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Handwerk: Vom Vater zum Sohn

Diedrichshagen Handwerk: Vom Vater zum Sohn

Als Vertriebene kamen die Ziebarths 1947 nach Diedrichshagen und bauten sich eine neue Existenz auf

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Eine Familie, eine Firma: Raimund Ziebarth (v.l.) mit seiner Frau Iris, seiner Mutter Ina Ziehbarth und Sohn Christian Ziehbart.

Diedrichshagen. „Fahren Sie bloß nicht nach Navi“, sagt Iris Ziebarth (58) – mitarbeitende Ehefrau in der Schmiede, Klempner- und Installationsfirma Ziebarth & Söhne –, „dann finden sie unseren Handwerksbetrieb nie.“ Und eigentlich braucht man das Navi auch nicht. Der Hof der Firma liegt genau an der Landesstraße 03, ein Stück hinter Rüting Richtung Upahl.

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Als Vertriebene kamen die Ziebarths 1947 nach Diedrichshagen und bauten sich eine neue Existenz auf

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Die Serie

Jede Woche stellt die OSTSEE- ZEITUNG in der Serie ein Dorf

aus dem Landkreis vor. Dabei

erzählen wir Geschichten von

Menschen, die dort leben, von

Veränderungen, über die Sorgen der Einwohner, was sich so alles entwickelt hat oder sich noch

entwickeln soll. Zurow wird im nächsten Teil an der Reihe sein.

Seit mittlerweile 65 Jahren gibt es das Familienunternehmen. „Und dieses Mal haben wir auch eine Urkunde zum Geschäftsjubiläum von der Handwerkskammer in Schwerin bekommen“, erzählt Iris Ziebarth lachend. Was sie interessant findet, „denn zum 50. Jubiläum kam nichts.“ Ihr Mann Raimund Ziebarth (60) und einer der beiden Söhne, Christian Ziebarth (37), der bereits seit 20 Jahren mitarbeitet und vor vier Jahren die Betriebsleitung übernommen hat, sind den ganzen Tag als Monteure unterwegs. Einen weiteren Monteur werden sie vielleicht bald noch einstellen. Aufträge gibt es genug.

Raimund Ziebarth erzählt von seinem Großvater Paul, der samt Familie aus den ehemaligen Ostgebieten in Polen 1947 nach Diedrichshagen kam und dort zunächst eine Schmiede und Stellmacherei eröffnete.

„Der Start war nicht einfach“, sagt er, „die ansässigen Schmiede sahen seinen Großvater als Konkurrenz.“ Auch die DDR-Zeit war nicht „ohne“, erzählt er weiter, „wegen der Materialknappheit vor allem.“ Hinzu kam noch, dass die Ziebarths Katholiken sind – und damit zu einer religiösen Minderheit gehören, im eher protestantischen Norden. Zu DDR-Zeiten dann allerdings war jeder Glauben an Gott irgendwie suspekt. „Wir haben immer an unserem Glauben festgehalten“, sagt Ina Ziebarth (86). Die Mutter von Raimund Ziebarth konvertierte ihrem Mann Günther zuliebe zum Katholizismus. Günther Ziebarth hatte im Jahr 1952 den Betrieb von seinem Vater übernommen. „Mein Mann war es auch“, sagt Ina Ziebarth, die früher als Handwerkerfrau mitarbeitete – so wie ihre Schwiegertochter Iris heute – „der noch zusätzlich eine Meisterausbildung im Fach Sanitär absolvierte.“ Wie es aussieht, bleibt die Familienhandwerkstradition noch eine Weile erhalten. Christian Ziebarth hat zwei Söhne, die sich ebenfalls schon für das interessieren, was Vater und Großvater tun. „Einer von ihnen wird später schon mit dabei sein“, ist sich Christian Ziebarth sicher. am

Großfamilie mit ganz viel Herz

Keine Art von Foto könnte besser beschreiben, worum es bei Familie Adjinski/Drechsel/Hacker geht: es geht um Großfamilie, um drei Generationen unter einem Dach.

Es war im Frühjahr 2013 als Anne Drechsel (36) im Internet nach einem großen Haus Ausschau hielt, in das sie gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Mann und den drei Kindern ziehen könnte. Sie ist Hauptfeldwebel bei der Flugabwehr der Bundeswehr, damals noch in Hagenow, heute in Prangendorf bei Sanitz. Ihr Mann Sven Hacker, gelernter Maler und Lackierer, fuhr damals zum Arbeiten noch täglich nach Hamburg. Gewohnt hat die Familie zu jener Zeit in Wamckow im Sternberger Seenland (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Die Eltern von Anne Drechsel – Klaus (79) und Bärbel (65) Adjinski lebten auch in Wamckow und kümmerten sich schon zu dem Zeitpunkt regelmäßig um die Enkel.

Im April 2013 sahen sie sich gemeinsam mit Tochter Anne, Schwiegersohn und Enkeln, das alte Hallenhaus in Diedrichshagen an. „Meine Mutter“, erzählt Anne Drechsel, „stammt aus dieser Gegend, aus Bernstorf. Sie freute sich, in diese Ecke zurückzukehren.“ Auch Anne Drechsels Vater hatte keine Probleme, Wamckow zu verlassen. „Als mein Herzensprojekt, der Förderverein Sternberger Seenlandschaft, aufgrund der sich verändernden Arbeitsmarktpolitik langsam einging, war ich im Grunde froh, weggehen zu können“, erzählt er.

