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Wismar In guten wie in schlechten Zeiten
Mecklenburg Wismar In guten wie in schlechten Zeiten
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00:00 09.02.2018
Warnow

Aufgewachsen ist Lothar Kacprzyk in Santow. „Ich hab nur die Seeseite gewechselt“, sagt er. Nach Warnow ist er gekommen, weil seine Frau Iris aus Bössow stammt, einem Ortsteil der Gemeinde Warnow. Er weiß noch genau, wann sie sich ineinander verliebt haben: „Es war der l. Mai 1979, da war ich zum Tanz in Bössow, dem ersten nach der Armeezeit.“ In dem gleichen Jahr begann Lothar Kacprzyk an der Universität in Rostock mit dem Studium. Dass es die Landwirtschaft war, für die er sich interessierte, wollte manch einer zunächst nicht verstehen.

Offiziell ist Lothar Kacprzyk seit 1994 Bürgermeister von Warnow – eigentlich aber war er es schon ein Jahr zuvor

Die Serie

Jede Woche stellt die OZ ein Dorf aus dem Landkreis vor. Dabei werden Geschichten von Menschen erzählt, die dort leben, über Veränderungen berichtet, die sich vollzogen haben, über die Sorgen der Einwohner, was sich entwickelt hat oder noch entwickeln soll.

Hohen Viecheln ist im nächsten Teil an der Reihe.

Schließlich hatte er sein Abitur am Grevesmühlener Gymnasium, damals noch in der Wismarschen Straße, mit Auszeichnung absolviert. Da standen einem ganz andere sozialistische Karrieren offen. Zum Beispiel eine Offizierslaufbahn bei der NVA. Das wollte Lothar Kacprzyk aber nicht. Dann wenigstens Lehrer für Sport und Biologie – Lothar Kacprzyk gehörte zu den guten Leichtathleten am Gymnasium.

Aber auch das wollte der Mann nicht, der später einmal Bürgermeister von Warnow werden und beweisen sollte, dass er jederzeit in der Lage ist, klare Worte in schwierigen Situationen zu finden. „Ich wollte etwas Bodenständiges, und die von der LPG in Warnow haben mich dann unterstützt“, sagt er. Also studierte er Landwirtschaft und begann in der Warnower Pflanzenproduktion zu arbeiten. Das war am l. März 1984. Zu jener Zeit lebte er schon seit drei Jahren mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in Bössow. 1983 kam der Sohn. 1985 folgte die Tochter. Der Bau des eigenen Hauses am See erfolgte 1984.

Dann der „Umbruch“, wie Kacprzyk das Ende der DDR nennt. Gemeindevertreter war er schon seit 1989. In den Wirren der 1990er Jahre – als auch in Warnow keiner so richtig wusste, was politisch und mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch so geht und was nicht. Als der Wahn um Bauland und Baugebiete auch in Warnow wilde Blüten und Wutstürme Richtung Gemeindevertretung trieb, gaben der damalige Bürgermeister Templin und die Gemeindevorsteherin auf. Ein Bürgermeister wurde händeringend gesucht, es fand sich aber keiner. Also übernahm Lothar Kacprzyk notgedrungen den Job im Jahr 1993 – zunächst nur vorübergehend, nur bis zur nächsten Kommunalwahl. Die fand im Jahr 1994 statt – und immer noch fand sich kein anderer, der es machen wollte. Also stellte sich Lothar Kacprzyk zur Wahl und gewann.

25 Jahre Bürgermeister von Warnow, wenn auch offiziell erst 24. Eine lange Zeit, immer wieder voller Herausforderungen. „Im Grunde“, sagt Lothar Kacprzyk, „gibt es nur zwei Dinge, die nicht so gut gelaufen sind. Das ist einerseits das Baugebiet ,Am Schulsteig’. Das erste, das wir damals verabschiedet haben, und das immer noch nicht umgesetzt ist . Und außerdem die nun seit Jahren schwelende Sache mit der Straße durch das Dorf.“

