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Hanseatische Schwestern werden Partner

Wismar Hanseatische Schwestern werden Partner

Wismar und Lübeck unterzeichnen am 28. Oktober 1987 bei einer Sondersitzung gemeinsamen Vertrag

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Mit den Unterschriften des Lübecker und des Wismarer Bürgermeisters, Robert Knüppel (l.) und Günter Lunow, wird die Partnerschaft der Schwesterstädte am 28. Oktober 1987 besiegelt. Fotos (2): Hanjo Volster

Wismar. Am 28. Oktober 1987 wurde in Wismar die Städtepartnerschaft der hanseatischen Schwesterstädte Lübeck und Wismar im Bürgerschaftssaal des Rathauses besiegelt. Bereits am Vortag war eine Delegation aus Lübeck unter Leitung von Bürgermeister Dr. Robert Knüppel (CDU) angereist. Mit ihm kamen die Senatoren Egon Hilpert (SPD), Heinz Lund, Gerd Rischau und Johannes Wendelborn (alle CDU) nach Wismar. Sie absolvierten ein umfangreiches Besichtigungsprogramm.

 

OZ-Bild

Der volle Bürgerschaftssaal im Wismarer Rathaus bei der Festsitzung zur Städtepartnerschaft mit Lübeck.

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Begonnen hatten die Städtepartnerschaften Ende 1985, als Oskar Lafontaine (damals SPD und Ministerpräsident des Saarlandes) bei Erich Honnecker zu Besuch war und eine Partnerschaft zwischen Eisenhüttenstadt und Saarlouis angebahnt hatte. Sie wurde am 25. April 1986 besiegelt.

Dies weckte große Hoffnungen in der DDR, setzten doch viele darauf, dass es dadurch zu wechselseitigen Begegnungen kommen könnte und Besuche unproblematischer werden würden. Eine weitere Partnerschaft war Wuppertal und Schwerin. Am 18. August 1987 wurde im Rostocker Rathaus die Rahmenvereinbarung über die Städtepartnerschaft mit Bremen unterzeichnet. Doch so schnell wollten die alten Funktionäre die Zusammenarbeit nicht, und auch die Staatssicherheit warnte vor einer Aushöhlung der DDR.

Im März 1989 existierten 38 deutsch-deutsche Städtepartnerschaften, 19 weitere hatten das ZK der SED und der Ministerrat der DDR bereits genehmigt. Von westdeutschen Städten und Gemeinden lagen rund 800 Anträge für die Aufnahme einer Partnerschaft mit einer ostdeutschen Ortschaft vor. Bis 1989 wurden 62 Städtepartnerschaften gegründet. Honecker selbst genehmigte diese oder lehnte sie ab, wie bei Landkreisen und der Hauptstadt Berlin. Denn die DDR versuchte, Städtepartnerschaften zentral zu organisieren und politisch zu benutzen. Bis zum Schluss ließ

die SED nur ausgewählte „Reisekader“ zu städtepartnerschaftlichen Westreisen zu und machte kaum Werbung für gemeinsame Veranstaltungen.

Für die Verhandlungsführer aus Ost wie West waren es schwierige Verhandlungen. Auch in Wismar, doch lief es dort etwas anders ab, denn der Vorschlag, mit Lübeck eine Partnerschaft einzugehen, ging von Wismar aus. Natürlich auf Weisung von „oben“, denn das ging nun wirklich nicht, dass sich eine DDR-Stadt aussuchen konnte, mit welcher Stadt in der Bundesrepublik sie zusammenarbeiten wollte. Die Lübecker wollten zunächst eine Partnerschaft mit Rostock eingehen, doch die DDR-Führung legte ein Veto ein.

Die Partnerschaft zwischen den Hansestädten Lübeck und Wismar begann mit einem Antrag Wismars an Lübeck. Dazu fuhr am 6. September 1987 eine Wismarer Delegation nach Lübeck. Sie wurde vom stellvertretenden Oberbürgermeister Wolfram Flemming geleitet. Vier Abgeordnete von SED, CDU, NDPD und FDGB begleiteten ihn. Ein Kuriosum: Ihnen fehlte ein Stadtplan von Lübeck. Er wurde der Delegation von Bürgern, die als Rentner nach Lübeck reisten, zur Verfügung gestellt. Bis zum 8. September blieben die Wismarer in Lübeck und hatten nach einigen hartnäckigen Verhandlungen beiderseits die Vertragsbedingungen abgesteckt. Am 12. September bestätigten die Wismarer Stadtverordneten das Verhandlungsergebnis. Bei einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung am 28. Oktober 1987 unterzeichneten Wismars Oberbürgermeister Günter Lunow und Lübecks Bürgermeister Robert Knüppel die Ratifizierungsurkunden.

Nun waren die Erwartungen der Wismarer groß. Das wird deutlich aus von der Stasi abgefangenen Briefen, wie dem Schreiben des Deutschen Alpenvereins Sektion Lübeck, der Kontakte zu Jugendlichen in Wismar aufnehmen wollte. Der Passat-Chor aus Lübeck bat in einem Brief um eine Auftrittsmöglichkeit in Wismar. Der Lübecker Rassegeflügelzüchter-Verein wollte eine Partnerschaft mit der Rassetaubenzuchtsparte „Seeblick“ in Wismar und die Anonymen Alkoholiker aus Lübeck wollten Kontaktpersonen in Wismar kennenlernen.

Viele der deutsch-deutschen Städtepartnerschaften haben heute ihren ursprünglichen Sinn verloren. Sie sollten helfen, die innerdeutsche Grenze zu überwinden, und für Begegnungen sorgen. Die Grenze ist weg und vielerorts sind internationale Beziehungen wichtiger geworden. Doch in Wismar wird die Städtepartnerschaft mit Lübeck auch aufgrund gemeinsamer nahezu 800-jähriger Geschichte sehr wohl gepflegt. Weitere Partnerschaften gibt es mit Kemi (Finnland) seit 1959, Aalborg (Dänemark) seit 1961, Calais (Frankreich) seit 1966 und Kalmar (Schweden) seit 2002.

Was sonst noch geschah

28. Oktober 1998 Fertigstellung der Kompaktwerft mit Dockhalle (600 Millionen D-Mark Investitionen), Grundsteinlegung 15. November 1994. DieHalle ist 72 Meter hoch, 155 Meter breit und mehr als 395 Meter lang.

30. Oktober 1902 Ein hölzerner Schwedenkopf wurde durch den finnischen Segler „Alfa“ zerstört. Die Schwedenköpfe wurden im April durch zwei gusseiserne Köpfe aus der Eisengießerei Crull ersetzt. Zwei Schwedenköpfe wurden 1803 in der Hafeneinfahrt aufgestellt.

31. Oktober 1375 Kaiser Karl IV. besucht Wismar aus Lübeck kommend.

31. Oktober 1427 Enthauptung des Ratsherrn Hinrik van Haaren auf dem Markt.

31. Oktober 1989 Das Neue Forum ruft zu einem Treff zum Reformationsgottesdienst in St. Nikolai auf. Thomas Beyer vom Neuen Forum hält die Ansprache.

2. November 1889 Gründung der Zuckerfabrik Wismar als Aktiengesellschaft. 1890 wird der Betrieb aufgenommen.

2. November 1991 Erster Tag der offenen Tür in der sowjetischen Garnison nach 46 Jahren.

Detlef Schmidt

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