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„Höhere Töchter“ am Lyzeum unterrichtet

Wismar „Höhere Töchter“ am Lyzeum unterrichtet

Eine neue Bildungseinrichtung wurde am 8. Oktober 1907 in Wismar eröffnet

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Das Lyzeum am Turnplatz in Wismar um 1925. 2006 wurde das Gebäude Domizil der Musikschule.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 8. Oktober 1907 wurde am Turnplatz mit der „Höheren Töchterschule“, dem Lyzeum, eine Bildungseinrichtung eröffnet, die letztendlich das Bildungsangebot der 20000 Einwohner zählenden Stadt abrundete. Es war der letzte von insgesamt sieben Schulneubauten, die seit 1855 in der Hansestadt entstanden. Eine beachtliche Leistung für Wismar, die man aber auch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung sehen muss. Schon 1684 gab es im Herzogtum Mecklenburg eine Schulpflicht, die 1756 sogar per Gesetz geregelt war. Doch sie setzte sich einfach nicht durch.

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Erst das Schulzwangsgesetz vom 1. März 1855 brachte den Durchbruch . Nun mussten alle Wismarer Kinder eine Schule besuchen. Zwar gab es vereinzelte Privatschulen, aber der Besuch war mit hohen Kosten verbunden.

Erster Schulneubau, war die Michaelis 1856 eingeweihte Mädchenvolksschule auf dem Heilig-Geist-Hof in der Neustadt, der nachmalige Gründungsort der Ingenieurschule. Weiter folgten die städtischen Schulen, die noch heute genutzt werden und als letzter Neubau eben das Lyzeum.

Schon 1833 hatte Alexander Frege (1809-1866) am 1. August beim Wismarer Rat um die Erlaubnis zum Betreiben einer Privatschule nachgefragt, was ihm am 28. August auch gewährt wurde. Diese Schule hatte einen derartigen Zulauf, dass sie ab 1840 erweitert werden musste. Alexander Frege kaufte 1846 das Haus Böttcherstraße 2, um dort mit seiner Frau Auguste (1814-1878), die ebenfalls Lehrerin war, die „Höhere Töchterschule“ oder auch „Fregesche Schule“ genannt, den Vorläufer des Lyzeums, einzurichten.

Am 8. November 1848 wurde in jenem Haus Gottlob Frege als einziges Kind von Auguste und Alexander Frege geboren.

Es gab mehrere derartige private Schuleinrichtungen, die vom Rat genehmigt und beaufsichtigt wurden. Mit dem gewachsenen Selbstbewusstsein des Bürgertums stieg auch der Bedarf nach Bildung für Mädchen aus dieser Gesellschaft. Für Jungen gab es ab 1850 die Bürgerschule im Schwarzen Kloster. Die Grotefendsche Töchterschule wurde 1816 gegründet und es gab die Meyersche Töchterschule in der Johannisstraße. Nahezu alle wurden von Frauen geleitet. Zwar war die Große Stadtschule von 1541 eine exzellente Bildungseinrichtung, doch für Mädchen bislang verschossen.

Nach dem Tod von Auguste Frege, die die Privatschule nach dem Tod ihres Mannes weiter geführt hatte, gab es erfolglose Versuche, die Schule weiter zu führen. Am 14. September 1881 verkündet der Wismarer Rat, dass eine „städtische höhere Töchterschule“ entstehen soll. Sie wurde am 17. Oktober 1881 mit einem Festakt im Rathaus eröffnet. 264 Schülerinnen bezogen die Unterrichtsräume in der ehemaligen FregeSchule in der Böttcherstraße. Damit war der Grundstein für das spätere Lyzeum am Turnplatz gelegt.

