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Wismar Hammerfrauen servieren Baumarkt-Lyrik mit Ohrwurmpotenzial
Mecklenburg Wismar Hammerfrauen servieren Baumarkt-Lyrik mit Ohrwurmpotenzial
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05:00 27.09.2018
Das „Hammerfrauen“-Ensemble: Marco Billep, Dirk Hinzberg, Eva Löser, Anastasia Troska, Caroline Beil und Isabel Varell (v.l.). Quelle: Bernd Böhner
Wismar

Was passiert, wenn vier Frauen – jede mit persönlichen Problemchen beladen – sich im Baumarkt zur Ladies Night mit Heimwerker-Kurs, Sekt und Schnittchen treffen? Es artet aus. Das Fliesen und Fugen wird schnell zum Kacheln und Picheln. Der anfängliche „Do it yourself-Wahn“ wird überlagert von den persönlichen Lebensgeschichten der Kursteilnehmerinnen. Und die besetzen – von Alkohol benebelt – kurzfristig den Baumarkt. Gestern machte das Musical „Hammerfrauen“ – eine Produktion des Berliner Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“ in Kooperation mit dem Tournee-Theater Thespiskarren – mit Caroline Beil und Isabel Varell Station im Theater Wismar. Die Story ist schnell erzählt: Ein Hochzeitstisch im Baumarkt? Welche Frau wäre davon wohl begeistert? Julia (Anastasia Troska), bekennende Obi-Phobikerin, ist jedenfalls schockiert. Sie hat zwar ihren Verlobten Marc (Christian Miebach) im Baumarkt kennengelernt, hasst aber alles, was mit Heimwerken zu tun hat. Leider hat sie das ihrem Marc bisher nicht erzählt. Der passionierte Heimwerker hingegen, der seine alte Mühle sanieren will, hat praktischerweise den Hochzeitstisch der beiden im Baumarkt einrichten lassen und – bei der Gelegenheit – gleich seine Verlobte beim Handwerkerkurs für Frauen angemeldet.

Gesang und Tanz mit Rechen und Schläuchen

Und so kommt es, wie es kommen muss. Kurz vor der Hochzeit kriegt Julia kalte Füße. Beim abendlichen Kurs – Fliesenlegen mit den Baumarktmitarbeitern Enno (Dirk Hinzberg) und Patrick (Marco Billep) lernt sie Cornelia (Caroline Beil), Yvonne (Isabel Varell) und Kim (Eva Löser) kennen, die zwischen Flexkleber und Fugenkreuzen Julias Zwangslage diskutieren.Die Inszenierung von Craig Simmons setzt vor allem auf Tempo, Witz und eingängige Kompositionen von Musiker Benedikt Eichhorn. Zwischen Schleifgeräten, Toilettendeckeln, Gartenwerkzeugen und Farbeimern werden in liebevoll inszenierten Choreografien die Rechen und Gartenschläuche geschwungen. Dazu wird pointierte Baustoff-Lyrik mit musikalischem Ohrwurm-Potenzial serviert. So werden Heimwerkerwahn und Baumarktkauderwelsch auf die Schippe genommen, ja fast genüsslich seziert und auf die Spitze getrieben. Zugegeben, es finden sich auch einige Plattitüden, auf die das Stück gut und gern hätte verzichten können. Aber die verzeiht man der hervorragend besetzten Darstellerriege, die die schrullig-liebenswerten Charaktere mit viel Herzblut überaus überzeugend auf die Bühne bringt. Mit zunehmendem Gratis-Sekt sinken die Hemmungen der Frauen. „Cornelia“ wird von der biederen Business-Frau zum sexy Vamp, entledigt sich nicht nur ihres Kostüms sondern auch gleich ihres handwerklich ungeschickten Ehemanns und nach und nach offenbaren sich auch die anderen Schicksale der Protagonisten.

Sexuelle Anspielungen, Mörteltäubchen und ein Happy End

Auch mit schlüpfrigen Bemerkungen, sexuellen Anspielungen und nackter Haut wird nicht gegeizt. Am Ende kommte es gar zum Äußersten. Simmons gelingt es, eine tabulose Satire zu inszenieren, die sich war an einigen Stellen am Rande des Klamauks bewegt, aber nicht dorthin abgleitet. Ein Stück, das sich selbst nicht zu ernst nimmt. Das wird spätestens deutlich, wenn die Braut am Ende im schrillen, aus Baumarkt-Utensilien gefertigten Brautkleid auf der Bühne steht.Und: Natürlich gibt es ein Happy End. Die beiden Mörteltäubchen Julia und Marc werden letztlich doch noch ihre Dichtungsringe tauschen. Selbst die Braut ist am Ende überzeugt: Künftig wird nicht mehr dekoriert sondern nur noch kernsaniert. Insgesamt kurzweilige, lockere und leichte Kost, die auf jeden Fall Lust macht, mal wieder im Baumarkt um die Ecke vorbeizuschauen.

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