Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Frisches Grubenwasser für ein Porter

Wismar Frisches Grubenwasser für ein Porter

Das Wismarer Heimatmuseum erhält am 18. Juni 1933 ein eigenes Haus

Voriger Artikel
Ungewöhnlicher Geldbörsen-Kauf
Nächster Artikel
Kämpfe, Musik und Met beim 19. Burgfest

Das Schabbellhaus, damals auch Koch’sche Brauerei, um 1910.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 18. Juni 1933 wird im Schabbellhaus an der Schweinsbrücke Wismars neues Heimatmuseum eröffnet. Das Schabbellhaus errichtete 1569 Philipp Brandin aus Utrecht, der auch die Wasserkunst schuf, für den Wismarer Brauer und Bürgermeister Hinrich Schabbell. Es ist ein für damalige Zeiten großartiger Prachtbau im Renaissancestil. Der sich zu der Frischen Grube hin befindliche Schmuckgiebel sollte den ankommenden Reisenden vom Poeler Tor aus schon den Wert des Hauseigentümers plastisch vor Augen führen.

Serie

Kalenderblatt

Das Haus hatte auch die Braugerechtigkeit und praktischerweise konnte man aus der neben dem Haus vorbeifließenden Frischen Grube eben „frisches“ Wasser, daher der Grubenname, zum Bierbrauen schöpfen.

1873 übernahm der Bierbrauer Carl Koch das Haus, richtete hier seine Brauerei ein und ab 1907 das „Altdeutsche Restaurant“. 1920 wurde im Schabbellhaus mit der „Kochschen Brauerei“ eine der letzten Wismarer Brauereien geschlossen.

Gab es um 1475 noch 182 Brauhäuser in Wismar, so waren es 1880 nur noch sechs Brauereien. Koch verkaufte 1920 das Schabbellhaus. Seit 1918 hatte August Schulz das „Altdeutsche Restaurant“ mit den legendären Porterstuben angemietet, das bis 1938 betrieben wurde.

Das nun im Schabbellhaus neu eingerichtete Wismarer Heimatmuseum hat jedoch eine bis ins Jahr 1863 gehende Vorgeschichte. Im Mai 1863 kam es unter der maßgeblichen Führung des Wismar Arztes und Historikers Dr. Friedrich Crull zur Bildung des Wismarer Museumsvereines. Ziel des neuen Vereines aus einem veröffentlichten Aufruf sollte sein: „Gründung einer öffentlichen Sammlung solcher Gegenstände, welche in ihrer Vereinigung ein Bild ehemaliger Culturzustände und früherer Kunstentwicklung in unserer Vaterstadt geben könnten“.

Man besann sich im 19. Jahrhundert mit dem Erstarken des Bürgertums auf die eigene regionale Geschichte und bemerkte, dass vieles der letzten Jahrhunderte zu verschwinden drohte. Der Aufruf war äußerst erfolgreich und so konnte am 26. August 1863 die Eröffnung des „Museums für Kunst und Altertum“ in angemieteten Räumen im Haus Dankwartstraße 47 für 60 Taler als erste museale Einrichtung erfolgen. Schon ein Jahr später war die Museumssammlung derart angestiegen, dass sich der Wismarer Rat genötigt sah, dem Verein die obere Etage in der 1858 errichteten neuen Hauptwache am Markt zu verpachten. Dr. Friedrich Crull, der mehr als 70 wissenschaftliche Werke zu Wismar verfasste und seit 1882 seinen Beruf zugunsten der Forschung aufgegeben hat, erkannte den Wert, der auf dem St. Marienkirchplatz befindlichen „Alten Schule“.

Am 11. März 1925 beschloss der Museumsvereinsvorstand, das Museum der Stadt zu übergeben, da er mit der Weiterführung überfordert war. Daraufhin wurden konzeptionelle Gedanken zur Gestaltung der Ausstellung gefasst. Das Museum in der renovierten Alten Schule wurde zur 700-Jahr-Feier Wismars der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1933 sollte in der benachbarten Wallfahrtskapelle Maria zur Weiden das „Kirchenhistorische Museum“ erbaut werden, doch die Nazis entarteten die Kapelle durch die Nutzung als erste deutsche Ahnenhalle am 4. November 1934.

Das Schabbelhaus erlitt am 24. September 1942 durch Bombeneinwirkung schwerste Beschädigungen. Nach dem Krieg nahmen die zusammengeschlossenen gesetzlichen Krankenkassen am 20. August 1945 ihre Arbeit provisorisch im Schabbellhaus auf. Am 4. Dezember 1950 konnte das Wismarer Heimatmuseum durch den Lehrer Otto Kröplin im Schabbellhaus wieder eröffnet werden. Schon im September 1948 hatte Otto Kröplin in der damaligen Gerhart-Hauptmann-Schule einige zurückgeholte Exponate ausgestellt. Seit 1969 verschlechterte sich die Bausubstanz des Schabbellhauses und es wurden Teilsanierungen durchgeführt. Nach mehrjähriger Rekonstruktion konnte am 30. Juni 1979 das nunmehr Stadtgeschichtliche Museum aus Anlass der 750-Jahr-Feier Wismars übergeben werden. In den 80er-Jahren kam eine medizin-historische Sammlung hinzu, die in einem eigenen Museum ausgestellt werden sollte, was jedoch nach der Wende nicht zur Ausführung kam.

Die Hansestadt Wismar ist seit 2010 dabei, das Schabbellhaus sowie das Nachbargebäude Schweinsbrücke 6 denkmalgerecht zu sanieren und zu einem Museumskomplex zusammenzuführen. Im Laufe des Jahres 2017 sollen das Schabbellhaus und das Nachbargebäude sowie die dazugehörigen Höfe den Besuchern des Stadtgeschichtlichen Museums als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude zur Verfügung stehen.

Was sonst noch geschah

19. Juni 1957: Dr. jur. Hans Raspe verstirbt in Wismar. Er wird am 13.8 1877 in Bad Doberan geboren und wird am

20. Juli 1919 erster sozialdemokratischer Bürgermeister in Wismar.

19. Juni 1992 – 21. Juni 1992: Das erste Wismarer Hafenfest findet statt.

20. Juni 1903: Unterzeichnung der Vereinbarung von Stockholm, Loslösung von Wismar.

20. Juni 1969: Grundsteinlegung der Sport- und Kongresshalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße. Architekt Otto Schmeier.

22. Juni 1958 : 5. Hanseatenring-Rennen für Motorräder, Seitenwagengespanne und Autos.

23. Juni 1824: Gründung der Ersparniß-Anstalt Wismar (Sparkasse).

Detlef Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.