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Holocaust-Überlebende im Gymnasium

Wismar Holocaust-Überlebende im Gymnasium

Der junge Altschüler Julius Brosig hat in Israel Zipora Feiblowitsch (89) kennengelernt und nach Wismar eingeladen

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Julius Brosig (l.) mit der Holocaust-Überlebenden Zipora Feiblowitsch (89, 2. v. r.) und deren Tochter Malka sowie Rudi Pahnke vom Institut Neue Impulse in der Aula der Großen Stadtschule.

Quelle: Heiko Hoffmann

Wismar. Mit seinen 19 Jahren zählt Julius Brosig zu den jüngsten Altschülern des Geschwister-Scholl- Gymnasiums (GSG). Der junge Mann, der in Bonn Politik sowie Soziologie und Jura studiert, hatte in dieser Woche eine Überlebende des Holocaustes an seine frühere Schule eingeladen. 140 Schüler der 10. bis 12. Klassen verfolgten in der Aula der Großen Stadtschule mit großem Interesse, was Zipora Feiblowitsch (89) über die Zeit des Nationalsozialismus mit den vielen Gräueltaten berichtete.

Israel ist Zeitgeschichte, egal wann man hier ist, und das macht alles so spannend.“Julius Brosig (19), Politikstudent und Altschüler der Großen Stadtschule

Der emotionale Höhepunkt war, als eine Schülerin aus der 12. Klasse aufstand, zu Zipora Feiblowitsch ging und unter Tränen in den Augen um eine Umarmung bat. „Die Schülerin hat nur ausgedrückt, was alle anderen im Raum dachten“, so Lehrerin Bianca Buhrke.

Dass es überhaupt zu der Veranstaltung gekommen ist, hat eine interessante Vorgeschichte. Julius Brosig wollte nach zwölf Jahren Schule neue Erfahrungen sammeln. Den Handballer mit großem Interesse an Politik zog es nach Israel. In einem Altenpflegeheim in Tel Aviv absolvierte er ein freiwilliges soziales Jahr und bereiste das Land kreuz und quer. „Israel ist Zeitgeschichte, egal wann man hier ist, und das macht alles so spannend“, so der Wismarer. Zu den spannenden Momenten zählte eine Begegnung mit Zipora Feiblowitsch. Während eines Seminars zum Thema „Holocaust“ hatte er die Frau, die heute in Haifa lebt, kennengelernt. „Sie hat über ihr Schicksal gesprochen. Mich hat ihre Geschichte sehr interessiert und ich habe angefangen, das Buch ,Der Tag war kein Tag, das Leben war kein Leben’ zu lesen“, erzählt der 19-Jährige und sagt weiter: „Beim Lesen kamen mir immer mehr Fragen. Ich bat sie um ein privates Treffen. Das war kein Problem. So habe ich Zipora in ihrer Wohnung in Haifa getroffen und erfahren, dass sie Anfang November nach Deutschland kommt, um vor Schülern zu sprechen.“

Beim künftigen Politikstudenten hatte es „geklingelt“, wie er rückblickend schildert. Er setzte alles daran, dass es zu einer Veranstaltung in seiner Heimatstadt kommt. Mithilfe von Rudi Pahnke (Institut Neue Impulse e. V. für den Jugendaustausch zwischen Deutschland und Israel), den GSG-Lehrern Bianca und Klaus Buhrke und der Landeszentrale für politische Bildung wurde der Besuch in Wismar arrangiert und finanziert.

Am Donnerstag war nun Zipora Feiblowitsch zu Gast an der Großen Stadtschule. Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Malka (68). Zipora Feiblowitsch berichtete von ihrem Schicksal und dem ihrer jüdischen Familie. Von der Kindheit in Siebenbürgen (Rumänien), von der Deportation als Siebzehnjährige, von unzähligen grausamen Erlebnissen im Konzentrationslager Auschwitz, vom Leben im Arbeitslager Salzwedel, von der Befreiung und vom Leben danach mit ihrem Mann in Israel.

Ihre Tochter Malka erzählte vom Leben als Tochter einer Überlebenden. „Ich fand es gut, dass sie daran appellierte, dass wir alle in der Verantwortung stehen und Gräueltaten wie der Holocaust sich nie mehr wiederholen dürfen“, so Julius Brosig, der eine Ergriffenheit unter den aufmerksam zuhörenden Schülern ausgemacht hat und als früherer Schüler weiß, dass solche Veranstaltungen in den Köpfen mehr bewegen als so mancher Frontalunterricht.

Heiko Hoffmann

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