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Gefährliche Kreuzung für Radfahrer

Wismar Gefährliche Kreuzung für Radfahrer

An der Ecke Lübsche Straße/Erwin-Fischer-Straße müssen Autos Vorfahrt gewähren – Nach Unfall setzt sich Mutter für Helmpflicht bei Radfahrern ein

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Nach dem Unfall und dem Aufprall auf dem Asphalt ist der Fahrradhelm mehrfach gerissen.

Wismar. Helmpflicht für Fahrradfahrer – ja oder nein? Die Meinungen gehen auseinander. Daniela Holdt, Mutter zweier Kinder, ist klar dafür: „Ich bin für die Helmpflicht.

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An der Ecke Lübsche Straße/Erwin-Fischer-Straße müssen Autos Vorfahrt gewähren – Nach Unfall setzt sich Mutter für Helmpflicht bei Radfahrern ein

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Natürlich für alle, aber besonders für Kinder. Ich finde es sehr wichtig, dieses Bewusstsein bei den Kindern hervorzurufen, denn alles Flehen der Eltern wird nichts bringen, solange den Kindern nicht klar ist, welche Konsequenzen das Nichttragen eines Helmes haben kann. Sofern sie um die Ecke gebogen sind, wird oftmals der Helm wieder abgenommen und an den Lenker gehängt.“

Ein Unfall hat die Wismarerin in ihrer Meinung bestärkt. Ihre Tochter war vom Ostseeblick kommend auf dem Weg zur Schule in Richtung Altstadt unterwegs. An der Kreuzung Lübsche Straße/Erwin- Fischer-Straße hatte sie Vorfahrt. Doch der Autofahrer achtete trotz Stoppschild, extra Warnschild (siehe Foto) und rot gekennzeichnetem Übergang für Radfahrer und Fußgänger nur auf den Autoverkehr auf der Hauptstraße.

Die Schülerin musste so stark bremsen, dass sie stürzte. „Immer wieder muss ich beobachten, dass Autos nicht auf den Fahrradverkehr aus beiden Richtungen achten. Des Öfteren habe ich hier schon eine Vollbremsung machen müssen“, so Daniela Holdt, die weiter sagt: „Zum Glück hatte meine Tochter einen Helm auf. Der ist jetzt demoliert und gerissen. Meine Tochter hatte danach starke Kopfschmerzen.

So wie der Helm aussieht, hat der ihr vielleicht sogar das Leben gerettet.“

Dass ihre Tochter einen Helm trägt, ist alles andere als selbstverständlich. „Wir hatten deswegen gerade eine riesige Diskussion zu Hause, weil das ja so uncool sei“, ist Daniela Holdt froh, dass sich die Eltern – vorerst – durchsetzen konnten.

Zum konkreten Fall sagt die Polizei Wismar, dass sich Autofahrer, die aus der Erwin-Fischer-Straße kommen, im Querverkehr befinden. Deshalb haben Radfahrer Vorfahrt – egal aus welcher Richtung sie in der Lübschen Straße kommen.

Eine generelle Helmpflicht beim Fahrradfahren gibt es bislang in Deutschland nicht, ins Spiel gebracht wird sie allerdings seit Jahren. Die Polizei zählt zu den klaren Befürwortern einer Pflicht. „Wir sehen allein aus der Statistik, mit welch schweren Kopfverletzungen Radfahrer nach Unfällen ins Krankenhaus kommen und appellieren daher, den Helm auch freiwillig aufzusetzen“, so Isabell Wenzel, Sprecherin des Polizeireviers Rostock.

Hin- und hergerissen ist zum Beispiel Sybille Runge von der Verkehrswacht Wismar und Umgebung: „Für Kinder sollte das kein Thema sein und das Tragen Pflicht werden.“ Sie selbst setzt keinen Helm auf, es sei denn, dies werde per Gesetz beschlossen. Ein nicht unwesentlicher Grund, warum sie auf den Helm verzichtet, sind die Haare, wie Sybille Runge einräumt. Mit diesem Argument steht sie längst nicht allein da – egal ob Frau oder Mann.

Marie Anne Schlaberg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club setzt voll auf Freiwilligkeit, „egal ob bei Kindern oder Erwachsenen“. Der Helm biete eine trügerische Sicherheit und die Pflicht könnte dazu führen, dass weniger Leute Rad fahren. „Viel wichtiger ist eine vorausschauende Fahrweise und dass Eltern mit ihren Kindern über die Verkehrsregeln sprechen und sie darauf hinweisen, wo Gefahren lauern“, meint Marie Anne Schlaberg.

Pro und Kontra

Bei einer repräsentativen Umfrage für „Zeit online“ im Jahr 2015 hatten sich 41 Prozent für eine Helmpflicht für alle ausgesprochen, weitere 17 Prozent für bestimmte Personengruppen wie Kinder und Senioren. 32 Prozent waren gegen einen gesetzlich vorgeschriebenen Kopfschutz.

32 Prozent der regelmäßigen Radfahrer befürwortet die Helmpflicht, 44 Prozent wären mit einer solchen Vorschrift nicht einverstanden. Von den Radfahrern gaben nur 14 Prozent an, immer mit Helm zu fahren, weitere 15 Prozent sagten meistens.

Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 83219 Radfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt, darunter 16581 Kinder und Jugendliche. Bei jedem zweiten der getöteten Radfahrer im Jahr 2010 waren Kopfverletzungen die Todesursache. Helme können das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich verringern, sind sich Experten einig.

Europa : Generelle Helmpflicht für Radfahrer besteht in Finnland und Malta, Spanien und die Slowakei schreiben dies außerhalb geschlossener Ortschaften vor. In Österreich müssen Kinder unter zwölf Jahren den Helm tragen. Regelungen für Minderjährige gibt es zum Beispiel auch in Tschechien, Kroatien und Schweden. In den Niederlande und auch in Frankreich, Dänemark und Belgien gibt es keine Helmpflicht.

Heiko Hoffmann

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