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Wismar Innerdeutsche Wirtschaftsschau

Am 13. November 1949 stellten Unternehmen ihre Produkte in Wismar vor

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Am Messestand der Firma Küchenmeister auf der Wismarer Wirtschaftsschau am 13. November 1949.

Wismar. Am 13. November 1949 wurde in Wismar, die zweite „Wirtschaftsschau“ nach dem Krieg eröffnet. Nach den heutigen Maßstäben zu urteilen, ist diese Wirtschaftsschau der frühe Vorgänger der Wismarer Hanseschau, die am 15. März 1991 mit einer Informations- und Verkaufsausstellung in vier Hallen auf dem Weidendammplatz begann und sich zur bedeutendsten Regionalmesse entwickelte.

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Am 13. November 1949 stellten Unternehmen ihre Produkte in Wismar vor

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Die Wirtschaftsschau von 1949 ist längst vergessen und doch birgt diese viel politischen Sprengstoff, der damals so nicht gesehen wurde. Friedrich-Wilhelm Otto, der ehemalige Eigentümer des Kaufhauses OTTO in der Krämerstraße, hatte sich nach dem Verlust seines abgebrannten Unternehmens in die Kommunalpolitik eingebracht und wurde letztendlich Stadtrat für Handel und Versorgung. Eine Aufgabe, die kurz nach dem Krieg sehr schwierig war. So war zum einen die Versorgung der Bürger sicherzustellen und zum anderen die Vorgaben der neuen Politik nach Verstaatlichung von Unternehmen zu erfüllen. Nun war damals vier Jahre nach dem Krieg und einen Monat nach Gründung der DDR der Gedanke an eine baldige Wiedervereinigung in den Köpfen der Deutschen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze sehr präsent.

Alleine schon das Ankündigungsplakat und der Titel der Messe-Broschüre mit dem Lübecker Holstentor und dem Wismarer Wassertor sowie dem Slogan „Die Tore auf für Handel und Wandel“ machten überaus deutlich, dass hier etwas zusammengehört. Insgesamt 75 kleine und große Unternehmen aus Wismar und der Region präsentierten im ehemaligen Schützenhaus, dem nunmehrigen Volkshaus und in der Volksbühne, dem Saal im Hotel zur Sonne, Hinter dem Rathaus, ihre Firmen und stellten ihre Produkte aus. Da waren die Kleiderwerke Wismar ebenso vertreten wie der VEB Ostsee-Holzwerke, der Spielwarenhändler Franz Schneider sowie das Rundfunk-Fachgeschäft Küchenmeister, die Druckerei Foerstel, die Weinhandlung Michaelis und die Spirituosenfabrik von Ernst Magerfleisch, aber auch der VEB Schiffsreparaturenwerft Wismar.

Viele privat betriebene Unternehmen waren einvernehmlich zusammen mit großen staatlichen Unternehmen, die erst nach dem Krieg neu oder durch Enteignung entstanden sind. Sogar die damals junge Nationale Front und der Wirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern waren mit einem Grußwort vertreten. Soviel Einigkeit gab es in den Nachfolgejahren nie wieder. Oberbürgermeister Herbert Säverin sprach in seinem Grußwort: „Diese Ausstellung soll Zeugnis davon ablegen, dass wir nicht gewillt sind, die Zonengrenzen anzuerkennen, dass wir vielmehr unser ganzes Handeln und Denken darauf abstellen, die Spaltung zu beseitigen und keine Entfremdung zwischen uns Deutschen aufkommen zu lassen. Deshalb: Die Tore auf für ein einiges, freies, demokratisches Deutschland – und dazu bieten wir die Hand für freien Handel an.“ Das hat später nie wieder ein Wismarer Oberbürgermeister gesagt oder sagen dürfen.

Neu an dieser Wirtschaftsschau war auch, dass sie sich sehr an ihren alten Kundenkreis in Lübeck und Schleswig-Holstein richtete. In Lübeck wurden im Vorfeld Plakate und Broschüren mit Werbung für die Wismarer Wirtschaftsschau verteilt und wer Wismar besuchen wollte, bekam ohne viele Formalitäten einen Passierschein.

Die Wismarer Kommunalpolitiker und Unternehmer erhofften sich von der äußerst gut besuchten Wirtschaftsschau eine wichtige Belebung des Absatzes ihrer Produkte und Ausweitung des Handels und Warenverkehrs. Leider ist dieses durch die immer mehr verschärfte politische Lage später nahezu zum Erliegen gekommen, zumindest auf dieser regionalen Ebene.

Es sollte eine Eiszeit zwischen den Nachbarstädten Wismar und Lübeck bis zum 28. Oktober 1987 kommen, als beide Städte eine Städtepartnerschaft unterzeichneten. Schon im November 1989 erinnerten sich Wismarer an diese Wirtschaftsschau und strebten mit Lübeck Ähnliches an.

Die am 15. März 1991 veranstaltete Informations- und Verkaufsausstellung durch die Lübecker Messegesellschaft knüpfte hier unbewusst mit an und entwickelte daraus mit der bis heute veranstalteten Hanseschau die größte regionale Wirtschaftsschau in unserem Bundesland.

Was sonst noch geschah

14. November 1910 : Einweihung des Laboratoriums der Ingenieurakademie am Baumweg.

14. November 1887: Eröffnung der Bahnstrecke Wismar-Karow.

14. November 1918 : Umbenennung des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin in Freistaat Mecklenburg-Schwerin.

14. November 2000: Das Seniorenheim Haus Wendorf, Rudolf- Breitscheid- Str. 62, wird als Neubau mit 81 Pflegeplätzen eröffnet.

15. November 1994: Grundsteinlegung für die „Kompaktwerft 2000“ mit Dockhalle durch Ministerpräsident Dr. Berndt Seite.

Detlef Schmidt

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