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Flüchtlinge im Jugendzentrum willkommen heißen

Grevesmühlen Flüchtlinge im Jugendzentrum willkommen heißen

Eine Anlaufstelle in Grevesmühlen soll den Asylbewerbern helfen / Rund 100 leben derzeit in der Stadt und der Umgebung / Offene Anfeindungen im Ort

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Grevesmühlen. Es klingt nicht gut, was Maria Harder berichtet. „Es war erschreckend mit anzuhören und anzusehen, wie Flüchtlinge in Grevesmühlener Geschäften ganz offen angefeindet wurden“, erzählt die Pastorin der Evangelischen Kirchgemeinde Grevesmühlen. „Die Blicke und die Aufforderungen, es war einfach nur beschämend.“ Maria Harder gehört zu einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die seit einem Jahr darum kämpfen, den Flüchtlingen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Bleib.mensch heißt der Verein, den Norbert Koschmieder, Gemeindereferent der katholischen Kirche, mitbegründet hat. Dutzende Ehrenamtler haben sich in den vergangenen Monaten dort engagiert, ein Begegnungscafé auf die Beine gestellt, ein Patentaxi ins Leben gerufen und zahlreiche andere Projekte. Doch ein großes Problem ist in Grevesmühlen nach wie vor nicht gelöst: Eine zentrale Koordinierungsstelle für Flüchtlinge gibt es nicht.

 

OZ-Bild

Das Begegnungscafé wird gut angenommen.

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Was in Schönberg Johanna Birnbaum in der Bibliothek geschafft hat, nämlich eine zentrale Infothek für die Flüchtlinge in der Stadt zu verkörpern, das suchen die überwiegend aus Syrien und Afrika stammenden Asylbewerber in Grevesmühlen vergebens. Um das zu ändern, gab es jetzt eine Beratung der ehrenamtlichen Helfer, die in Grevesmühlen aktiv sind. Neben zahlreichen Vereinen, Unterstützern, Lehrern und der Polizei waren mit Doris Lobatz und Elke Reichenberg jene zwei Frauen dabei, die sich vorwiegend um die Kinder und Jugendlichen in der Stadt kümmern. Vielleicht, so die Frage aus den Reihen der Flüchtlingshelfer, könnte das Jugendzentrum die Aufgabe übernehmen, die in Schönberg die Bibliothek inne hat?

Doris Lobatz, seit vielen Jahren als Stadtjugendpflegerin und Sozialarbeiterin aktiv — Typ raue Schale weicher Kern — hat spontan zugesagt. Wenn auch mit Einschränkungen. „Meine Englischkenntnisse sind nicht sehr groß.“ Doch das dürfte die Sozialpädagogin durch ihr Engagement wieder wettmachen.

Denn wichtig ist Sylvia Radtke vom Verein bleib.mensch eines: „Wir haben eine Anlaufstelle, die wir jetzt mit Informationen füttern müssen.“ Das soll in den nächsten Tagen und Wochen passieren. Dass diese Notlösung so schnell auf die Beine gestellt und überhaupt gefunden wurde, zeigt das Dilemma der hauptamtlichen Flüchtlingsbetreuung in der Region. Ein Beispiel: Der für Mallentin und Grevesmühlen zuständige Sozialbetreuer vom Verein Schulz e. V., der im Auftrag des Landkreises unterwegs ist, spricht kein Englisch. Zwar kann er für die Termine bei den Flüchtlingen Dolmetscher anfordern, doch spontane Anfragen scheitern im Ansatz. Wie Falk Koop, Geschäftsführer von Schulz e. V., auf Nachfrage mitteilt, sei bei der Einstellung der Betreuer durchaus auf Sprachkenntnisse geachtet worden. Allerdings herrsche derzeit akuter Fachkräftemangel. Und außerdem, so Koop, trage eine Kommunikation auf Englisch nicht dazu bei, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen würden.

Das fremdsprachliche Vakuum füllt Ulla Hardt vom Verein bleib.mensch, die offiziell ehrenamtlich, tatsächlich aber nahezu in Vollzeit jene Lücke schließt, für die die offiziellen Behörden weder Personal noch Antworten haben. „Das Problem sind derzeit die jungen Männer, die beispielsweise in Mallentin sitzen und sich langweilen. Sie wissen teilweise nicht, welche Angebote es überhaupt gibt.

Und wenn, dann kommt das Problem der Mobilität.“ Eine Nahbus-Fahrkarte von Mallentin nach Grevesmühlen und zurück kostet acht Euro. Viel Geld für die Flüchtlingen. Dass es auch billiger geht, das weiß Ulla Hardt zwar. „Aber ich blicke selbst kaum durch bei den Bestimmungen vom Nahbus. Das auch noch zu erklären, da stoße ich an meine Grenzen.“

Doch die Mobilität ist der entscheidende Faktor in einem Flächenkreis wie Nordwestmecklenburg. Denn wie sich bei der Debatte der Flüchtlingshelfer im Grevesmühlener Rathaus herausstellte, gibt es reichlich Angebote. Sowohl im sportlichen Bereich als auch bei der Betreuung von Kindern und Familien. „Nur kommen die Leute nicht von A nach B, weil es entweder zu teuer ist, es kein Fahrzeug gibt, oder, was meistens der Fall ist, weil sie gar nichts von den Angeboten wissen“, so Sylvia Radtke.

Das soll sich mit der Anlaufstelle im Jugendzentrum ändern. Flyer auf Englisch und Arabisch sollen, so Norbert Koschmieder, dort irgendwann ausliegen. Doris Lobatz und Elke Reichenberg sollen nicht als Auskunftsbüro agieren. Sie sollen lediglich Ansprechpartner sein, wenn es Fragen gibt. „Wir können dann vermitteln und weiterleiten, für alles andere stecken wir gar nicht tief genug in der Materie.“

Begegnungscafé alle zwei Wochen

Die in Grevesmühlen gegründete Initiative bleib.mensch ist eine Vereinigung von zahlreichen Ehrenamtlern, die sich seit dem vergangenen Jahr um die Flüchtlinge in Grevesmühlen und den umliegenden Gemeinden kümmern. Sprecher ist Norbert Koschmieder, Gemeindereferent der Katholischen Kirche in Grevesmühlen. Die Initiative koordiniert einen Teil der ehrenamtlichen Hilfe. Wie Norbert Koschmieder mitteilt, ist das jüngste Projekt eine Fahrradwerkstatt, damit die Flüchtlinge die Möglichkeit haben, mobil zu sein. Der Rotary-Club hat die ersten Fahrräder gespendet.

Seit dem 10. Dezember 2015 gibt es im Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde am Kirchplatz in Grevesmühlen das Begegnungscafé. Dort haben Flüchtlinge die Möglichkeit, sich einen Nachmittag lang mit engagierten Menschen aus Nordwestmecklenburg zu treffen, sich zu informieren oder einfach zu entspannen. Das Angebot gibt es jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat in der Zeit von 14 bis 16 Uhr. Das nächste Begegnungscafé findet am Donnerstag, 21. April, statt.

• Internet: Weitere Informationen rund um die Initiative gibt es unter www.bleibmensch.org.

Von Michael Prochnow

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