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Wismar Friedhöfen im Kreis geht das Geld aus
Mecklenburg Wismar Friedhöfen im Kreis geht das Geld aus
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00:05 01.12.2017
Der Friedhof in Wismar ist laut Propstei ein gutes Beispiel, um zu zeigen, dass über Veranstaltungen Geld erwirtschaftet werden kann. Quelle: Foto: Nicole Hollatz

orf Mecklenburg/Wismar. Viele Friedhöfe in Nordwestmecklenburg haben Geldsorgen. Weil immer mehr Menschen die günstigeren Urnenbestattungen einer Beisetzung im Sarg vorziehen, nehmen die Friedhofsveraltungen oder Kirchgemeinden, die die Friedhöfe betreiben, immer weniger ein. Besonders hart getroffen ist die Kirchengemeinde in Damshagen bei Boltenhagen. Der Friedhof in Wismar sei hingegen laut Propstei ein gutes Beispiel dafür, wie man die Ruhestätte noch nutzen kann.

Trend geht zu kleineren oder anonymen Gräbern / Kosten steigen, weil Pflegeaufwand größer wird

Auch in Dorf Mecklenburg hat man überlegt gehandelt: Dort hat die Kirchengemeinde ihren Teil des Friedhofs an die Kommune abgegeben. Das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen geschehen, sagt Pastorin Antje Exner.

Im Gebiet der Propstei Wismar, die die sechs Kirchenregionen Gadebusch, Grevesmühlen, Schwerin-Land, Schwerin-Stadt, Sternberg und Wismar mit insgesamt 69 Kirchengemeinden umfasst, gibt es 97 Friedhöfe. „Davon haben 23 ein Defizit, das von 50 Euro bis 32000 Euro pro Jahr reicht“, sagt Reinhard Wienecke, Friedhofsbeauftragter der Propstei.

„Grundsätzlich gibt es das Problem bundesweit durch die steigende Tendenz zu Urnenbestattungen und anderen pflegefreien Gräbern“, sagt Wienecke. Die Flächen, die von einem Friedhofsmitarbeiter gepflegt werden, würden immer größer. Damit steigen die Kosten. „Nicht unerheblich sind auch Baumpflegemaßnahmen“, sagt Reinhard Wienecke. Viele Friedhöfe hätten große und alte Baumbestände, deren Pflege kostspielig ist. „Wir haben da eine Verkehrssicherungspflicht und die Bäume müssen genauso beschnitten werden, wie in anderen öffentlichen Bereichen oder an Fußwegen“, so Wienecke.

Aufgrund der finanziellen Entwicklungen, gibt es Überlegungen, Friedhöfe eventuell langfristig zu verkleinern. „Man könnte dann nach einer entsprechend langen Pietätsfrist nach der letzten Belegung ein Gebiet des Friedhofes entwidmen und dann auch anders nutzen“, sagt der Friedhofsbeauftragte, dessen Stelle es seit zwei Jahren gibt.

Er überprüfe aber auch, welche Angebote es auf den Friedhöfen gibt, wie sie an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind und ob vielleicht auch Kooperationen im kulturellen oder Bildungsbereich möglich sind. „Man kann mit Schulklassen oder der Kita den örtlichen Friedhof besuchen und sich mit dem Thema Trauer beschäftigen. Es ist aber auch möglich, Konzerte auf einem Friedhof zu veranstalten“, erklärt Wienecke. Der Friedhof in Wismar sei ein gutes Beispiel, wie Lesungen, Führungen und andere Angebote das Interesse steigern und zusätzliche Einnahmen generieren können.

Die Kirchengemeinde in Damshagen betreibt den Friedhof an der St. Thomas-Kirche in Damshagen. Doch Veränderungen in der Bestattungskultur sorgen dafür, dass die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben für den Gottesacker decken.

Den Gemeindevertretern wurde mitgeteilt, dass der Friedhof ein jährliches Defizit von 2000 bis 4000 Euro verursacht. Daher wurden die Politiker von Pastorin Claudia Steinbrück und dem Kirchenrat um finanzielle Unterstützung gebeten. Obwohl die Gemeinde Damshagen finanziell schlecht ausgestattet ist, denken die Politiker über einen Zuschuss nach. „Ich möchte aber schon wissen, wie sich das Defizit zusammensetzt und ob die Kirche alles unternimmt, es abzubauen“, hatte Gemeindevertreter Willi Heidmann (SPD) gesagt. Gemeindevertreter Bernd Anders (CDU) stimmte dem Einwand zu. Vor einer Zahlung müsse die Gemeinde mehr Informationen von der Kirche bekommen. „Wir haben aber als Gemeinde die Pflicht, die Kirche und den Friedhof zu unterstützen“, hatte Anders hinzugefügt.

Damit bezog er sich auf das Bestattungsgesetz. Darin ist festgelegt, dass Gemeinden Friedhöfe einrichten und unterhalten müssen. Das gilt nicht, wenn in der Gemeinde ein kirchlicher Friedhof vorhanden ist, den die Gemeinde mit nutzen kann. In diesen Fällen hat sich die Gemeinde an den Kosten des Friedhofs zu beteiligen, die nicht durch Benutzungsentgelte gedeckt werden können.

Für eine finanzielle Unterstützung der Kirche sprach sich in Damshagen auch Gemeindevertreter Helmut Oldenburg (Linke) aus. „Unser Friedhof ist im Vergleich zu anderen eine Augenweide“, hatte er geschwärmt. „Viele Touristen halten hier an, um sich den Friedhof und auch die Kirche anzusehen. Das müssen wir anerkennen.“

Für die Kirchenregion Grevesmühlen hat auch Regionalpastor Ekkehard Maase aus Dassow einen deutlichen Rückgang der Sargbestattungen festgestellt. „Außerdem werden Grabstellen nicht mehr so lange gehalten wie früher“, sagt er. Familiengräber über mehrere Generationen gebe es heute kaum noch. „Meist werden inzwischen die Urnenfelder genutzt“, sagt Maase.

In seiner Kirchengemeinde in Dassow könne der Friedhof aber noch ohne Verluste bewirtschaftet werden, „weil ein Mitarbeiter für einen günstigen Preis arbeitet“. Die Kirchengemeinde Roggenstorf habe aber mit ihren vier Kirchen auch mehrere Friedhöfe. „Das geht mit hauptamtlichen Friedhofsmitarbeitern nicht mehr“, sagt Maase.

Von Friedwald bis Seebestattung

Mit dem Friedwald in Grevesmühlen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern vier Bestattungsmöglichkeiten in Wäldern. Im ersten Jahr nach der Eröffnung des Grevesmühlener Friedwaldes im September 2015 wurden dort 35 Menschen beigesetzt. Ihre Urnen finden die Ruhestätte am Fuß eines Baumes, den die Angehörigen aussuchen.

Auch Seebestattungen, bei denen eine Urne mit der Asche des Verstorbenen von einem Schiff aus ins Meer hinabgelassen wird, sind an der mecklenburgischen Ostseeküste beliebt. In Wismar gibt es von der Fahrgastschiff-Reederei bis zu Anbietern von Touren zum Hochseeangeln verschiedene Anbieter von Seebestattungen.

Malte Behnk

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