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Wismar Für Demokratie: Mädchen fliegt mit Luftballons im Bürgerpark
Mecklenburg Wismar Für Demokratie: Mädchen fliegt mit Luftballons im Bürgerpark
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16:38 16.09.2018
Ein mutiges Mädchen: Annina Werner (9) ließ sich entsprechend gesichert von den Luftballons in dei Luft heben. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

„Für Menschenrechte und Gesetz, für eine soziale, solidarische Demokratie. Für ein Europa, dass die Grenzen herabreißt und keine neuen Grenzen aufbaut!“, so startete Daniel Trepsdorf (Leiter RAA-Regionalzentrum Westmecklenburg) den Countdown am Samstagnachmittag im Bürgerpark. Gut 200 große, bunte Luftballons sorgten für Farbe im drohend grauen wolkenverhangenen Himmel über dem Bürgerpark.

Die Helium-Luftballonaktion war der Höhepunkt beim Fest der Demokratie.

An den mit Helium gefüllten Luftballons hing Annina Werner, neun Jahre alt und leicht genug, um so symbolträchtig in den Himmel gehoben zu werden. „Demokratie verleiht Auftrieb“, erklärte Daniel Trepsdorf den Hintergrund der ungewöhnlichen Aktion. „Die Leute sagen immer, ihre einzelne Stimme zähle nicht, sie können sowieso nichts bewegen. Jeder Ballon ist eine Stimme, mit der man etwas bewegen kann. Viele Stimmen und Ballons zusammen können dem Menschen und der Demokratie Auftrieb geben!“ Ein starkes Bild. Vorher mussten die Gäste sich anstrengen und die großen Luftballons von der Reithalle abholen. Die Treppenstufen zwischendurch sind anstrengend – genauso kann und darf auch die Demokratie sein.

Die Luftballonaktion war der Höhepunkt beim Fest der Demokratie – Fest der Vielfalt am Samstagnachmittag im Wismarer Bürgerpark. Stadt und Landkreis hatten erstmals zusammen zu diesem Fest im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Wismar aufgerufen. Die Gäste waren bunt wie die Luftballons: Frauen mit Kopftüchern, Männer mit dunklerer Hautfarbe, blonde Kinder und solche mit krausen Löckchen, Homosexuelle neben Neuwismarern und denen, die schon ihr ganzes Leben in der Stadt leben. Zwischen Bühnenprogramm (das Jellyfish Jazz Orchester und Wismars bekanntester Straßenmusiker ÖXL haben nun neue Fans) und verschiedenen Mitmach- und Informationsständen gab es genug Freifläche für das Wichtigste bei so einem Fest: das sich kennen lernen und ins Gespräch kommen.

„Das schmeckt sehr lecker“, kommentierte Ulrich Möller aus dem Landkreis den Kuchen, den Zahra Naserivanid aus dem Iran gebacken hat. Die 26-Jährige freute sich über das Lob, sie lebt seit einem Jahr und sechs Monaten in Deutschland, wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern in der Haffburg, der Unterkunft für Asylsuchende in Wismar. „Ein schönes Fest“, dankte sie.

„Das Fest macht Spaß und man kann mit den Menschen sprechen“, kommentierte Alia Alnazer. Die 38-Jährige kommt aus Syrien, lebt seit Mai 2017 mit ihren beiden Kindern in Deutschland. Die gelernte Bankkauffrau hat gerade den B1-Deutschkurs geschafft. „Ich warte nun auf den B2 Kurs, ich würde gerne wieder als Bankkauffrau arbeiten können, das wäre mein Traum“, erzählt sie im fast perfekten Deutsch. Auch Alaa Chanineh (32) aus Syrien spricht inzwischen hervorragend die Sprache. „Das ist ein wichtiges Fest, wir leben zusammen in der Stadt und müssen Kontakt haben miteinander!“, so der Familienvater, der im zweiten Lehrjahr als Augenoptiker ist. „Solche Feste müsste es viel öfter geben!“

„Gesicht zeigen!“, fasste Gleichstellungsbeauftragte Petra Steffan vom Organisationsteam den Hintergrund des Festes zusammen. „Schweigen ist einfach, genauso sich am Stammtisch aufzuregen. Mitgestalten ist schon schwieriger. Entweder wir überlassen es den anderen oder wir packen selber was mit an!“

Hollatz Nicole

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