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Wismar Immer mehr Frauen suchen Hilfe vor häuslicher Gewalt
Mecklenburg Wismar Immer mehr Frauen suchen Hilfe vor häuslicher Gewalt
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00:00 23.04.2016

Zehn bis zwölf Anfragen wegen häuslicher Gewalt gehen monatlich im Frauenschutzhaus ein — von Frauen, die hier Zuflucht suchen oder die sich zunächst Hilfe und Beratung holen wollen. Aber auch Angehörige und Freunde von Betroffenen, die sich Sorgen machen, nehmen die ambulante Beratung in Anspruch. In den letzten fünf Jahren waren es 408 Frauen und Männer.

„Die Zahl derer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, steigt“ sagen Annemarie Rode, pädagogische Leiterin des Wismarer Frauenschutzhauses, und ihre Mitarbeiterin Anja Pamperin.

Seit die Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor fünf Jahren die Trägerschaft über die Einrichtung übernommen hat, ist deren Auslastung im Jahresdurchschnitt um 30 Prozent gestiegen. „2011 lebten 30 Frauen und Kinder hier, 2015 waren es fast 70 Personen“, berichtet Annemarie Rode. Insgesamt fanden 118 Frauen und 101 Kinder in den letzten fünf Jahren Zuflucht und Hilfe im Frauenschutzhaus Wismar.

„Manchmal reichen die zwölf Plätze nicht aus, da könnten wir 20 gebrauchen“, sagt Anja Pamperin. Dann werden die Betroffenen in einem der neun Frauenhäuser im Land untergebracht. Wenn die Frauen stark gefährdet sind, sei es aus Schutzgründen sogar besser, wenn sie ihren Wohnort verlassen, meinen die beiden Expertinnen.

Im Schnitt bleiben die Betroffenen vier Monate im Frauenhaus. So lange dauert es, bis sie sich ein neues Leben aufgebaut, eine Wohnung gefunden und Geldangelegenheiten geregelt haben. Viele müssen ihren Arbeitsplatz aufgeben und erhalten Hilfe durchs Jobcenter. Für ihre Kinder brauchen sie eine Kita oder Schule. Annemarie Rode und Anja Pamperin helfen den Frauen, betreuen und begleiten sie bei Behördengängen.

Jede Frau und jedes Kind war vor dem Aufenthalt im Frauenschutzhaus meist über viele Jahre nicht nur psychischem Terror, sondern auch körperlicher, sozialer und ökonomischer Gewalt ausgesetzt. „Er schlägt mich zwar nicht, aber er gibt mir kein Geld von unserem gemeinsamen Konto“, nennt Anja Pamperin ein Beispiel für ökonomische Gewalt. „In höheren Bildungsschichten sind Frauen von ihren Freunden isoliert. Weil der Mann Lügengeschichten erzählt, trauen sie sich nicht mehr, sich mit ihren Freunden zu treffen oder halten ihre Mutter auf Distanz, weil der Partner sonst Terror macht“, schildert Annemarie Rode einen schleichenden Prozess von sozialer Gewalt. „Häufig kommen die Frauen erst dann ins Schutzhaus, wenn ihre Kinder mitbetroffen sind.“

Viele haben auch Angst vor dem Ungewissen oder weil sie eine falsche Vorstellung vom Frauenhaus haben. „Sie können sich hier frei bewegen, müssen sich nicht abmelden und ihre Kinder dürfen weiterhin ihre Freunde treffen“, stellen die Awo-Mitarbeiterinnen klar.

Sie laden kommenden Mittwoch die fünf Bewohnerinnen und ihre sieben Kinder, ehemalige Bewohnerinnen, die Awo-Geschäftsführung und Mitarbeiter sowie Netzwerkpartner zu einem kleinen Fest ein. „Wir wollen die Frauen feiern, die sich Schutz und Hilfe gesucht und den Weg in ein gewaltfreies, selbstbestimmtes Leben geschafft haben“, sagt Annemarie Rode.

Von Haike Werfel

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