Bald genügten die Räumlichkeiten in der Böttcherstraße nicht mehr, ein Neubau wurde gefordert. Die Kosten von mehreren hunderttausend Goldmark wurden durch die „geistlichen Hebungen“, die Sparkasse und Anleihen getragen. So wurde 1905 beschlossen, am Turnplatz eine Bildungseinrichtung für Mädchen zu schaffen. Am 29. Januar 1906 war Baubeginn, im gleichen Jahr das Richtfest und zum Michaelistag 1907 konnte das Schulgebäude bezogen werden. Am 8. Oktober 1907 folgte dann die feierliche Einweihung der „Höheren Töchterschule“, die ab 18. August 1910 in „Höhere Mädchenschule“ umbenannt wurde.

Mit diesem Schulbau begann die Bebauung des Turnplatzes, die im Wesentlichen 1910 abgeschlossen war.

Wismar hatte sich schon im 13. Jahrhundert das Patronat über die Schulen von der Kirche erkämpft und übte dieses bis 1924 aus. Am 7. Juli 1910 erkannte der Wismarer Rat die Umgestaltung der höheren Töchterschule nach preußischem Muster an. Übrigens wurde am 2. Oktober 1911 in Preußen die Dauer einer Unterrichtsstunde auf 45 Minuten festgelegt. Sie ist bis heute verbindlich für deutsche Schulen. Abschlüsse wurden von nun an staatlich anerkannt und so galten ab Ostern 1913 auch die Reifeprüfungen in Wismar, die benötigt wurden, um Mädchen ein Studium an der Universität zu ermöglichen. Zwischenzeitlich hatte sich auch die Große Stadtschule für Mädchen geöffnet.

Nach Kriegsende 1945 beschlagnahmte die Rote Armee das Schulgebäude am Turnplatz und zog mit der Stadtkommandantur ein. Am 10. November 1955 konnte der Schulbetrieb dort aber wieder aufgenommen werden. Schüler und Lehrer aus der Reuter-Schule bezogen das Haus. In Erinnerung an den Sitz der sowjetischen Stadtkommandantur erhielt das ehemalige Lyzeum den Namen „Schule der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. Dort gab es auch eine Mittelschule an der die Reifeprüfung abgelegt wurde. 1959 wird aus der DSF-Schule eine polytechnische Oberschule mit zehn Klassen.

In den folgenden Jahren besuchten mehr als 800 Schüler die Schule, in den Klassenräumen wurde es eng. Erst in den 70er Jahren normalisierte sich der Schulbetrieb, auch durch den Neubau weiterer Schulen in Wismar. Ende des Schuljahres 1990/91 erfolgte eine Abstimmung von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern zur Umbenennung in „Schule am Turnplatz“.

Wegen des demografischen Wandels gibt es die „Turnplatzschule“ als Bildungseinrichtung in alter Form nicht mehr. Seit 2006 hat die am 1. Juni 1952 gegründete Wismarer Musikschule dort ein würdiges und gutes Domizil gefunden.

Was sonst noch geschah

9. Oktober 1903 : Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Fortunatus Ludwig Heinrich Friedrich von Oertzen wegen seiner Verdienste bei der Rückgabe Wismars an das Deutsche Reich.

9. Oktober 1945: Die Niederdeutsche Bühne spielt wieder im Theater.

9 . Oktober 1989: Treff von Sympathisanten des Neue Forum in Voßkuhl im Wohnhaus von Fritz Kalf mit 150 Teilnehmern.

10. Oktober 1627: Kapitulation unter Wallensteinscher Belagerung. Wallensteins kaiserliche Armee unter Oberst von Arnim besetzt Wismar.

10. Oktober 1945: Bodenreform im Kreis Wismar, 94 Güter mit 17695 Hektar werden aufgeteilt.

10. Oktober 1945: Seit Kriegsende wurden 500 Wohnungen instandgesetzt.

11. Oktober 1923: Der Maler Hans Mühlemann wird in Wohlau/Schlesien geboren. Er stirbt am 22. Dezember 1992 in seiner Wahlheimat Wismar.

Detlef Schmidt

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