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Wismar Hochbrücke: Nur noch eine Variante
Mecklenburg Wismar Hochbrücke: Nur noch eine Variante
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08:00 15.09.2018
Die Hochbrücke in Wismar wird abgerissen. Wann, steht noch nicht fest. Ein Neubau wird geplant. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

Auf Nachfrage der OZ beim zuständigen Schweriner Verkehrsministerium heißt es, dass die stadtnahe Trasse nicht mehr das Ziel ist. Diese Lösung hatte das Land angestrebt. Nach einer Neubewertung werde nun ein Neubau südlich der bestehenden Hochbrücke verfolgt. Für diese Variante gab es auch einen Mehrheitsbeschluss der Bürgerschaft.

Warum Sinnenwandel?

Zum Sinneswandel sagt Ministeriumssprecherin Renate Gundlach, dass die Stadt im Rahmen der Variantenuntersuchung weitere Aspekte benannt hat. Diese wurde von der Straßenbauverwaltung des Landes berücksichtigt.

Gundlach: „Dazu zählt zum Beispiel die Ausbildungsstätte für angehende Kita-Erzieher mit angeschlossener Kita, die an der Rostocker Straße entstehen soll. Auch Pläne der Deutschen Bahn AG zu einer künftigen Querungsmöglichkeit der Gleise für Fußgänger waren der Straßenbauverwaltung nicht bekannt und musste in die Bewertung eingearbeitet werden.“

Die Trassen seien neu bewertet worden, die Wertungsergebnisse haben sich verschoben. „So verschlechtert sich bei der Variante 5.1 die verkehrliche Leistungsfähigkeit und die Kosten erhöhen sich, weshalb sie nicht mehr als Vorzugslösung betrachtet wird“, so die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Keine Chance für Tunnel

Vom Tisch dürfte endgültig eine Tunnellösung sein. Dafür hatten sich 566 Unterzeichner der Petition „Tunnel statt Hochbrücke“ eingesetzt (die OZ berichtete). Vertreter der Bürgerinitiative, des Bauministeriums, des Landes-Straßenbauamtes, der Hansestadt und Planer haben sich im September an einen Tisch gesetzt. „Bei diesem Treffen wurden besonders über die Tunnel- bzw. Unterführungsvarianten gesprochen und das Pro und Contra dazu ausgetauscht. Eine Unterführung würde circa zehn Millionen Euro mehr als eine Brücke mit aufgeschütteten Dämmen kosten. Fazit: zu teuer!“, so Daniel Dreßler von der Bürgerinitiantive.

Der Wismarer ist aber nicht völlig unzufrieden. Erstens hätten alle Parteien miteinander geredet, zweitens habe man wenigstens den Versuch unternommen, drittens wüssten die Planer jetzt besser um die Belange der Anwohner. Dreßler: „Wir werden uns weiterhin mit den Planungen auseinandersetzen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Berücksichtigung adäquater Lärmschutzmaßnahmen gelegt werden.“

Das Verkehrsministerium erklärt, dass im Zuge der Variantendiskussion auch mehrere Tunnel- und Trogvarianten untersucht wurden. „Diese sind allesamt deutlich teurer als die favorisierte Brückenlösung, sodass diese nicht weiter betrachtet werden können“, so Sprecherin Renate Gundlach.

Die nächsten Schritte

Das Land wolle nun die Linienplanung für die Brücke zum Abschluss bringen. Im Anschluss müsse die Entwurfs- und Genehmigungsplanung ausgeschrieben werden. Dazu ist ein EU-weites Vergabeverfahren durchzuführen, das mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Gundlach: „Ein Baubeginn kann auf Basis des derzeitigen Planungsstandes nicht seriös prognostiziert werden.“

Die Zeit läuft

Im Jahr 2012 wurde die erste Grobplanung für eine neue Hochbrücke vorgestellt. Auslöser waren statische Mängel an der Spannbetonkonstruktion. Von Handlungsdruck und einem rechnerischen Ablaufdatum bis 2022 ist die Rede. Insgesamt wurden zwölf Varianten untersucht. Drei Vorzugsvarianten blieben übrig. Der jetzige Verlauf scheidet aus, weil eine Vollsperrung von bis zu drei Jahren drohen würde. Die Vorzugsvariante des Landes ist vom Tisch. Bleibt der von Wismar bevorzugte Trassenverlauf südlich der vorhandenen Brücke. Kosten: rund 21,7 Millionen Euro.

Kritik bleibt

Ungeachtet der jetzt feststehenden Vorzugsvariante fordert die Interessengemeinschaft Bauernhaus Hoben-Wismar, die sich für Landschaftsschutz und Baukultur engagiert: „Jetzt muss politischer Wille für eine verträglichere Lösung gefördert und gezeigt werden.“ Sprecher Dr. Sönke Reimann sagt: „Was wären zehn Millionen Mehrkosten in Relation zu dem Schaden, den Wismar als Weltkulturerbe nehmen wird und den vielen Millionen, die von privater und öffentlicher Hand bereits in die Altstadt investiert wurden. Zur Relation, allein die Sanierung des Schabbellhauses kostete mehr Geld.“

Am 10. Oktober findet um 18 Uhr im Wassertor eine Veranstaltung zum Thema Stadtplanung statt. Dr. Werner Reh vom Bund Umwelt und Naturschutz referiert über moderne Verkehrskonzepte.

Brücke 48 Jahre alt

Am 7. August 1970 wurde das 400 Meter lange Bauwerk als damals längste Spannbetonbrücke der DDR eingeweiht. Die gesamte Baulänge war über einen Kilometer. Die Brücke kostete 15,3 Millionen DDR-Mark.

Von der Kreuzung Philosophenweg bis zur Kreuzung Dr.-Leber- Straße misst sie 600 Meter.

Im September 2011 wurde die Brücke für den Schwerlastverkehr über zwölf Tonnen – bis auf Busse, Rettungs- und Müllautos – gesperrt. Das klappt nicht immer.

Laut Verkehrskonzept zur Entwicklung des maritimen Wirtschaftsstandorts Wismar rollten 2016 täglich 19100 Autos über die Hochbrücke. Hinzu kommen 620 Schwerlaster. Die Prognose für das Jahr 2030 geht von einem steigenden Verkehr aus. Bei einer neuen Hochbrücke werden 20700 Autos und 1260 Schwerlaster prognostiziert.

Hoffmann Heiko

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