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Wismar Häusliche Gewalt: Jedes fünfte Kind ist Zeuge oder Opfer
Mecklenburg Wismar Häusliche Gewalt: Jedes fünfte Kind ist Zeuge oder Opfer
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03:44 07.09.2013
Ein Mann schlägt seine Frau. Realität in vielen Familien. Auch in Nordwestmecklenburg. In diesem Jahr nahm die Polizei bis Ende August 57 Fälle von häuslicher Gewalt auf. Die Dunkelziffer allerdings liegt weit höher. Quelle: oz

Eine Schülerin hatte sich ihr anvertraut. „Der Vater übte verbale Gewalt aus. Er verbot der Mutter und den Kindern alles. Sie durften nirgendwo hingehen. Die 13-Jährige sagte zu mir: Ich möchte weg.“ Das war für Simone Oldenburg, damals Schulleiterin in Klütz, der Auslöser, sich gegen häusliche Gewalt zu engagieren. „Gerade die Kinder sind hilflos und brauchen unseren besonderen Schutz.“ Die Vorsitzende des Vereins Kuso in Gägelow, die seit 2011 Landtagsmitglied ist, hat gemeinsam mit dem Kreis Nordwestmecklenburg eine Fachtagung am 13. September und zwei Ausstellungen zum Thema „Häusliche Gewalt“ organisiert. Tagungsort ist der Kreistagssaal in der Malzfabrik in Grevesmühlen. In der Malzgalerie sind die Ausstellungen bis zum 15. September zu sehen.

Anschließend werden sie bis Mitte Oktober im Gägelower Jugendklub gezeigt.

„Jedes fünfte Kind in Deutschland ist Zeuge oder Opfer von häuslicher Gewalt“, sagt Simone Oldenburg. Statistisch gesehen sind es in jeder Kindergartengruppe drei Kinder und in jeder Schulklasse vier bis fünf Mädchen und Jungen, die zu Hause körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt erleben. Sie trauen sich meist nicht, darüber zu sprechen, weil es ihnen verboten wurde. Aber sie senden Signale, die Erwachsene erkennen und ernst nehmen müssen: Sie sind zurückgezogen oder aggressiv. „Wir wollen vor allem Erzieherinnen, Pädagogen und Schulsozialarbeiter sensibilisieren, diese Signale zu erkennen und zu analysieren“, erklärt Simone Oldenburg. „Und analysieren müssen wir mit allen Sinnen, denn durch häusliche Gewalt sind auch alle Sinne des Kindes betroffen.“ Daher richtet sich die Fachtagung vor allem an alle Personen, die mit Kinder von Berufs wegen zu tun haben.

Aber auch die Kinder selbst wollen die Initiatoren erreichen — mit der Ausstellung „Hier wohnt Familie Schäfer“, die ihnen zeigen soll: Gewalttätiges Verhalten von Papa (oder auch Mama) ist nicht normal. Das müssen Kinder nicht ertragen. Sie können Hilfe finden.

In der begleiteten Ausstellung für Mädchen und Jungen ab vier Jahren können sie 14 große Bilder aus dem Alltag von Familie Schäfer anschauen. In dieser Durchschnittsfamilie mit Vater, Mutter und zwei Kindern wechseln harmonische Momente mit bedrückenden Szenen ab. Der oft wütende Mann schreit seine Frau an, beschimpft sie, wirft mit Gegenständen, schlägt Frau und Kinder. Später entschuldigt er sich und bringt seiner Frau Blumen. Doch das Glück währt nur kurz . . .

„Es ist eine sehr ergreifende Ausstellung“, sagt Landrätin Birgit Hesse (SPD), die Schirmherrin der Fachveranstaltung. In der Malzfabrik 2009 und im Gägelower Jugendklub Anfang 2012 gezeigt, fand sie eine sehr gute Resonanz. „Es ist wichtig, dass wir regelmäßig über das Thema ,Häusliche Gewalt‘ aufklären. Unvorstellbar, dass sie in einigen Familien Alltag ist.“ Werden Nachbarn Zeuge, sei es kein Anschwärzen, wenn sie sich ans Jugendamt wenden. Das können sie im Übrigen anonym. Beide Ausstellungen eignen sich zum Beispiel auch für thematische Elternversammlungen.

Für Fachvortrag und Ausstellungsbesuch anmelden

37 Kinder und sechs Jugendliche waren in diesem Jahr in Nordwestmecklenburg bereits Opfer oder Zeuge von häuslicher Gewalt, so die vorläufige Statistik der Polizei. Sie nahm bis 31. August 57 Fälle auf. Die Dunkelziffer liegt höher.

Eine Fachveranstaltung zum Thema „Häusliche Gewalt“ findet am 13. September von 9 bis 12 Uhr in der Malzfabrik Grevesmühlen statt — mit einem Fachvortrag zu Ursachen, Signalen und Auswegen aus der häuslichen Gewalt, der Besichtigung der Ausstellungen „Hier wohnt Familie Schäfer“ und „Am Rande der Wahrnehmung“ sowie mit Vorträgen von Beratern der Interventionsstelle Schwerin und des Gesundheitsdienstes des Landkreises NWM.


Eine Anmeldung wird erwünscht bis zum 11. September im Fachdienst Jugend, ☎ 0 38 41/30 40 51 92 oder an s.goerke@nordwestmecklenburg.de


Beide Ausstellungen sind bis zum 16. September in der Malzfabrik und vom 19. September bis Mitte Oktober im Jugendklub Gägelow, montags bis freitags 10 bis 17 Uhr, nur nach Anmeldung (☎ 0 38 41/62 97 76) zu sehen.

Haike Werfel

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