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Wismar Halm an Halm — ein Haus aus Stroh und Holz
Mecklenburg Wismar Halm an Halm — ein Haus aus Stroh und Holz
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03:49 27.08.2013
Paul Pahlow setzt bei seinem Haus auf Stroh: 350 kleine Ballen werden verbaut. Quelle: Fotos: Hans Taken

Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein — so heißt es in einem alten Volkslied. Das Haus von Paul Pahlow wird auch bald fertig sein, doch Stein spielt beim Häuslebauer in Dechow eine untergeordnete Rolle, denn seine zukünftigen vier Wände sind aus Stroh. „Ich wollte ökologisch bauen, da bin ich auf die Idee mit dem Strohhaus gekommen“, sagt Paul Pahlow. Pahlow ist 33 Jahre alt, arbeitet als Elektro-Ingenieur für eine schwedische Firma in Lübeck und ist an diesem Morgen gerade damit beschäftigt, eine Wassermelone für die Dachdecker und Zimmerleute aufzuschneiden. Über den Holzbalken wehen die Schleifen der Richtkrone. Der Rohbau steht und noch ist das Stroh zu sehen, das jetzt die Lücken zwischen wuchtigen Holzbalken ausfüllt, um später einmal für ein gesundes Raumklima zu sorgen. Eine Woche hat Pahlow gemeinsam mit Freunden damit verbracht, den Löwenteil der 350 kleinen Strohballen mit Hilfe von Spanngurten zwischen die 36 Zentimeter dicken Balken des Erdgeschosses zu pressen. Das restliche Stroh kommt noch zur Dämmung in den oberen Teil des zweigeschossigen Hauses. Bereits in der kommenden Woche wird der Lehmputz aufgetragen. „In Kombination mit dem Lehm sind die Wände atmungsaktiv. Es wird weniger Ausdünstungen geben und es bildet sich nicht so schnell Tauwasser“, erklärt der Bauherr die Vorteile dieser natürlichen Baustoffe.

Einen Architekten, der sich auf den Bau von Strohhäusern spezialisiert hat, hat Paul Pahlow in Wismar gefunden. Ursprünglich, so Pahlow, komme diese Bauweise aus den Vereinigten Staaten. „Der mittlere Westen ist nicht sehr stein- und holzreich. Deshalb hat man dort schon vor rund 150 Jahren damit angefangen, Stroh zu verbauen“, sagt der gebürtige Mölliner. Seines Wissens nach steht das älteste Strohhaus Europas in Frankreich und ist etwa 100 Jahre alt. Im sachsen-anhaltinischen Poppau gäbe es, so Pahlow, ein Dorf, in dem bereits mehrere dieser Häuser stehen, „aber in Dechow und Umgebung gibt es sie noch nicht“, ist sich der zukünftige Eigenheim-Besitzer sicher. „Davon müsste es viel mehr geben“, sagt einer der beiden Zimmermänner und greift während seiner Mittagspause zu einem Stück Melone. „Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff und den gibt es in dieser Gegend genug“, sagt der Handwerker. Betonfundament und ein paar Mauern im Innenbereich für die Stabilität oder auch Dachpfannen — ganz ohne klassische Bauelement kommt aber auch das elf mal acht Meter große Haus von Paul Pahlow nicht aus. Großzügige Glasflächen — gerade auf der Südseite — wird es auch geben. Die Westseite, von der der Wind den Regen vor das Haus peitschen wird, wird noch mit Lärchenholz verschalt.

Viel günstiger als ein herkömmliches Haus dieser Größenordnung, sei, so Pahlow, sein Heim jedoch auch nicht. Was an Materialkosten gespart werde, müsse für den aufwendigeren Aufbau des Niedrigenergiehauses verwendet werden. „Aber ich stecke auch viel Eigenleistung in das Haus“, sagt der Ingenieur und macht sich wieder an die Arbeit. Im Dezember will er einziehen und in seinen vier Wänden sitzen. Dass diese aus Stroh sind, das sieht dann aber niemand mehr.

„In Kombi- nation mit dem Lehm sind die Wände atmungs- aktiv.“
Paul Pahlow (33)

Hans Taken

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