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Wismar Foto erinnert an Sowjetzeiten
Mecklenburg Wismar Foto erinnert an Sowjetzeiten
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08:03 14.07.2018
Das Foto mit den beiden Männern entstand 1984. Viele Jahre war es in der Brieftasche von Manfred Marquardt. Inzwischen ist Mischa Imamwerdijew stolzer Besitzer. Quelle: Privat
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Wismar

Mischa Imamwerdijew war zu DDR-Zeiten in Wismar stationiert. Manfred Marquardt war Bereichsleiter bei der damaligen PGH Bau in Wismar. 1984 haben sich beide zufällig kennengelernt. Ein Schwarz-Weiß-Foto erinnert daran. Dieses Foto hatte Manfred Marquardt viele Jahre in seiner Brieftasche. „Wer hat schon einen Soldaten aus Sowjetzeiten auf einem Foto? Damit sind gute Erinnerungen verbunden“, sagt der heute 78-Jährige.

In Wismar verbinden zwei Männer mit einem alten Schwarz-Weiß-Foto einige Erinnerungen. Der eine war 1980er-Jahren Soldat in der sowjetischen Armee und in Wismar stationiert, der andere hatte bei der PGH Bau gearbeitet.

Nicht aus den Augen verloren

Nach der Wende sind sich beide zufällig in der Wendorfer Lieselotte-Herrmann- Straße begegnet. „Bist du Manfred, bist du Mischa? Ja, wir waren es. Dann haben wir uns gedrückt und haben uns auf die Schulter geklopft“, erinnert sich Mischa Imamwerdijew. Das Originalfoto von damals hat ihm Manfred vor kurzem geschenkt. „Ich habe großen Respekt vor dem Mann. Er hat uns damals geholfen. Und wer trägt schon ein Foto mit einem Soldaten 34 Jahre in der Brieftasche mit sich herum. Wo gibt es das schon?“

Einer von vielen Soldaten

Mischa Imamwerdijew (53) war einer von tausenden Soldaten, die für die Sowjetunion in der Wismarer Kaserne an der Lübschen Burg stationiert waren. Mischa, der in der früheren Sowjetrepublik Aserbaidschan aufgewachsen ist, kam 1984 nach Wismar. Als einfacher Soldat. „Es war eine ganz harte Zeit.“ Disziplin wurde groß geschrieben, Päckchen aus der Heimat waren für Soldaten tabu, das Essen war nicht gerade üppig, die Unterkunft in der Kaserne musste sich Mischa mit vielen anderen Soldaten in einem großen Schlafsaal teilen.

Knochenarbeit

1984 erhielt die PGH Bau vom damaligen Energiekombinat den Auftrag, ein Starkstromkabel zu erneuern. Manfred Marquardt: „Das alte war marode, der Querschnitt stimmte nicht.“ Technik war rar, in der Sommerzeit hatten viele Kollegen Urlaub. Über den früheren Rat des Kreises wurde Kontakt zur Garnison aufgenommen. Hilfe wurde zugesagt. Eine Woche später rückten zwölf Soldaten und ein Aufpasser-Offizier an.Knochenarbeit war angesagt. Auf einer Länge von 300 Metern war ein 80 Zentimeter tiefer Graben mit Spitzhacke und Schaufel auszuheben. „Das war harte Arbeit bei den Temperaturen“, weiß Manfred Marquardt, damals 44 Jahre, die Arbeit damals wie heute zu schätzen. Er besorgte zusätzlich Wasser, Bockwurst und Zigaretten. „Das war das Mindeste, was ich tun konnte. Sie waren eine große Hilfe für uns“, sagt der Wismarer. Der Offizier durfte das nicht wissen.

Umwerfende Zigarette

Mischa freut sich noch heute über diese Geste. Als Erinnerung entstand das Foto, als Dank bot der damals 20-jährige Mischa Manfred eine Zigarette an. Die war so stark, dass Manfred aus den Latschen kippte. Machorka, eine russische Tabaksorte, hat es in sich gehabt. Heute können beide darüber lachen.Mischa Imamwerdijew war bis 1986 Soldat, dann absolvierte er in Berlin eine Ausbildung zum Unteroffizier. Im Panzerartillerieregiment unterstanden ihm in seiner Brigade 16 Soldaten.

Deutsche Staatsangehörigkeit

1990 ging er zurück in die Heimat, doch schon nach einem Monat kehrte er wieder nach Wismar zurück. Mischa Imamwerdijew hatte in Wismar eine deutsche Frau kennen gelernt. 1991 wurde geheiratet, der Sohn ist heute 28 Jahre. Auch wenn die Ehe im verflixten siebten Jahr zerbrach, denkt Mischa, der seit 2001 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, gerne an die Zeit zurück. Mischa wohnt weiter in Wismar, treibt Sport, hat eine Freundin und bezeichnet Wismar „als eine tolle Stadt. Ich wünsche, dass es keinen Krieg gibt, dass alle Menschen glücklich und gesund sind“. Mischa Imamwerdijew ist es. Er arbeitet in der Marina Boltenhagen, lobt Chef und Kollegen, weil sie zusammen ein gutes Team sind.Auch Manfred Marquardt denkt gerne an die Zeit zurück. Die Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF), damals staatlich verordnet, wurde bei den beiden Männern ungezwungen gelebt. Hin und wieder treffen sie sich. Trinken ein Bierchen und schwelgen in Erinnerungen.

Hoffmann Heiko

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