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Wismar Historische Zeugen der Stadt
Mecklenburg Wismar Historische Zeugen der Stadt
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05:30 05.03.2018
Blick in die ABC-Straße. Sie wurde 2013 mithilfe von EU-Mitteln saniert. Quelle: Haike Werfel
Wismar

Straßennamen sollte man unter Denkmalschutz stellen“, schrieb der Berliner Schriftsteller und Feuilletonist Heinz Knobloch über seine Stadt Berlin vor etwa 30 Jahren. Die durch politische und wirtschaftliche Einflüsse umbenannten Straßennamen seit dem 19. Jahrhundert bedeuten teilweise einen großen Verlust an Ursprünglichkeit und Identität, die den einmal gegebenen Namen für eine Straße hat. Knobloch erkannte den Wert der Namen, die so viel über den Ort berichten können und historische Zeugen einer Stadt sind. Straßennamen sind Träger der Geschichte und so mancher ist sich gar nicht bewusst, wie oft er an einem Tag einen Straßennamen ausspricht.

Meist mehr als Orientierungshilfe

Die Hansestadt Wismar besitzt einen reichen Fundus solcher Namen, von denen die meisten seit über 700 Jahren unangetastet blieben. Straßennamen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur und meist mehr als nur Orientierungshilfe in einem Ort.Wismars Straßennamen bekamen oft eine andere Schreibweise, die sich meistens nicht von ihrem Ursprung entfernte. Der Stadtschreiber schrieb den Straßennamen erst fest ein, nachdem sich der Name einige Jahrzehnte gehalten hatte. Wer die Geschichte der Wismarer Straßennamen liest, beginnt zu begreifen, warum die eine oder andere Straße genau so und nicht anders heißen muss. Sie erzählen uns ihre Jahrhunderte alte Geschichte, man muss nur genau hinhören.Bis etwa 1870 erstreckte sich die Hansestadt auf den heute bekannten Stadtkern. Erst danach kamen nach dem Abriss der Stadtmauer die sogenannten Vorstädte wie in Richtung Poel oder Rostock hinzu.

Seit 1803 Straßenschilder

1803 wurden die Straßennamen auf Veranlassung des mecklenburgischen Herzogs Friedrich Franz I. auf Straßenschildern angebracht, sodass der Fremde sich orientieren konnte. Ganz durchgesetzt mag sich diese Order wohl nicht haben, denn das Freimütige Abendblatt berichtet am 25. April 1839, „dass man jüngst allen Straßen die Namen angeheftet habe, welche sie von Rechts und Alters her geführt haben.“

Erste Straßenumbenennung

1875 erfolgte eine erste Umbenennung einer Straße. Die Faule Grube erhielt den Namen „Wilhelmstraße“. Dem Kaiser musste demnach ein Straßenname in der Stadt gewidmet werden. Damit begann die unselige geschichtsverfremdete Straßenumbenennung nach politischen Größen, die in der Zeit des Nazi-Regimes ihren Höhepunkt fand und nach dem Ende des Krieges 1945 weitergeführt wurde. Nach der politischen Wende von 1989 erhielten jedoch die Bau- und die Dankwartstraße ihre althergebrachten Namen zurück wie auch die Bürgermeister-Haupt-Straße.In loser Folge sollen ab sofort Wismars altstädtische Straßennamen in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt und erläutert werden. Vor über 30 Jahren erschien Ähnliches in der Ostsee-Zeitung, doch seitdem haben sich die historischen Kenntnisse erweitert und ideologische Anforderungen spielen keine Rolle mehr.

In der Altstadt fast 100 Straßen

Nahezu 100 Straßen bilden den Altstadtkern und die Stadterweiterung seit 1870. Sie sollen mit Text und im Bild vorgestellt werden. Es gibt auch Straßennamen, deren Herkunft trotz akribischer Nachforschung nicht zu erklären sind. Die überlasse ich der Fantasie der Leser.Die Geschichte seines Heimatortes und der Straßennamen erhöht die Identifizierung des einzelnen Bewohners. Dies ist umso erfreulicher, als dass sich damit nicht nur Ältere beschäftigen, sondern die jüngere Generation mit einbezogen wird. Sie muss letztendlich unsere Geschichte weitertragen und auch gestalten.

Die ABC-Straße

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Straße um 1279 als „Straße hinter den Minderbrüdern“ oder „achter den grauen Monken“ nach dem dahinterliegenden Grauen Kloster der Franziskaner. Deren Wirken in Wismar ist erstmals am 5. Januar 1255 erwähnt. Um 1475 hieß dieser Straßenzug auch „im Stuhr“. Nach der Säkularisierung des Grauen Klosters während der Reformation wurde hier ab 29. September 1541 die Große Stadtschule errichtet und das Kloster zwischen 1544 und 1554 umgebaut. Bis dahin nutzten die Schüler die Räume der Marienschule, ab 1569 die sogenannte Alte Schule. Seit 1948 wurde die Schule Geschwister-Scholl-Oberschule genannt, ab 1991 Große Stadtschule - Geschwister-Scholl-Gymnasium.

Nach Wohnbuden benannt

Auf einem Teil der Klostergrundstücke erbaute man zwischen 1574 und 1580 zwölf kleine einstöckige „Wohnbuden“. Man unterschied in Wismar zwischen Giebelhäusern, Wohnbuden und Wohnkellern. Die Einnahmen aus der Vermietung wurden unter anderem zur Unterhaltung der Großen Stadtschule verwendet. Zur äußeren Kenntlichmachung der Buden malte man mit schwarzer Farbe große Buchstaben in der Reihenfolge von A bis M an die Wohnbuden. Etwas überspitzt gesagt, war dies sozialer Wohnungsbau im mittelalterlichen Wismar zu Nutzen der Stadt. Die ABC-Straße bekam nach diesen Hausbezeichnungen ihren heutigen Namen. In der ABC-Straße 19 befand sich seit dem 5. Oktober 1898 mit der „Hansa“ in einem spätmittelalterlichen Giebelhaus das erste Gewerkschaftshaus Wismars. Es brannte am 28. September 1901 völlig nieder. Das heutige Haus wurde am 5. Oktober 1902 eingeweiht.

Detlef Schmidt

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