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Wismar Hochbrücke: Streit um Varianten
Mecklenburg Wismar Hochbrücke: Streit um Varianten
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00:05 12.02.2018
Die Variante 4 wird von der Hansestadt klar bevorzugt. Danach würde die neue Hochbrücke südlich der vorhandenen verlaufen.

Der Neubau der Wismarer Hochbrücke wird ein hartes Tauziehen zwischen dem Land und der Hansestadt. Das Land, zuständig für den Neubau der verschlissenen Brücke, favorisiert eine andere Variante als die Stadt. Dabei spielen die Kosten die entscheidende Rolle. Die Differenz beträgt 2,4 Millionen Euro bei Gesamtkosten von rund 20 Millionen Euro. Wismar will sich nicht kampflos geschlagen geben. Am Donnerstag soll in der Bürgerschaft die vom Land bevorzugte Variante abgelehnt und die von der Stadt favorisierte Trasse befürwortet werden. Heute befasst sich der Bauausschuss mit dem Thema (Beginn 17 Uhr, Kopenhagener Straße).

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Die Hansestadt und das Land favorisieren unterschiedliche Lösungen

Drei Vorzugsvarianten

Mit den Planungen wurde 2012 begonnen. Auslöser sind „statische Defizite der vorhandenen Spannbetonkonstruktion“, so das Land. Von Handlungsdruck und einer „rechnerischen Reststandszeit“ bis 2022 ist die Rede. Zwölf Varianten wurden untersucht. Drei Vorzugsvarianten sind geblieben.

Gleiche Trasse

Einen Neubau mit gleicher Trasse wäre dem Land eigentlich am liebsten. Zwei entscheidende Punkte sprechen dagegen: Mit 22,9 Millionen Euro ist es die teuerste Variante und es droht außerdem eine Sperrung von zwei bis drei Jahren.

Das will das Land

Aus Richtung Rostock kommend soll die Trasse durch die alte Rostocker Straße verlaufen bis Höhe Elektro-Dahlke/Zufahrt Parkplatz Kreisverwaltung. Dann macht die Straße eine 90-Grad-Kurve, führt am Ufer des Mühlenteiches entlang (Abriss von Gebäuden) ehe ein Brückenbauwerk über die Bahngleise führt. Kosten: 19,3 Millionen Euro.

Das will die Stadt

Wismar will eine Brücke südlich der vorhandenen Hochbrücke, die über den Mühlenteich führt und damit deutlich weiter weg wäre von der Wohnbebauung. Das alte Wismaria-Gebäude müsste abgerissen werden.

Kosten: 21,7 Millionen Euro. Allerdings wendet die Stadt ein, dass die Varianten nur schwer zu vergleichen sind. Denn der Favorit des Landes geht nur von einem einseitigen Geh- und Radweg aus, damit sind der Querschnitt der Trasse und die Kosten geringer.

Der Sieger soll verlieren

Das Land hat die Ergebnisse der Variantenuntersuchung zu drei Hauptgruppen zusammengefasst: Verkehr/Straßenplanung, Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit. Danach schneidet die bevorzugte Stadtvariante (fünf Punkte) besser ab als die des Landes (sechs Punkte). Bei der Umwelt gibt es einen Gleichstand, beim Verkehr schneidet die Wismar-Variante gleich doppelt so gut ab. In der Stellungnahme des Landes heißt es zur Landes-Variante: Sie sei aus „verkehrlichen und straßenbaulichen Gründen am ungünstigsten zu bewerten“. Durch den zusätzlichen Knotenpunkt in Höhe Parkplatz Kreisverwaltung „entstehen für den durchgehenden Verkehr Zeitverluste, die zu einer Minderung der Verkehrsqualität für den Kfz-Verkehr führen.“

Aber: Das Kriterium der Wirtschaftlichkeit ist „höher zu bewerten als das Kriterium Verkehr. Danach ist die Variante 5.1 (Landes-Variante/Anm. der Red.) die Vorzugslösung“, so die Sicht des Landes.

Indirekte Erpressung?

Doch das Land stellt in Aussicht, dass die Stadt die Straße nach dem Neubau übernehmen könnte. Langfristig würde dadurch das Land bei Erhaltungskosten sparen. Wenn das der Fall ist, käme die Wismar-Variante „als Vorzugslösung in Betracht“, schreibt das Land.

Den Bau der Vorzugsvariante mit der Herabstufung von Landes- auf Gemeindestraße zu verbinden, hat Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) bereits als „unmoralisches Angebot“ abgetan.

Der Ausgang ist offen

Am Donnerstag tagt die Bürgerschaft. Die Verwaltung will sich von der Wismarer Politik die Unterstützung für die städtische Vorzugsvariante plus der entsprechenden Stellungnahme holen. Die Unterlagen des Landes liegen allen vor. Die Fraktion FDP/Grüne fordert, dass sich die Bürgerschaft vor einer Entscheidung in einer Veranstaltung über die verschiedenen Varianten mit Vor- und Nachteilen bei den Vertretern von Stadtverwaltung und des Ministeriums informiert.

Die Sprecherin des Bauministeriums, Renate Gundlach, sagt auf OZ-Nachfrage zum weiteren Verfahren: „Ersatzbau und spätere Unterhaltung des Streckenabschnitts werden im Kontext betrachtet.“ Ein Kompromiss sei möglich, wenn das Vorhaben wirtschaftlich darstellbar sei. Das müssten die weiteren Gespräche zeigen.

Entschädigung für Eigentümer

Bei der bevorzugten Variante des Landes sind drei Gebäudeabbrüche eingezeichnet. Bei der Variante, die die Stadt möchte, müsste das „Wismaria“-Gebäude abgerissen werden.

Die OZ hat beim Bauministerium angefragt, ob mit den Eigentümern gesprochen wurde, ob sie einverstanden wären und ob die Eigentümer entschädigt werden?

In der Antwort teilt das Ministerium mit: „Aktuell befindet sich die Planung zu der Hochbrücke Wismar in der Projektphase Vorplanung bzw. Variantenuntersuchung. Da in dieser frühen Projektphase noch keine abschließende Vorzugsvariante feststeht, können noch keine Eigentümergespräche durchgeführt werden. Damit Rechtssicherheit besteht, muss nach Erstellung der Entwurfsplanung zwingend ein Baurechtsverfahren durchgeführt werden. Während dieses Planfeststellungsverfahrens beginnen die formellen Grunderwerbsverhandlungen mit den betroffenen Eigentümern, Pächtern usw. Erste Gespräche werden aber bereits bei Erstellung der Entwurfsplanung geführt.“

Zur Entschädigung sagt das Ministerium: „Auf Basis von Wertermittlungsverfahren werden den Eigentümern entsprechende Angebote gemacht. Das Verfahren führt das Innenministerium.“

Heiko Hoffmann

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