Das Projekt „Großfamilie“ in der Dorfstraße 23 in Diedrichshagen funktioniert. Das sieht und fühlt jeder Besucher, der das alte reetgedeckte Hallenhaus betritt. Es gibt gemeinschaftlich genutzte Räume, wie die Tenne mit dem großen Tisch, an dem alle Familienmitglieder Platz finden. Es gibt Bereiche, in die sich die Generationen zurückziehen können. Auf dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück ist genug Platz, um zu gärtnern, Geflügel zu züchten, miteinander zu sein, zu spielen. Zurzeit baut die Familie gerade den Dachboden aus, denn Anne Drechsels Bruder plant, irgendwann auch mit Frau und Sohn dort einzuziehen. „Angekommen sind wir in Diedrichshagen schnell“, sagt Klaus Adjinski. „Wir haben gute Beziehungen zu den Nachbarn“. Auch der Gänsesäger, der vor der Restaurierung des Kirchturms dort in jedem Jahr brütete, hat die Neu-Rütinger akzeptiert. Er brütet jetzt im Dach der Großfamilie, Jahr für Jahr.

Festwochen im Kirchspiel

Die Idee für die Festwoche im Kirchspiel Diedrichshagen kam dem damals im Ort noch ziemlich „neuen“ Diedrichshäger Pastor Jochen Meyer-Bothling anlässlich des 1000. Geburtstags von Mecklenburg.

„Am 17. September 1994 traf ich mich mit dem damaligen Bürgermeister von Grevesmühlen, Jürgen Ditz, den Bürgermeistern der Gemeinden Sievershagen/Hanshagen, Upahl und Rüting, Eckhard Schneider und Holger Hinze, dem Kirchenältesten Hans Groth, sowie dem damaligen Vorsitzenden der Agrargenossenschaft Rüting, Hans Oldenburg, um diese Idee zu besprechen.“ Der Vorschlag Meyer-Bothlings stieß auf offene Ohren – und so wird seit 1994 jedes Jahr, immer vom letzten Augustwochenende bis zum ersten Septemberwochenende die Festwoche gefeiert mit unterschiedlichen Angeboten, mit Gottesdiensten, Festumzug, Erntefest mit Tanz, Konzerten und plattdeutschem Theater.

Das Startkapital für die erste Diedrichshäger Festwoche war – gemessen an heutigen Zeiten – üppig: 10 000 Deutsche Mark. Doch unabhängig davon, wie viel Geld die beteiligten Gemeinden seitdem für die Diedrichshäger Festwoche zur Verfügung stellen können, und wie viel an Einnahmen auf der Festwoche erzielt werden – Jahr für Jahr feiern die Diedrichshäger mit ihren Nachbarn und vielen Gästen aus der Region.

„Dass das jedes Mal so gut klappt“, sagt Hans Oldenburg – alteingesessener Diedrichshäger und einer der „legendären Sechs“, die die Idee des Pastors mit aus der Taufe gehoben haben –, „hat vor allen Dingen damit zu tun, dass viele Menschen bei der Vorbereitung und Durchführung der Festwoche helfen.“ Da werden Wagen für den Festumzug geschmückt, die Erntekrone angefertigt – es wird gebacken, gegrillt, ausgeschenkt auf der Diedrichshäger Festwiese – egal wie das Wetter auch ist.

In diesem Jahr haben die jüngeren Mitglieder des Vereins zur Traditionspflege im Kirchspiel Diedrichshagen der Tanzveranstaltung mit der Anheuerung eines DJs vom Radio Ostseewelle neue Impulse verschafft.

Dass es nicht immer einfach ist, alle Vorlieben und Ansprüche von Jung und Alt in einer Festwoche unterzubringen, weiß Meyer-Bothling. „Es gibt natürlich immer irgendjemanden, dem irgendetwas nicht gefällt.“, sagt er. Doch im Großen und Ganzen findet der Pastor im Ruhestand, ist die Festwoche immer wieder eine gelungene Veranstaltung. am

Daten und Fakten

Diedrichshagen ist ein Ortsteil von Rüting. Zurzeit leben hier

109 Einwohner.

Wie in der Dorfchronik von

Gerhard Hinze, die 1979 fertiggestellt wurde, zu lesen ist, wurde Diedrichshagen früher Thiderikeshagen oder auch Dhiderekeshagen genannt. Laut alter Urkunden gilt als wahrscheinlich, dass das Dorf von dem deutschen Kolonisten Theodericus gegründet wurde, der sich um 1230 auf der alten Grevesmühlener Feldflur angesiedelt hat. Die erste urkundliche Erwähnung als Dorf erfolgte allerdings erst am 7. März 1260 – zu

jener Zeit bereits ein Kirchendorf.

Wer sich Diedrichshagen nähert, sieht schon von weitem die Kirchturmspitze. Die erste Kirche im Dorf soll ein Holzbau gewesen sein, der um 1450 vermutlich durch einen Steinbau ersetzt

wurde. Die große Glocke wurde im Jahr 1451 gegossen. Sie wurde im Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 verschossen. Die zweite Glocke fiel dann dem Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 zum Opfer.

Die kleinste Glocke blieb.

Annett Meinke

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