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Wismar Gedenken an Bombenangriff von 1945
Mecklenburg Wismar Gedenken an Bombenangriff von 1945
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13:00 14.04.2017
Etwa 100 Menschen erinnerten Donnerstagnachmittag in St. Georgen an den Bombenangriff auf das Gotische Viertel kurz vor Kriegsende im Jahr 1945. Quelle: Nicole Buchmann
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Wismar

In St. Georgen haben etwa 100 Menschen an den Bombenangriff auf Wismar kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Am 14. April 1945 zerstörten Luftminen fast das komplette Gotische Viertel.

Als Kind die Einschläge gehört

Ilse Zielke hat das Donnern und Krachen der Einschläge damals bis nach Dargetzow gehört. Mit ihrer Mutter und ihrer Schwester war die damals Zwölfjährige wenige Wochen zuvor in Wismar angekommen - nach der Flucht aus Stettin. „Diese Veranstaltung ist wichtig, und ich freue mich, wenn auch junge Menschen daran“, sagte die 84-Jährige. Gedenken. Erinnerung. Für viele Menschen ist das, woran in St. Georgen erinnert wurde, heute Realität. Die zerbombten Häuser im Gotischen Viertel sind heute die von Aleppo. Die mitunter 500 Menschen, die damals täglich in Wismar ankamen auf der Suche nach Schutz vor dem Krieg, sind heute die im Libanon. Die fehlende medizinische Versorgung oder der Hunger jener Tage ist heute der in Somalia.

Brüchiger Frieden

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) sprach deshalb davon, dass Erinnerung nicht fruchtbar sei, wenn die heutige Zeit mit ihren Kriegen und Gewalttaten nicht mitbedacht würden. „Für meine Generation, für mich ist es nahezu unvorstellbar, im Bombenhagel leben zu müssen“, sagte Beyer. Auch in Europa sei der Friede brüchig. Ukraine, Kroatien, Bosnien-Herzegowina - die Kriege dort hätten Wunden geschlagen, die noch heute bluten. Der Krieg in der Ukraine dauert an. Und die Erinnerung an den 14. April 1945 sei eben auch eine Erinnerung daran, dass es die nationalsozialistische Ideologie war, die - auch in vielen Köpfen in Wismar verbreitet - erst dazu führte.

Gedenken wichtiger den je

Das Gedenken sei wichtiger denn je, betonte auch Propst Karl-Matthias Siegert. Der Krieg sei an diesem Abend an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt. Es sei wichtig, einen normalen Umgang zu finden. Einen Umgang frei von Kollektivschuld, frei davon, die Schuld auf die Nachkriegsgenerationen zu übertragen. Ein Umgang aber dennoch in dem Bewusstsein, dass das sinnlose Zerstören beispielsweise in Wismar die Ursache im Nationalsozialismus habe, sagte Siegert.

Zeitzeugen werden weniger

Die Menschen, die sich erinnern können, werden weniger. Großeltern, die den Krieg überlebt haben und ihren Enkeln davon erzählen, auch. Der Film, der in St. Georgen über die Leinwand lief, zeigte, wie Schüler der neunten Klasse des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums Zeitzeugen befragen. Zuhören. Versuchen, zu verstehen. Zum Beispiel, dass Mütter auf der Flucht ihre toten Babys im Schnee verscharrten. Dass eine Reisetasche voller Essen Erna Boos das Leben rettete auf der 14-tägigen Flucht. Dass sie bei dem Bombenangriff am 14. April von der Druckwelle durch die Luft geschleudert wurde und die Öfen in ihrem Haus am Klueßer Damm zerborsten waren. Dass nach Kriegsende in Wismar die Einheimischen und Flüchtlinge gleichermaßen nach Wohnraum suchten. 31000 Wismarer lebten in der Stadt. 16500 Umgesiedelte, Evakuierte und Flüchtlinge kamen hinzu. Ein Dreivierteljahr haben die Schüler Zeitzeugen gefragt. Neben dem Film ist auch zweiteiliges Buch samt Chronik der Nachkriegesjahre entstanden. Unter dem Titel „Flucht und Neuanfang 1945-1949 - Zeitzeugen berichten aus Wismar“ haben sie gemeinsam aus dem Archiv der Hansestadt Wismar zusammengetragen, was noch erzählt werden kann.

Sylvia Kartheuser

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