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Göring las über seinen Spiegelberg

Wismar Göring las über seinen Spiegelberg

„Wenn Sie gedacht haben, jetzt liest der Göring schlüpfrige Geschichten aus dem Wismarer Spiegelberg, dann muss ich Sie enttäuschen“, begrüßte Michael Göring am ...

Wismar. „Wenn Sie gedacht haben, jetzt liest der Göring schlüpfrige Geschichten aus dem Wismarer Spiegelberg, dann muss ich Sie enttäuschen“, begrüßte Michael Göring am Dienstagabend die Gäste der Buchlesung im Wismarer Zeughaus. Der Westfale ist Vorsitzender des Vorstands der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Autor. Er war bereits zum zweiten Mal lesend in Wismar.

Dass der Titel seines neuesten Buches „Spiegelberg“ ganz besondere Erwartungen im Wismarer Publikum wecken könnte, konnte er nicht wissen. Sehr intensiv las und erzählte er von „seinem“

Spiegelberg. Einer westfälischen Siedlung, die die Menschen, die dort aufgewachsen sind, stark geprägt hat.

Sieben Freunde und damit sieben verschiedene Schicksale stellte er vor. Erzählte aus den Jahren ab 1963, der Kindheit seiner Protagonisten und wie die Eltern sie behandelt haben. Der Roman ist einer ganzen Generation gewidmet und zeichnet eben diese Generation bis ins Jahr 2015 beispielhaft.

Ein sehr persönliches Buch, das Michael Göring (s)einer Maria gewidmet hat. Sie hieß nicht Maria, aber er war der Martin aus dem Buch, der mithalf, das Mädchen zu drangsalieren. „Mobben“ würde man heute sagen. „Ich war der Martin und ich habe mich Jahre später geärgert, wieso wir sie so gejagt haben. Weil sie die Ärmste in der Klasse war“, erzählte der Autor. Er hofft nun, dass diese Maria irgendwann im Publikum sitzt und ihm verzeiht.

Auch Anderes mutet autobiografisch an. Der kleine Martin sieht eine Demonstration von Kriegsversehrten. Männer in den „langen Kisten“, den alten Rollstühlen, eine Hand an der Stange, mit der die Räder angetrieben werden, eine Hand an der Lenkung. „In meiner Fantasie sah ich lauter fahrende Särge“, erzählen Göring und seine Romanfigur unisono.

Er berichtet von der Gewalt, die die Nachkriegskinder erleben mussten. Ein typisch westdeutsches Phänomen? Göring fragt bei seinem - meist - ostdeutschen Publikum im Wismarer Zeughaus nach. Die meisten negieren und haben gleich eine Erklärung für die Gewalterfahrungen der Nachkriegskinder im Westen, wo der mit dem Schlüsselbund schlagende Lehrer wohl selbstverständlich war. Denn dort, so kam es aus dem Publikum, waren die alten Strukturen aus NS-Zeiten noch vorhanden. Ein interessantes Gespräch zwischen Autor und seinen Lesungsgästen, das sich so nach der eigentlichen Lesung entspann. Vielleicht ist es die gedankliche Inspiration für den nächsten Roman?

Nicole Hollatz

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