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Wismar Im Bahnwärterhaus der Großeltern
Mecklenburg Wismar Im Bahnwärterhaus der Großeltern
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08:16 12.05.2017
Thomas und Konstanze Melich an der alten Schwengelpumpe vor ihrem Bahnwärterhaus in Petersdorf, Ortsteil von Dorf Mecklenburg. Quelle: Sylvia Kartheuser

Das Bahnwärterhaus in Petersdorf, einem Ortsteil von Dorf Mecklenburg, hat für Konstanze Melich eine besondere Bedeutung. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagt die 66-Jährige. Ihre Großeltern waren bei der Bahn beschäftigt und lebten in dem Haus, das nach dem Tod der Eltern 1960 auch das Zuhause für Konstanze und ihre Schwester wurde. „Ich war zehn, meine Schwester sieben Jahre alt.“Sie erinnert sich an eine Zeit ohne Strom, „abends wurden die Karbidlampen angezündet“, und ohne Wasser, „wir hatten nur die Schwengelpumpe vor dem Haus“. Dennoch hätten sie und ihre Schwester nichts vermisst.

Seit 40 Jahren sanieren Konstanze und Thomas Melich in Petersdorf, südlich von Wismar, das Gebäude von 1899. „Eigentlich gibt es immer etwas zu tun“, sagt Thomas Melich.

Posten 134

„Das Haus muss wohl 1899 erbaut worden sein“, sagt Thomas Melich (65). Diese Jahreszahl steht jedenfalls auf der Revisionszeichnung – der technischen Abschlusszeichnung – für den Bau des Gebäudes. Zu lesen ist dort auch, dass es ein „Streckenwohnhaus für eine Familie“ ist. Darunter steht als Streckenbeschreibung: Schwerin-Kleinen-Wismar-Lübeck. Sie wurde 1848 eröffnet. Die Aufgaben des Streckenwärters vergrößerten sich 1942 schlagartig, als in Petersdorf ein Haltepunkt mit Fahrkartenverkauf eröffnet wurde. „Das war der Zeitpunkt, als meine Großeltern herkamen“, berichtet Konstanze Melich. Vermutlich wurde damals auch das kleine, inzwischen abgerissene Häuschen mit dem Fahrkartenschalter und der Tafel „Posten 134“ erbaut.

Bahn hatte kein Interesse

1974 haben Konstanze und Thomas Melich geheiratet. „Wir sind dann von Wismar hergezogen, weil meine Großmutter noch lebte und Hilfe brauchte“, erinnert sich Konstanze Melich. Außerdem hat das Ehepaar versucht, das Haus zu kaufen. „Die Bahn hatte kein Interesse mehr daran. Aber zu DDR-Zeiten so ein Haus zu kaufen, war schwierig“, erzählt der Gemeindevertreter von Dorf Mecklenburg und Eigentümer einer Straßen- und Tiefbaufirma. Letztlich überließ die Bahn dem Rat der Gemeinde Dorf Mecklenburg das Haus kostenlos. „Nach einigem Hin und Her konnten wir es 1975 tatsächlich kaufen – und im Prinzip sind wir seitdem dabei, es zu sanieren“, sagt Thomas Melich und lacht.

Den Charakter des Hauses erhalten

Vor der Wende hätten sie gemacht, was zu DDR-Zeiten eben hätte gemacht werden können. „Und nach der Wende haben wir gemacht, wofür das Geld reichte“, sagt der Hausherr. Wirklich fertig werde man bei so einem alten Haus nie. „Jetzt muss ich wieder an den Keller und auch die Fenster sind bald dran.“ Bei allen Arbeiten geht es Thomas Melich und seiner Frau vor allem um eines: „Wir versuchen, den Charakter des Hauses zu erhalten.“ Dieses Glück haben nicht alle Streckenwärterhäuser, die zwischen Schwerin und Lübeck zuhauf standen. Ihm sei nur noch eines in ähnlich gutem Zustand bekannt: in Lübstorf. „Andere wurden bis zur Unkenntlichkeit umgebaut oder verfallen, wie das in der Nähe von Zickhusen“, bedauert Thomas Melich.

Schwengelpumpe funktioniert noch

Auf der Suche nach Originalteilen aus der Bauzeit räumt der Hausherr ein, dass es im Gebäude selbst außer den Wänden nichts mehr gibt. „Das Älteste hier im Haus ist der Kachelofen – der wurde um 1960 erbaut“, sagt Melich, dessen Vater Ofensetzer war, „und einer seiner ehemaligen Lehrlinge kommt noch immer und wartet ihn, obwohl er längst in Rente ist.“ Aus der Bauzeit dürfte aber noch die Schwengelpumpe vor dem Haus sein, vermutet Konstanze Melich. „So, wie sie jetzt aussieht, hat mein Großvater sie auch immer gestrichen: grün mit der weißen Spitze und dem weißen Ball am Griff.“ Das Ehepaar greift zu einer Gießkanne und beweist: die alte Schwengelpumpe funktioniert noch.Züge hielten in Petersdorf bis 2012. „Dass die Bahn unseren Haltepunkt stillgelegt hat, verstehen wird nicht. Viele Wanderer haben ihn genutzt“, sagt das Ehepaar in dem historischen Bahnwärterhaus.

Sylvia Kartheuser

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