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Immer wieder Ärger mit Priwallfähren

Travemünde/Pötenitz Immer wieder Ärger mit Priwallfähren

Berufspendler und Ausflügler warten in Staus / In dieser Woche fielen beide Motoren der „Berlin“ aus

Travemünde/Pötenitz. Alle zehn Minuten soll eine Fähre vom Priwall nach Travemünde übersetzen, die Tag für Tag auch von vielen Berufspendlern und Ausflüglern aus Nordwestmecklenburg in Anspruch genommen wird. Doch was im Fahrplanheft des Lübecker Stadtverkehrs zeitlich punktgenau geplant ist, stimmt mit der Realität längst nicht überein. Mehr als 30 Autos reihen sich in eine Schlange, die bis zum Yachtclub Fischereihafen reicht. Pendler, Urlauber und Anwohner warten in der Mittagssonne in ihren Fahrzeugen.

„Ich bin total sauer“, sagt Rolf Henschel aus Pötenitz. Der 64-Jährige hat die Nase gestrichen voll. Jeden Tag fährt er mit der Fähre von Pötenitz aus zur Arbeit – und steht regelmäßig im Stau.

Oftmals warte er eine Stunde lang, er habe auch schon 90 Minuten lang ausharren müssen. „Es ist eine Frechheit, so lange hier stehen zu müssen“, sagt Henschel. Für ein Jahresticket zahlt er zähneknirschend 1006 Euro. „Das ist die teuerste Fähre mit der kürzesten Fahrzeit in Deutschland“, sagt Henschel.

Immer wieder kommt es auch zu Zwischenfällen beim Verkehr zwischen dem Ost- und dem Westufer der Trave – so auch vorgestern: Die Autofähre „Berlin“ schipperte mit ihren Fahrgästen und Pkw über die Trave, als gegen 9 Uhr beide Motoren ausfielen. „Und damit gleichzeitig auch die Lenkung“, erklärt die stellvertretende Stadtverkehrssprecherin Carolin Höhnke. Die „Berlin“ sei dann steuerungsunfähig auf der Trave getrieben. Die zweite Priwallfähre „Travemünde“, die ebenfalls gerade im Betrieb war, sei dann losgefahren, um das treibende Schiff „einzufangen“. Die „Travemünde“

begleitete die „Berlin“ zurück ans Ufer. „Die Menschen konnten dann unversehrt von Bord“, so Höhnke. Nach einer guten halben Stunde war die „Travemünde“ zurück in Position, und die „Berlin“ lag vor Anker.„Sie wird jetzt untersucht, bisher wissen wir nur, dass es einen technischen Defekt gab“, sagt Höhnke. Als Ersatz sei nun die Priwallfähre „Pötenitz“ im Einsatz. Auch an diesem Wochenende würden zwei Fähren fahren, verspricht Carolin Höhnke. „Wir hoffen jetzt, dass wir schnell herausfinden, welchen Defekt die „Berlin“ hat, damit sie bald wieder eingesetzt werden kann.“

Seit 1999 regeln die beiden Fähren „Travemünde“ und „Pötenitz“ den Verkehr, befördern täglich 8000 Fahrgäste. Doch ausgerechnet während der Urlaubszeit ist oft nur eine im Einsatz. „Durch vermehrte und unvorhergesehene Krankheitsfälle gibt es teilweise längere Wartezeiten“, räumt Carolin Höhnke ein. Für das Verkehrsunternehmen handelt es sich um eine Ausnahmesituation.

Personeller Ersatz steht nicht zur Verfügung. Der Stadtverkehr beschäftigt 16 Fährführer und zwölf Kassierer am Standort Travemünde/Priwall. „Der Fährbetrieb hängt sehr von den Touristen ab“, sagt Höhnke. Tatsächlich sind in der Autoschlange viele auswärtige Kennzeichen zu finden. Ein wartender Urlauber schert gerade mit seinem Auto aus der Schlange aus und sucht sich entnervt ein anderes Ziel.

Weil jeden Tag ein unterschiedlich großer Andrang herrscht, lassen sich Stoßzeiten nur schwer abschätzen, erklärt Höhnke. Die im Schichtbetrieb arbeitenden Fährführer hätten zudem gesetzlich vorgeschriebene Pausen einzuhalten. Eine Aufstockung des bestehenden Personals sieht der Stadtverkehr aber nicht vor. Nur für den saisonalen Betrieb könne man keine neuen Mitarbeiter einstellen.

Für den Einsatz einer Fähre bedarf es eines Fährführers, eines sogenannten Decksmanns, der die Auf- und Abfahrt der Fahrzeuge regelt, sowie eines Kassierers. Bei personellen Engpässen übernimmt der Decksmann gelegentlich die Abwicklung des Bezahlvorgangs, was zu zusätzlichen Verzögerungen führt. „Wir arbeiten daran, die Abfertigung zu beschleunigen“, sagt die Stadtverkehrssprecherin. Die zweite Fähre wird aber auch weiterhin immer mal wieder ruhig im Wasser liegen, während der Ärger der Lübecker wächst. Zwischen der Halbinsel und Travemünde pendelnden Fußgängern bleibt als Alternative immerhin die Personenfähre „Priwall VI“. Das seit März zwischen Nordermole und Priwall eingesetzte Schiff kann rund 190 Personen je Fahrt befördern.

cb/top

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