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Wismar Gläsernes Museum im Schabbell
Mecklenburg Wismar Gläsernes Museum im Schabbell
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00:27 09.05.2018
Maximilian Marotz mit den Museumshänden, über die er am 13. Mai sprechen will. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

„Schön, dass wir nach sieben Jahren erstmals wieder einen Internationalen Museumstag in unserem Stadtgeschichtlichen Museum durchführen können“, freut Museumsleiterin Corinna Schubert sich und wirbt für den 13. Mai. An dem Sonntag wird unter dem bundesweiten Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ von 10 bis 17 Uhr einiges für die großen und kleinen Besucher im Stadtgeschichtlichen Museum Wismar, im sogenannten Schabbellhaus, geboten. Unter anderem darf man dem Museumsrestaurator Jens Wyssusek über die Schulter schauen. Sein Labor ist das „gläserne Museum“, sein kleiner Arbeitsplatz dort zeigt Einblicke in den Part der Museumsarbeit, der sonst nicht sichtbar ist.

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Von mumifizierten Händen und Restauratoren: Erstmals wieder wird ein Aktionstag im Stadtmuseum gestaltet.

Beispielsweise der Blick in den Schwedenkopf oder auf ein Gemälde von 1819, ein in Wismar entstandenes Abendmahl mit deutlich sichtbaren Spuren der Zeit. „Viel Schmutz, einige Stoßstellen und Löcher“, erklärt der Restaurator das Schadensbild. Und fängt an zu erzählen, was getan werden muss, bevor so ein Schmuckstück in den Ausstellungsräumen gezeigt werden könnte.

Zum Maler und seinen Materialien müsse recherchiert werden, um dann zu wissen, wie und womit die abbröckelnde Farbe gefestigt werden könne. „Hier ist die Grundierung schuld, aber manchmal ist es auch die Leinwand oder allgemein Feuchtigkeit beispielsweise“, erklärt er. Das Bild wäre zu groß für eine Restaurierung in seinem „gläsernen Labor“. Das „Stangenglas“ aus dem 17. Jahrhundert mit den unglaublich dünnen Glaswänden ist eher ein Fall für das „gläserne Museum“. Der alte Kleber hat seine Zeit überdauert, nun müssen die Scherben wieder neu zusammengepuzzelt und verklebt werden. Das filigrane Glas hat den Effekt, den die Museumsleiterin mit der Idee des „Gläsernen Museums“ erhofft. Es macht neugierig, man kommt erst ins Staunen und dann ins Gespräch. Und bekommt gezeigt, wie viel „unsichtbare“ Arbeit in einem Museum schlummert.

Mehr als 2000 verschiedene Ausstellungsstücke erzählen im Schabbell ihre Geschichte und gewähren Einblicke in längst vergangene Zeiten. Fast jedes davon musste fachgerecht restauriert und gesichert werden. Zu den grün schimmernden Scherben kann Jens Wyssusek einiges erzählen.

Nicht das erste Mal, dass er das wertvolle Stück in den Händen hält. „Das waren Tafelgläser, besonders für Bier“, berichtet er mit Blick auf das hauchdünne Material, weniger als ein Drittel Millimeter dick. Große Handwerkskunst, die auch damals schon sehr teuer war. Davon haben sich in Wismar einige Gläser erhalten und zeugen vom damaligen Reichtum der Wismarer Bürger!

Von etwas anderem zeugen die Hände von Maximilian Marotz. Der studierte Historiker mit Spezialisierung auf die mecklenburgische Landesgeschichte ist neu im Museum, er betreut die Sammlung und setzt sich inhaltlich mit ihr auseinander. Zum Museumstag wird er unter anderem über zwei besondere Sammlungsstücke sprechen – zwei Hände, nicht die eigenen. „Die wurden richtig ausgelöst, nicht einfach nur abgetrennt vom übrigen Körper“, erklärt der Historiker zu den mittelalterlichen Beweisstücken. Wurden sie einem Verbrecher abgenommen oder sind es die Hände Unschuldiger? Die Frage und mehr aus der mittelalterlichen Rechtssprechung wird Thema sein.

„Die Arbeit hier hat ganz viel mit Forschung zu tun, die Objekte erzählen einem ihre Geschichte nicht von selbst, man muss sie herausfinden“, sagt der Historiker. Auch das ist die nicht sichtbare Museumsarbeit. „Der Besucher sieht nur die Spitze des Eisbergs unserer täglichen Arbeit, ein großer Teil findet im Verborgenen statt“, erklärt Corinna Schubert. Und freut sich darauf, wenn viele Gäste am 13. Mai ins Museum zum Blick in die Schränke, über die Schulter und auf die Hände kommen.

Viele Aktionen geplant

Am Museumstag, also am 13. Mai, von 10 bis 17 Uhr bietet das „Schabbell“ in der Hansestadt Wismar besondere Aktionen und Führungen an. Um 11 Uhr wird Museumsleiterin Corinna Schubert unter dem Motto „In die Schränke geschaut“ die Schätze des Hauses zeigen. Um 14 Uhr beleuchtet der Restaurator Jens Wyssusek ein Objekt von allen Seiten. Um 15 Uhr geht es um die ausgelösten Hände und andere Kuriositäten in der mittelalterlichen Rechtssprechung.

Für Kinder gibt es um 10, 12 und 13 Uhr Miniführungen unter dem Motto „Ich seh’ etwas, was du nicht siehst“ mit der Museumspädagogin Anne-Christin Liebscher, Dauer 30 Minuten. Um 10.30, 12.30 und 13.30 Uhr heißt es „Vorhang auf“ im Papiertheater. Von 10 bis 17 Uhr können Kinder, Eltern und alle, die Freude am Entdecken haben, auf Wissenssafarie mit einem Rätselheft gehen.

Große und kleine Künstler können bis 16 Uhr im Dachgeschoss unter Anleitung von Susanne Brügemann Gefäße aus Keramik bemalen. Die fertig gebrannten Stücke können später in der Keramik Malwerkstatt Wismar abgeholt werden. Für die Zwischenzeiten gibt es Kaffee und Kuchen im Museumshof.

Das Stadtgeschichtliche Museum der Hansestadt Wismar präsentiert in den historischen Bürgerhäusern an der Schweinsbrücke 6 und 8 im Zentrum Wismars die facettenreiche 800-jährige Geschichte der Stadt. Die Zeitreise beginnt mit der mittelalterlichen Stadtgründung und endet mit der friedlichen Revolution in der DDR. Hör- und Filmstationen ergänzen die Einblicke in vergangene Zeiten. Die beiden Denkmale wurden 2017 als Ausstellungs- und Veranstaltungshaus geöffnet. Die Museumsbesucher haben die Möglichkeit, die zum Unesco-Welterbe zählenden Häuser vom Keller bis zum Dachboden selbst zu besichtigen. Das Schabbell ist barrierefrei.

Nicole Hollatz

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