeitzeuge seine Abhandlung „Wismar während des Weltkrieges und bis zur Absetzung des Rates“, im Buch „Grüße an Paula“ wurde die Chronik erstmals abgedruckt. Das Buch gibt es im Stadtarchiv.

Zeitzeuge beschreibt Wismarer Ereignisse

Techen beschreibt, was im November 1918 in Wismar passierte. „Am Abend des 7. Novembers bildete sich in Wismar ein Arbeiter- und Soldatenrat, um insbesondere die Verwaltung der Polizei und der Lebensmittelverteilung in die Hand zu nehmen und den Achtstundenarbeitstag einzuführen. Am 8. morgens sah die Stadt einen mächtigen Demonstrationszug von Militär und Arbeitern. Auf den Balkonen des Rathauses ward eine rote Fahne befestigt. Genosse Felbel redete in hohen Tönen von dort aus zu einer andächtigen Menge. Im übrigen ward die Ruhe, da es zum Glück Alkohol nicht gab, nicht gestört und am folgenden Tage die Arbeit wieder aufgenommen.“ Techen schreibt, dass das Verhältnis zwischen dem Rat der Stadt und diesem neuen Arbeiter-Soldaten-Rat (A-S-Rat) rechtlich unklar blieb, der Rat duckte sich.

Lebensmittel waren knapp

„Der A-S-Rat, der sich zuerst ein Büro im Rathause, nachher im Offizierskasino einrichtete, entfaltete in den nächsten Tagen eine rege Tätigkeit im Erlassen von scharfen Bekanntmachungen zu Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in Lebensmittelschnüffeleien.“ Größere Lebensmittelvorräte wurden entdeckt. Techen: „Unter anderem beim Ratsapotheker Schmidt. Die darauf hin wider dessen Schwager Senator Dr. König als Leiter der Polizei für Volksernährung vorgebrachten Verdächtigungen fielen, wie es bei diesem Ehrenmanne selbstverständlich war, alsbald als haltlos in sich zusammen.“

Stadtarchivar Dr. Nils Jörn: „Das war die Geburtsstunde der Demokratie, auch in Wismar. Beendigung des Krieges, Achtstundenarbeitstag, allgemeine, freie Wahlen, Beteiligung der Masse an Entscheidungen in Stadt und Land – das war damals unerhört.“

Flashmob im Wismarer Bahnhof

Mit Schauspielern und Komparsen wird am 4. November um 11 Uhr am Wismarer Bahnhof der sinnbildliche Revolutionszug nachgestellt. Schaulustige und Mitdemonstranten sind herzlich willkommen, gerne in möglichst „unmoderner“ Kleidung – einfache Arbeits- und Wollkleidung. Das Projekt soll die Menschen für das, was 1918 passierte, sensibilisieren. Die Schauspieler halten in Anlehnung an 1918 eine „revolutionäre Rede“. Die Komparsen reagieren.

„Kriegsmüdigkeit, der Wunsch nach Frieden, die Sorge vor weiterer Not und der Verdruss über die alten Eliten waren überall groß, oft auch der Wunsch nach Freiheit, Demokratie oder gar Sozialismus. Auf diesem Nährboden griff die Revolution in ganz Deutschland um sich und Arbeiter- und Soldatenräte forderten die Macht für sich ein, inklusive der Abdankung der jeweiligen Fürstenhäuser. Noch vor dem 9. November beugten sich in München und in Braunschweig die beiden Fürsten und dankten ab. Einen Tag später erklärte der Reichskanzler Max von Baden den Thronverzicht des Kaisers und übergab sein Amt an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert.“ (Aus dem Flyer zur Aktion „Die Revolution rollt“ des Vereins Weimarer Republik e.V.)

Nicole Hollatz

Wismar Bürgermeister in Albanien - Wismar will Partnerschaft mit Pogradec

Die Hansestadt Wismar und die albanische Stadt Pogradec stehen vor einer Städtepartnerschaft. Der Bürgermeister ist dafür, entscheiden muss die Bürgerschaft.

29.10.2018

Auf der Insel Poel ist es am Sonntagabend zu einem Brand gekommen. An der Fassade eines Mehrfamilienhauses brannten mehrere Müllcontainer. Die Polizei sucht nun nach den Brandstiftern.

29.10.2018

Jugendliche, die möglicherweise Alkohol, Tabakwaren und Betäubungsmitteln konsumieren, standen im Fokus einer Kontrolle am Samstagabend durch Beamte des Polizeihauptreviers Wismar.

28.10.2018