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Integration für Flüchtlingsfrauen

Wismar Integration für Flüchtlingsfrauen

Sie treffen sich einmal in der Woche, lernen die deutsche Sprache und häkeln

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Gemeinsam beim Häkeln Deutsch lernen: Nassime Qudiri Sioe aus Afghanistan mit Petra Held und Najiye Sadat (v. r.).

Wismar. Das Geklapper der Häkel- und Stricknadeln im Raum, dazu fünf verschiedene Sprachen. Zwischendurch die Ermahnung von Mehri Yazeli: „Sprecht Deutsch!“ Denn zum Lernen der Sprache treffen sich die Frauen einmal die Woche für drei Stunden im großen Seminarraum des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) in Wismar. Die Frauen kommen aus dem Iran, aus Syrien oder Afghanistan, leben zum Teil schon seit Jahren in Deutschland. Den Deutschkurs, in dem die Sprache ein halbes Jahr intensiv gelehrt wird, haben fast alle gemacht.

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Sie treffen sich einmal in der Woche, lernen die deutsche Sprache und häkeln

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Wenn man eine Sprache nicht regelmäßig spricht, vergisst man alles wieder.“Mitorganisatorin Petra Held aus Wismar

Ihre Kinder gehen zur Schule, sprechen Deutsch und wachsen wie selbstverständlich mit den beiden Sprachen auf. Ihre Männer arbeiten, sprechen meist auch Deutsch. Aber die Frauen sind oft zu Hause und haben selten die Chance, die Sprache ihres neuen Heimatlandes praktisch anzuwenden.

„Wenn man eine Sprache nicht regelmäßig spricht, vergisst man alles wieder“, weiß Petra Held. Sie ist Mitorganisatorin und gehört zu den ehrenamtlichen Frauen beim wöchentlichen Treff.

„Die Frauen wollen Deutsch lernen, sie wollen sprechen!“, berichtet Mehri Yazeli. Sie kommt aus dem Iran, lebt mit ihren beiden Kindern seit vier Jahren in Deutschland. Im Iran war sie Fotografin, in Deutschland engagiert sie sich ehrenamtlich und macht bei den IJGD einen Bundesfreiwilligendienst.

Sie weiß, die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, zum gelungenen Miteinander statt eines Nebeneinanders. Mehri Yazeli spricht die Frauen an, holt sie zum Treff, übersetzt vom Persischen ins Deutsche und hilft. Dima Alarai als Syrerin und IT-Programmiererin übersetzt aus dem Arabischen.

Denn das Projekt umfasst mehr als „nur“ die Sprache. Die Frauen sollen bei Bedarf praktische Hilfe bekommen, Übersetzungen beim Arztbesuch oder einfach nur die Erklärung, wie das mit den Hebammen in Deutschland funktioniert.

„Wir beide sind hier“, liest Najiye Sadat den deutschen Satz vor. Sie kommt aus Afghanistan, lebt mit ihren Töchtern seit sieben Monaten in Deutschland. Sie wiederholt den Satz immer wieder, damit die Aussprache — das H ist schwierig — klappt. Und freut sich, als die Ehrenamtlerin ihr gegenüber nickt und lächelt: Sie hat alles richtig betont. Aus dem gemeinsamen Vorlesen von Vokabeln erwächst der Mut, mit Händen und Füßen und diesen ersten kleinen Vokabeln zu erzählen.

Ein kleiner Smalltalk entsteht, dem hoffentlich noch viele schöne Gespräche folgen werden. Die Frau mit Kopftuch, Brille und den freundlichen dunklen Augen erzählt von ihren Kindern. Bald werden die Wörter auch dazu reichen, von der Heimat zu sprechen, vielleicht von den Träumen, Hoffnungen und Wünschen in der neuen Heimat Wismar. Najiye Sadat gehört zu denen, die zu Hause mit den Kindern fleißig weiterlernen. Viele der Frauen haben außer ihrer Familie und den Nachbarn kaum Kontakte, kommen wenig raus. „Ich bin alleine zu Hause, das ist langweilig. Ich möchte die Sprache lernen und mit den Menschen Kontakt haben“, sagt Najiye Sadat. Mehri Yazeli übersetzt. „Eine halbe Stunde spielen oder Handarbeit, eine halbe Stunde lernen“, erklärt Petra Held das Konzept. Und holt die Häkelnadeln heraus. Najiye Sadat hat ihr gezeigt, wie ein Beutel gehäkelt wird. „Das ist für die Frauen auch etwas Besonderes. Sonst sind sie immer in der Rolle der Nehmenden, nun können sie hier mit ihrem Handarbeitswissen etwas weitergeben“, so Petra Held über diesen zweiten Aspekt des Projekts. Und lernt mit den Maschen und Nassime Qudiri Sioe aus Afghanistan die deutschen Zahlen.

Nähmaschine gesucht

Frauen , die vormittags Zeit haben und sich im Projekt engagieren wollen, können sich gerne bei Petra Held melden.

Derzeit suchen die Ehrenamtlichen noch ein, zwei Nähmaschinen für weitere gemeinsame Handarbeitsprojekte oder das ganz praktische Ändern gespendeter Kleidung. Und einen Spielteppich für die kleinste „Frau“ im Projekt — die vier Monate alte Kimija — zum Krabbeln.

Gebraucht wird auch Spielzeug für Zehn- bis Zwölfjährige und ein kleines Kinderfahrrad für den Hof.

Kontakt: Petra.held@ijgd.de und ☎ 03841/222191.

Von Nicole Hollatz

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