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Wismar Frischhaltefolie selbst gemacht
Mecklenburg Wismar Frischhaltefolie selbst gemacht
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09:29 13.06.2018
Keine fünf Minuten braucht Lars Schulz, um ein Blatt gewachster Frischhaltefolie herzustellen.  Quelle: Nicole Buchmann
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Wismar

Es knistert ganz leise auf dem Bügelbrett. Unter dem heißen Eisen zerfließt Wachs auf Verbandsgaze, oben und unten flankiert von Backpapier. Rund fünf Minuten vergehen, bis die Gaze in allen Poren vom heißen Wachs verschlossen ist. „Zwei Jahre hält das“, sagt Lars Schulz, zieht dabei das obere Backpapier ab und die selbstgemachte Frischhaltefolie vom unteren. 

Schulz ist Vikar bei der evangelischen Nordkirche. Und ein Anhänger nachhaltiger Gebrauchsgegenstände. „Da!“, sagt er und zeigt auf ein Regal an der Wand aus alten Obstkisten. Darin Schallplatten. „Manchmal sind die zerkratzt, dann lege ich sie in eine Schüssel voller Wasser, stelle die in den Backofen und habe eine Schüssel aus Vinyl.“ Schulz hatte Ideen für die ehrenamtliche Jugendarbeit gesucht.

Beim Werkeln ins Gespräch kommen

Sein Ansatz: gemeinsam etwas herstellen und dabei ins Gespräch kommen. „Das passiert automatisch, und schnell ist man dann beispielsweise dabei, sich darüber zu unterhalten, wie viel Müll wir produzieren und wo der schließlich landet.“ Und weil jeder beim Werkeln irgendetwas zu tun habe, klinke sich der eine aus, der andere ein ins Gespräch, eine eigene Dynamik in der Gruppe entstehe. „Da werden die Leisen lauter, die Lauten plötzlich leiser.“ 

Schulz hält das Image der ökologischen Bewegung inzwischen für überholt. „Ich glaube, dass immer mehr Leute ein Bewusstsein für den Umgang mit den Ressourcen haben.“ Nachhaltigkeit sei zudem ein Thema, dem sich auch die Kirche in Deutschland widmen sollte. „Außerdem passt das gut zur Jugendarbeit. Das ist mit der Schöpfung gut vereinbar.“ 

Selbstmachen statt teuer kaufen

Die selbstgemachte Frischhaltefolie vom Bügelbrett entdeckte der heute 31-Jährige vor ein paar Jahren in einem Laden in Berlin, in dem alle Waren unverpackt angeboten wurden. Da habe so ein Blatt 18 Euro gekostet. „Die ham ja wohl ’nen Knall!“, dachte ich damals. 

Die Anleitung zum Selbermachen fand Schulz schließlich im Internet. Das Wachs holt er sich von einem Wismarer Imker im Block. „Und wenn du auf einen Schrottplatz gehst, findest du dort gleich Tausende Verbandskästen mit der Gaze.“ Und das Bügeln? Das habe er gelernt, als er in einem Restaurant jobbte und weiße Hemden tragen musste. „Da haben mein Bruder und ich regelrechte Bügelsessions abgehalten - vierzig Hemden und eine Kiste Bier“, erzählt Schulz und grient. 

Ideen für die eigene Gemeinde

Er nimmt die gewachste Gaze, schneidet die Ränder glatt. Knapp zwei Jahre kann Schulz ein Stück solcher Folie nutzen, meist hält er Käse darin frisch. „Riech mal!“ Honigwachs steigt in die Nase. 

„Kannste ja auch abwaschen. Ach, ich mach' noch eins“, sagt er und hobelt an einer Käsereibe neues Wachs vom Honigblock. Es reize ihn, so etwas auszuprobieren. „Irgendwann nehme ich das dann mit in meine eigene Gemeinde.“ Wenn es nach Vikar Schulz geht, irgendwo auf dem Land an Mecklenburg-Vorpommerns Küste.

Nicole Buchmann

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