Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Gemeinsam kochen, nähen, lachen und die Sprache lernen
Mecklenburg Wismar Gemeinsam kochen, nähen, lachen und die Sprache lernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 13.04.2017
Petra Held beim Kochen mit Naqiba Mohelei (23), Palvasha Kazemi (29) und Maryam Farahi (41, v. l.). Quelle: Foto: Nicole Hollatz

Auf die Frage, was sich in dem einen Jahr getan hat, winkt Petra Held eine der jungen Frauen heran. Fatima Abdalahi ist 42 Jahre alt und kommt aus Somalia.

Seit einem Jahr und acht Monaten lebt sie in Deutschland. „Als Fatima hier im Treff ankam, sprach sie nur Somali, kein Englisch, kein Französisch, kein Wort Deutsch. Und sie war Analphabetin“, erklärt Petra Held. Fatima lächelt und antwortet, sie hat jedes Wort verstanden. Und setzt sich wieder an den Tisch zu Ehrenamtlerin Gudrun Paplowski. Hausaufgaben machen – deutsche Sätze schreiben und den Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ herausfinden. Fatima schreibt fleißig mit und saugt das, was sie lernt, richtig auf.

Jeden Freitag treffen sich die Frauen aus dem Iran, aus Syrien, der Türkei, Russland oder Afghanistan mit den deutschen Ehrenamtlerinnen um Petra Held im großen Seminarraum des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) in Wismar. „Viele von ihnen leben zum Teil schon seit Jahren in Deutschland, aber wenn sie als Hausfrau zu Hause bleiben, dann sprechen sie auch nach dem Deutschkurs kein Deutsch, weil sie kaum die Möglichkeit haben, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Petra Held ihre Beweggründe für den Frauentreff.

In der neuen, durch Spenden möglich gemachten Küche kochen die Frauen zusammen. „Liebe Frau Petra, hast du eine Schürze für mich?“, fragt Naqiba Mohelei. Die 23-Jährige kommt aus Afghanistan und ist von Anfang an beim Frauenflüchtlingstreff dabei. Sie erklärt das Rezept, das die Frauen gemeinsam kochen: Bolani. Das sind gefüllte Teigtaschen, die in heißem Öl ausgebacken werden. „Gefüllt mit Kartoffeln und Gemüse. „Wie heißen die großen Peperoni?“, fragt Naqiba Mohelei und zeigt, welches Gemüse sie meint. „Paprika.“ Deutsche Vokabeln lernen mit Knoblauchgeruch in der Nase. Der kommt von der Soße für die Bolani – mit Wasser leicht verdünnter Joghurt mit etwas geriebenem Knoblauch, Salz und Pfeffer – lecker! „Meine Oma hat auch solche Teigtaschen gemacht“, erzählt Gudrun Paplowski. Sie engagiert sich aus christlicher Nächstenliebe: „Das ist mein Beitrag zur Völkerverständigung.“

Die Frauen bleiben unter sich. „Manche fühlen sich so wohl und heimisch, dass sie ihr Kopftuch abnehmen“, sagt Petra Held. Andere tragen kein Kopftuch oder verhüllen sich in ihren traditionellen Gewändern ganz. Sie sprechen über Alltägliches, auch über ihre Sorgen, über die Familien, über ihre Heimat und über das, was sie in Wismar erleben und was gerade um sie herum passiert. „Die Frauen waren erstaunt, dass es ja auch bei den Christen eine Fastenzeit gibt, die aus Sicht der muslimischen Frauen ja viel strenger ist als ihr Ramadan“, so Petra Held. Im Winter haben sie gestrickt und gehäkelt und dabei natürlich erzählt. „Wir entdecken gemeinsam die jeweils andere Kultur“, sagt Petra Held. Freundschaften sind entstanden, die weit über das Erlernen der Sprache hinausgehen.

Der Frauentreff bei den IJGD findet freitags von 11 bis 14 Uhr Hinter dem Chor 13-15 statt.

Nicole Hollatz

Hilfe vom Land kam schnell – 3000 Tonnen Material werden aufgeschüttet

13.04.2017

Bei Reparaturarbeiten in der Hohen Viechelner Fritz-Reuter-Straße hat ein 73-Jähriger den Dachstuhl eines Anbaus, der seinem Sohn gehört, angezündet.

13.04.2017

Lieselotte und Heinz Meier feiern 60 Jahre Ehe

13.04.2017
Anzeige