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Wismar Sturmflut überschwemmt Teile der Wismarer Altstadt
Mecklenburg Wismar Sturmflut überschwemmt Teile der Wismarer Altstadt
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18:46 02.01.2019
Land unter in Wismar: Das Hochwasser hat Teile der Altstadt überflutet. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

Keller voller Wasser, Autos und Straßen unter Wasser: Die Sturmflut hat in Wismar erhebliche Schäden angerichtet. Betroffen waren am Mittwoch vor allem die Bereiche um den Alten Hafen/Altstadt sowie die Rabenstraße. Hilfskräfte waren pausenlos im Einsatz. Eigentümer versuchten, ihre Häuser zu schützen. Häufig vergeblich.

Das Büro von Michael Scholz steht unter Wasser. Quelle: Heiko Hoffmann

Michael Scholz konnte noch um 9.45 Uhr das Büro „Habitat Hausverwaltung“ an der Ecke Fischerreihe/Claus-Jesup-Straße (neben „Gänseblümchen“) betreten. Zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen versuchte er zu retten, was zu retten ist. „Wir haben Technik auf die Schreibtische gestellt“, so Scholz. Als er eine Dreiviertelstunde später das Eckhaus verlässt, schreitet er mit hochgekrempelter Jeans und Schuhen in der Hand durch das kalte Wasser.

Feuerwehr-Chef Ronny Bieschke und Bürgermeister Thomas Beyer diskutieren die Lage. Quelle: Heiko Hoffmann

„Das Hochwasser ist höher als angekündigt“, sagt Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Von Ronny Bieschke, dem Leiter der Wismarer Berufsfeuerwehr, lässt er sich ins Bild setzen. Die Prognosen, sagt der Feuerwehrchef, seien am Dienstag von 1,20 bis 1,50 Meter über Normal ausgegangen. Dennoch: Alle Anwohner seien über die Rettungskette am Dienstag informiert worden.

Bürgermeister Thomas Beyer macht sich ein Bild vom Hochwasser am Alten Hafen in Wismar. Quelle: Heiko Hoffmann

Mittwoch: Minütlich steigt in der Frühe das Wasser. Um 10.14 Uhr sind es schon 6,84 Meter. Ein Mercedes-Fahrer kann sein Auto noch retten. Es stand auf dem kleinen Parkplatz neben der Frischen Grube. Mehrere Autos lässt die Stadt von umliegenden Parkplätzen sicherheitshalber abschleppen. Einige sind zu retten, andere nicht. Um 10.45 Uhr zeigt der Pegel 6,77 Meter, also 1,77 Meter über Normal. Sinkt das Wasser? Nein, die Hoffnung ist nur von kurzer Dauer. Die Situation bleibt angespannt. Um 17.16 Uhr zeigt der Pegel am Baumhaus im Alten Hafen 6,89 Meter. Schon wieder ein neuer Tageshöchststand. Zu diesem Zeitpunkt fährt die Feuerwehr auch einen Flutlichtscheinwerfer an einem ihrer Fahrzeuge aus – denn es ist bereits dunkel und das Wasser steigt noch immer leicht. Auch ein Schlauchboot steht inzwischen bereit.

Gegen 17.16 Uhr stieg das Wasser auf einen neuen Tageshöchststand von 6,89 Meter. Quelle: Michaela Krohn

78 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Feuerwehren Altstadt und Friedenshof sind im Einsatz. Sandsäcke werden nachgefüllt und am Ziegenmarkt und in der Rabenstraße verteilt. Auch dort stehen Keller unter Wasser. Bei der Feuerwehr steht das Telefon nicht still. Leute sollen eingeschlossen sein, eine Tierarztpraxis im Hafenbereich bittet um Hilfe.

Michael Scholz geht am späten Nachmittag wieder in Richtung seines Büros: „Ich rechne damit, dass wir 10 bis 15 Zentimeter Wasser im Haus haben. Der Schaden wird enorm sein. In den nächsten Tagen gibt es viel zu tun. Aber wir sind versichert.“

Im Laufes des Vormittags wurden am Mittwoch immer mehr Straßen und Kreuzungen gesperrt. Der Landkreis löste die Alarmstufe 3 aus. In der Altstadt war eine Sirene zu hören, über Lautsprecher wurde über die Situation informiert.

Der große Parkplatz Schiffbauerdamm/Am Hafen ist teilweise überflutet, genauso wie die Zufahrt zur Fischereigenossenschaft und Fischereiaufsicht. Auch der Westhafen wurde gesperrt.

Hafenbereich ist überflutet

Die Stadtbibliothek in der Ulmenstraße wurde vorsichtshalber geschlossen.

Auch auf der Insel Poel hatten Anwohner und die Freiwillige Feuerwehr mit dem Hochwasser zu kämpfen. Stephan Suchau von der Poeler Wehr beruhigt jedoch: „Bislang gab es keine gravierenden Schäden. Wir haben lediglich einen normal erhöhten Wasserstand.“ Zusammen mit der Gemeindeverwaltung haben die ehrenamtlichen Retter Sanitäranlagen und Gaststätten mit Sandsäcken geschützt. „Die Lage ist überschaubar. Wir haben aber stündliche Kontrollfahrten durchgeführt“, berichtet Suchau. Zwar seien einige Straßen überspült gewesen und teilweise unbefahrbar – unter anderem die von Fährdorf Dorf nach Fährdorf Ausbau. Menschen seien aber nicht verletzt worden. Das gilt auch für Wismar.

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