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Wismarer Unternehmen Sensatronic investiert eine Million Euro in neuen Firmensitz

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Mitarbeiterin Ina Köpnick prüft die Funktionsfähigkeit der Produkte.

Quelle: Fotos: Kerstin Schröder

Wismar. Kathrin Bosse und Ina Köpnick brauchen gute Augen und ruhige Hände: Denn die Materialien, die sie zusammenbauen, sind winzig. Teilweise mit Pinzetten greifen die Frauen immer wieder zu Glaszylindern, Kabeln und Magneten im Mini-Format. Ihre Aufgabe: Temperatur-Fühler und Mikropumpen bauen – hochmoderne Sensoren, die unter anderem Wärme, Atemgase und Temperaturen messen können.

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Wismarer Unternehmen Sensatronic investiert eine Million Euro in neuen Firmensitz

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„Unsere Sensoren sind Bestandteile von medizinischen Überwachungsgeräten und von Atemalkoholmessern“, sagt Jens Schwarz, Geschäftsführer von Sensatronic. Die Wismarer Firma ist eine der ersten Ansiedlungen im neuen Gewerbegebiet Dargetzow. Eine Million Euro hat Schwarz in das rund 2600 Quadratmeter große Grundstück und die Ausstattung investiert. Neu ist Sensatronic in der Hansestadt aber nicht. Bereits seit zehn Jahren behauptet sich das Unternehmen erfolgreich auf dem deutschen Markt, vor allem aber im Ausland. „Wir sind sehr exportlastig, wir liefern unsere Produkte unter anderem in die USA und nach China“, berichtet Schwarz. Zu seinen Kunden zähle auch das viertgrößte Medizinunternehmen der Welt.

Die Messtechnik, die in Wismar entwickelt und gebaut wird, spielt beispielsweise in Beatmungsgeräten, Patientenmonitoren und mobilen Messgeräten eine wichtige Rolle. Sie wird zur Regelung von Temperaturen bei Infusionen oder für die künstliche Beatmung von Patienten eingesetzt. „Man kann Blutkonserven nicht einfach aus dem Kühlschrank nehmen und sofort Transfusionen machen, das Ersatzblut muss vorher auf Körpertemperatur gebracht werden“, erklärt Jens Schwarz. Auch zur Online- Überwachung von Pulsfrequenzen, der Sauerstoffsättigung des Blutes sowie zur Messung ausgeatmeter Gase am Intensiv-Beatmungsgerät werden seine Sensoren eingesetzt. Gefertigt werden die in Kleinserien bis hin zu großen Stückzahlen für den Ein- und Mehrweggebrauch.

Da im Klinikalltag bereits kleinste Abweichungen für die Patienten weitreichende Folgen haben können, werden alle Komponenten für Medizingeräte vor der Zulassung von einem Prüflabor getestet und zertifiziert. „Alle unterschiedlichen Bestandteile eines Gerätes werden im Vorfeld aufeinander abgestimmt, deshalb sind kurzfristige Änderungen in der Produktion nicht möglich“, erklärt Schwarz.

Alle beteiligten Unternehmen seien in die Entwicklungsphasen der Produkte miteingebunden – auch Sensatronic. Fünf Ingenieure gehören zu den 15 Mitarbeitern, hinzu kommen zwei Studenten. Der Firmenchef, der mit einem Mitarbeiter angefangen hat, ist studierter Ingenieur. Den Grundstein für sein Unternehmen hat er 2001 gelegt – im Technologie- und Gewerbezentrum Wismar (TGZ). Das unterstützt Existenzgründer wie Jens Schwarz. Davor hat er bei der Firma Envitec gearbeitet. Auch dieses Wismarer Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Sensoren spezialisiert.

Etwa 3000 Unternehmen stellen in Europa Sensoren und Messsysteme her, in Deutschland sind es vor allem mittelständische Firmen. Die kleinen technischen Bauteile messen physikalische oder chemische Eigenschaften wie Wärmestrahlung, Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Schall, Helligkeit, Beschleunigung und verarbeiten die elektrischen Signale. Sie leisten also etwas Besonderes: Sie verwandeln eine physische Wahrnehmung in Information. Der Umsatz der Branche steigt von Jahr zu Jahr. 2016 hat sie europaweit etwa sechs Milliarden Euro erwirtschaftet. Für den Aufbruch in der Sensorik hat die Automobilindustrie gesorgt. In einem durchschnittlichen Neuwagen werden heute rund 50 Sensoren verbaut. Diese messen Beschleunigung, Reifendruck, Erdmagnetfeld, Abstände, Bremsdruck, Gewicht.

Mittlerweile kommen Sensorsysteme überall zum Einsatz – von der Industrie über Smartphones bis hin zum Sport (Fitness- und Leistungsanalysen). Inzwischen bewegt sich der Sensor-Weltmarkt in einer Größenordnung von 100 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

Wie viel Geld das Wismarer Unternehmen Sensatronic erwirtschaftet, verrät Geschäftsführer Jens Schwarz nicht. Den Standort im Dargetzower Gewerbegebiet hat er sich aus logistischen Gründen ausgesucht: Er liegt in der Nähe der Autobahn. So können die Produkte schnell ausgeliefert werden. „Und Wismar bin ich treu geblieben, weil es meine Heimatstadt ist“, ergänzt er. Passend zur modernen Technik, die auf dem neuen Areal hergestellt wird, gibt es auch ein modernes Energiekonzept mit Photovoltaikanlage, Wärmepumpe und Elektroenergiespeicher. Ist Letzterer voll, geht die zusätzlich gewonnene Energie in den Verkauf. Seit kurzem beteiligt sich das Unternehmen auch an einem von Bund und Land geförderten Forschungsprojekt. Dabei geht es um die Überwachung des Stoffwechsels.

Kerstin Schröder

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