Gut gelaufen sind, so Kacprzyk, die Straßensanierungen und Sanierungen der ländlichen Wege im Rahmen der Flurneuordnungen in der Gemeinde und der Bau des Gemeindehauses. „Und eines“, sagt Lothar Kacprzyk, „muss man vielleicht mal grundsätzlich unterstreichen. Der Zusammenhalt in der Gemeinde ist aufgrund der Auseinandersetzungen um die Baumallee nicht grundsätzlich zerrüttet – im Gegenteil – im Grunde hält die Mehrheit der Einwohner nun noch stärker zusammen.“

Zahlen und Geschichte

Zu Warnow gehören heute die Ortsteile Warnow, Gantenbeck, Bössow, Großenhof und Thorstorf.

Im Jahr 1890 soll Warnow 387 Bewohner gehabt haben, die in 58 Häusern wohnten. Diese gehörten zu 14 Erbpachthöfen, 19 Büdnereien und 17 Häuslern.

Insgesamt leben in der Gemeinde heute 630 Einwohner (Stand Sommer 2017), davon im Ort Warnow 363 Einwohner.

Angrenzend an Warnow befindet sich mit dem Santower See und seinen Uferbereichen ein Naturschutzgebiet.

Die Natur und die Nähe zur Stadt Grevesmühlen machen Warnow zu einem attraktiven Wohnstandort. Im Bereich des Technikstützpunktes in Warnow gibt es ein kleines Gewerbegebiet.

Die Gemeinde Warnow hat ihr Straßennetz in den letzten Jahren im Rahmen des ländlichen Wegebaus und der Flurneuordnung kontinuierlich ausgebaut. Aus diesem Grund kann man herrliche Fahrradtouren von hier aus starten.

Besuchern sei eine Fahrt mit dem Rad von Grevesmühlen über Warnow, Bössow bis zur Ostsee an die Wohlenberger Wiek empfohlen.

Den Kühen und Bilanzen treu

Auch wenn es bei den fünf Galloway-Rindern (drei Muttertiere und zwei Bullen), die Hans-Georg Lange (77) gehören, nicht um Milchproduktion geht – es macht Sinn, dass Lange auch nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn als Geschäftsführer der Hansa-Milch-AG vor 14 Jahren nicht vom Rindvieh loskommt. Denn Kühen und dem, was man aus ihrer Milch machen kann, hat Georg Lange viel zu verdanken. Nordwestmecklenburg hat Georg Lange unter anderem die Entstehung des Upahler Industriegebietes zu verdanken. Lange war der erste, der sich mit seiner Hansa-Milch-AG dort ansiedelte. „Ich habe schon in 1991 entschieden, mit der Firma von Lübeck nach Mecklenburg zu gehen“, erzählt Lange.

Bereits zu DDR-Zeiten bestand zwischen seiner Firma und zum Beispiel der Schweriner Molkerei eine gute Verbindung. „Die haben in Schwerin eine hervorragende Kondensmilch hergestellt“, schwärmt Lange noch heute. „Zwölf Prozent Fett, das haben wir damals nicht so hinbekommen.“ Lange schätzte insbesondere auch die fundierte Fachausbildung in der DDR. Er dachte sich also, das müsste gut zusammengehen, Ost und West – und plante das neue Hansa-Werk in Upahl. In den Jahren 1994/1995 wurde gebaut und im September 1994 ging es los mit Hansa und seiner im Norden bald so bekannten Marke „Hansano“. „Und das, obwohl das mit der Autobahn doch noch eine ganze Weile dauerte“, erzählt Hans-Georg Lange, „was uns logistisch betrachtet, sehr viel Geld gekostet hat.“ 210 Millionen Deutsche Mark hat Hansa in Upahl investiert. 2001 war die Autobahn bis Lübeck durchgängig fertig.

