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Wismar Grundschulen kämpfen mit dem Lehrermangel
Mecklenburg Wismar Grundschulen kämpfen mit dem Lehrermangel
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00:00 15.04.2013
Wismar

Mangelnde Lehrkräfte machen den Wismarer Grundschulen zu schaffen. Dies ergab eine Umfrage der OSTSEE-ZEITUNG. „Wenn alle Kollegen da sind, dann läuft es gut“, meint Christa Schulz, Schulleiterin der Grundschule Friedenshof in Wismar. „Fällt jedoch schon eine Lehrkraft aus, haben wir ein Problem.“ Ähnliches Bild bei den anderen Schulen. „Wird ein Kollege krank, gestaltet es sich schwierig, den Unterrichtsplan aufrechtzuerhalten“, sagt Simona Pohl von der Fritz-Reuter-Schule. „Eine normale Krankschreibung können wir überbrücken. Dann müssen andere Lehrer die Klassen für diese Zeit übernehmen.“

Anke Bollbuck, stellvertretende Schulleiterin der Rudolf-Tarnow- Schule, ist zurzeit auf der Suche nach einem Vertretungslehrer: „Seit Weihnachten haben wir einen Ausfall durch eine Langzeiterkrankung. Eine Vertretung zu finden ist schwer.“ In solchen Fällen bekommen die Schulen externe Unterstützung durch Vertretungslehrer. Bisher habe die Rudolf-Tarnow-Schule jedoch noch keinen gefunden. „Der Bedarf an Lehrkräften ist da, nicht nur für Vertretungen“, sagt Anke Bollbuck. „Man darf nicht vergessen, dass nicht alle Lehrer voll arbeiten.“

Gerade älteren Kollegen verkürzen oft die Arbeitszeit, da die Belastung zu hoch sei. „Im Sommer werden neue Referendare abschließen, doch das ist nicht die Masse“, weiß Bollbuck. Auch Christiane Reetz, Leiterin der Grund- und Regionalschule auf Poel, fehlt der Nachwuchs. „Von unseren 18 Lehrern sind zwölf Kollegen über 50“, sagt sie und ergänzt: „Bisher geht das noch. Aber wer weiß, wie das in den nächsten Jahren wird. Wir arbeiten länger, aber die Belastung bleibt.“ Sie befürchte in Zukunft mehr Krankentage. An ihrer Grundschule arbeiten vier Lehrer mit vier Klassen — ein Ausfall ist gravierend. Für Carsten Dieste vom Kreiselternrat Nordwestmecklenburg ist der Lehrermangel akut. Ein großes Problem sehe er im sogenannten Lehrertourismus. „Es gibt Lehrer, die an mehreren Schulen unterrichten und lange Wegstrecken überwinden müssen“, erklärt Dieste. So an der Seeblick-Grundschule. „Da wir 2012 den höchsten Krankenstand im Umkreis hatten, wurde uns eine zusätzliche Lehrkraft zugeteilt“, erklärt Ines Feldt, stellvertretende Schulleiterin. „Diese ist an 15 Schulen im Einsatz und einen Tag in der Woche bei uns.“ Für die Schule sei das eine Entlastung, von der Lehrerin werde jedoch eine enorme Flexibilität erwartet.

Damit nicht genug. „Durch den Mangel kommt es zu Einstellungen von nicht fachgerecht ausgebildeten Lehrkräften“, merkt Christiane Reetz an. „Ich sehe darin die Gefahr, dass das Ansehen der öffentlichen Schule im Vergleich zu den privaten sinken wird.“ Anke Bollbuck meint: „Besonders an den Grundschulen ist eine pädagogische Ausbildung sehr wichtig.“ Die Unterrichtsausfälle halten sich noch in Grenzen. „Wir können die Stunde nicht einfach ausfallen lassen, wie es beispielsweise an weiterführenden Schulen möglich wäre“, sagt Ines Feldt. „Höchstens bei Randstunden geht das im Notfall.“ Sonst werde mit Klassenaufteilung oder Stillarbeit überbrückt. Wenn Stunden ausfallen, dann meist auf Kosten des Förderunterrichts.

Was macht das Land?
60 Neueinstellungen an Grundschullehrern pro Jahr soll es bis zum Schuljahr 2014/15 geben. Danach werden nach Informationen des Bildungsministeriums die Anzahl der Einstellungen erhöht.

50 Millionen Euro zusätzlich sollen den Schulen künftig pro Jahr zur Verfügung stehen. Darauf verständigten sich SPD und CDU im Koalitionsausschuss. Außerdem sollen die Referendare und Junglehrer an den Schulen verbeamtet werden.

40 zukünftige Lehrer pro Jahr absolvieren das Studienfach Grundschulpädagogik bis 2015. Die Ausbildungskapazität soll laut Ministerium sofort erhöht werden, um für die kommenden Jahre genügend Lehrkräfte zu gewinnen.

Vanessa Kopp

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