Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Fußgängerzone: Radfahren auf Bewährung
Mecklenburg Wismar Fußgängerzone: Radfahren auf Bewährung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 21.02.2018
Radfahren ist in der Wismarer Fußgängerzone erlaubt. Zusammenstöße zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern – wie hier gestellt von zwei OZ-Redakteuren – sind nicht Alltag, kommen aber vor. Darum wird das Verbot diskutiert. Quelle: Nicole Buchmann
Wismar

Wird das Radfahren in der Wismarer Fußgängerzone verboten? Wenn es nach der Fraktion Die Linke geht, dann ja. Ein Antrag in der Bürgerschaft vom Januar zielt darauf, die Erlaubnis zum 1. März aufzuheben.

Doch zum Schnellschuss kommt es nicht. Ein mögliches Verbot soll erst breit diskutiert werden. Solange bleibt es bei der jetzigen Regelung. Radfahrer sind im Boulevard-Bereich praktisch auf Bewährung unterwegs.

„Fahren mit dem Fahrrad in der Fußgängerzone stellt eine erhebliche Gefahr für alle Fußgänger, insbesondere für kleine Kinder, dar. In keiner anderen vergleichbaren Stadt ist das Fahrradfahren in der Fußgängerzone erlaubt. Wismar sollte auf dieses negative Alleinstellungsmerkmal verzichten“, so Christa Hagemann, Fraktionchefin der Linken.

In Wismar ist die Fußgängerzone mit der Lübschen Straße, Krämerstraße, Hegede, Altwismarstraße und Hinter dem Rathaus mit demZusatzzeichen „Rad frei“ ausgewiesen.Christa Hagemann (Linke) will nicht alle Radfahrer zu Rowdys abstempeln. Gäste zum Beispiel würden häufig absteigen. Aber aus Sicherheitsgründen, zum Beispiel auch gegenüber Leuten mit Rolllatoren, müsse gehandelt werden.

Gegen das „Totalverbot“ ist Peter Manthey (FDP). „Ich bin erschrocken über den Antrag.“ Er sieht in der Erlaubnis für den Radverkehr ein „positives Alleinstellungsmerkmal“, verweist auf ohnehin rückläufige Kundenfrequenz in der Altstadt und Schüler, die das Rad auf dem Weg zur Schule nutzen. Gegenwind kommt auch von der SPD. „Wir wollen nicht eine Gruppe diskriminieren“, sagt Sibylle Runge. Sie hält die Beobachtungen der Linken für eine subjektive Wahrnehmung. Kontrollen seien Sache der Polizei. In der Zeit des Weihnachtsmarktes habe die Polizei auch mit Beamten die Zufahrt kontrolliert.

Bernd Hilse (Linke) bringt ins Spiel, das Radfahren zum Beispiel von 10 bis 18 Uhr einzuschränken. Dann sind die meisten Fußgänger unterwegs. Senator Michael Berkhahn (CDU) hält die jetzige Regelung für gut. Es gehe darum, sich zu arrangieren oder Konsequenzen zu ziehen. Die könnten ein Verbot beinhalten oder zeitliche Begrenzungen (Sommer/Winter, vormittags/nachmittags).

Tino Schwarzrock (Grüne) ist überzeugt, dass man mit einem Verbot „einzelne Rowdys nicht vom Rasen abhalten kann“. Norbert Benz vom Ordnungsamt findet es gut, dass das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Benz: „Klar ist, dass sich Radfahrer in der Fußgängerzone den Fußgängern unterordnen sollen.“ Unfälle seien selten, die gebe es auch an anderen Stelln der Stadt. Norbert Benz rückt die positiven Seiten hervor: „Jeder Radfahrer ist ein Autofahrer weniger.“ Das bedeutet auch weniger Abgase. Marion Wienecke (Linke) möchte Radfahrer nicht geißeln. Aber der Verkehr und die Probleme würden zunehmen.

Für die CDU sagt Tom Brüggert: „Für unsere Fraktion ist klar, ein generelles Fahrradverbot in der Wismarer Fußgängerzone soll es nicht geben. Vielmehr geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der nicht eine einzelne Nutzergruppen ausschließt. Es könnte in diesem Zusammenhang über eine Beschränkung für Fahrradfahrer in der Fußgängerzone während der Sommermonate oder zu bestimmten Tageszeiten nachgedacht werden.“

In der weiteren Diskussion soll es in Ausschüssen Beratungen mit Polizei, Fahrradverbänden und eventuell auch Gewerbetreibenden geben. Die Polizei möchte „ergebnisoffen an die Sache herangehen“, sagt Sprecher Axel Köppen. In den Ausschüssen der Bürgerschaft werde die Polizei ihre Sicht schildern. Seit Januar 2015 habe es im Bereich der Fußgängerzone insgesamt 14 Verkehrsunfälle gegeben. Köppen: „Davon waren lediglich zwei Unfälle, die sich zwischen Radfahrern und Fußgängern ereigneten.“

Das Polizeihauptrevier Wismar führt im Bereich der Fußgängerzone stichpunktartig Kontrollen von Radfahrern durch. „Besonderes Augenmerk legen die Beamten dabei auf die Verkehrssicherheit der Fahrräder und auf eine angepasste Geschwindigkeit der Radler“, so der Kriminalhauptkommissar.

Hoffmann Heiko

Fischer schimpfen über „lückenlose Überwachung“ und die völlige Praxisferne der neuen Regelung

23.02.2018

Debatte um Verbot in Wismar / Entscheidung soll nach Diskussion fallen

21.02.2018

Das Geheimnis wird am 27. Februar auf der Insel Poel gelüftet

21.02.2018