Dass Hans-Georg Lange auch privat nach Nordwestmecklenburg kam – und zwar nach Warnow – sei selbstverständlich für ihn. Zunächst musste er zwar noch ein wenig Überzeugungsarbeit bei Ehefrau Irmgard (82) leisten, die sich ein wenig scheute, von der Stadt auf das Land zu ziehen. Doch bereits in 1992 kauften Langes das Grundstück. Groß genug auch für die Koppel hinter dem Haus – und damit perfekt für das Hobby Galloway-Rinder, das Hans-Georg Lange schon immer für seine Pension vorschwebte. 1998 zog die Familie Lange in ihr Warnower Haus ein. „Eine herrliche Nachbarschaft“, schwärmt der Pensionär, „wir haben uns den Nachbarn vorgestellt, sie zum Richtfest eingeladen und sind seitdem eine gute Gemeinschaft hier.“

Doch nur noch um seine Rinder, Nachbarschaft und Privates kümmert sich Hans-Georg Lange deshalb doch nicht – Zahlen und Bilanzen spielen bei ihm immer noch eine Rolle. Seine Erfahrungen und sein gesunder Sach- und Menschenverstand kommen nicht nur Warnow, sondern dem gesamten Amt Grevesmühlen Stadt und Umland zugute. Hans-Georg Lange ist ehrenamtlich als Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses tätig. Und – er schaut sehr genau hin – und fragt auch nach. am

Hochbetagt – und junggeblieben

Hildegard Liesberg, die derzeit älteste Warnowerin, ist eine geistig agile, körperlich zierliche und noch ziemlich bewegliche Frau, die einen aus hellwachen Augen anblickt. Ein Kompliment für ihre Erscheinung wehrt sie bescheiden ab. „Ach so gut, wie es aussieht, ist es auch nicht mehr. Aber anderen geht es schlechter in diesem Alter, ich weiß. Ich kann immer noch alleine wohnen, komme zurecht.“

Nur wenn sie rausgeht, sagt sie, dann nimmt sie einen Gehstock. Dass ihre beiden Töchter nicht weit entfernt in Warnow wohnen, ist hilfreich, sagt sie auch. „Doch wenn es irgendwann nicht mehr gehen sollte, dann würde ich auch in ein Seniorenheim gehen“, meint sie – und fügt an: „Da hat man doch immer Gesellschaft.“

Gebürtige Warnowerin ist Hildegard Liesberg nicht, sie stammt aus Gostorf. Aber ihr Mann Karl-Heinz Liesberg war echter Warnower. 65 Jahre waren sie verheiratet. Im Jahr 2010 ist er verstorben.

Inzwischen haben ihre vier Enkel bereits auch wieder Kinder bekommen. Sieben Urenkel gibt es.

Regelmäßig ist Hildegard Liesberg bei den Seniorentreffen der Gemeinde dabei, die sie, wie sie berichtet, anfänglich mitorganisiert hat. Bis sie es an andere, Jüngere, abgab. Einmal im Monat, an jedem zweiten Donnerstag, treffen sich die Warnower Senioren im Gemeindehaus zum Spielnachmittag – oder wie jetzt zu einer kleinen Faschings-Seniorenfeier. Der nächste Ausflug der Warnower Senioren im März geht zu Bauer Korl.

Bis zu ihrem 88. Lebensjahr, erzählt Hildegard Liesberg, ist sie noch alleine Auto gefahren, doch vor fünf Jahren hat sie damit aufgehört, freiwillig. Sie hat darüber nachgedacht, über all das, was so im Straßenverkehr passiert. „Meine Reaktionsgeschwindigkeit wurde immer langsamer, also habe ich den Entschluss gefasst“, sagt sie. Hildegard Liesberg denkt über vieles nach, auch über Politik.

Sie liest regelmäßig Zeitung und informiert sich im Fernsehen. Lösungen für die Probleme der Zeit hat sie auch keine parat, sagt sie, aber manchmal sei sie besorgt, ob alles wirklich den richtigen Weg geht. „Hoffen wir es“, sagt sie dann.

Das mit der Nachbarschaft in der Dorfstraße funktioniere besonders gut, betont sie. Man käme immer wieder zusammen, feiere auch Feste gemeinsam. Nur, dass es eben immer weniger der alten Nachbarn werden, weil immer mehr sich auf die Reise machen. am

Annett Meinke

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