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„Integration geht nur gemeinsam!“

Wismar „Integration geht nur gemeinsam!“

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer demonstrieren vor dem Gebäude der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg

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Das Bild eines Menschen im Stacheldrahtzaun wurde von Flüchtlingen wie Helfern bunt übermalt. Abdulkafe Ashoor (l.) und Mohamed Kteep (beide 19) sind Flüchtlinge aus Syrien. Fotos (6): Nicole Hollatz

Wismar. „Wir zeigen dem Landkreis und seinen Verwaltungsebenen, was aus Gemeinsamkeit entstehen kann“, so riefen viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer zu der Aktion am späten Mittwochnachmittag am Lindengarten auf.

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Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer demonstrieren vor dem Gebäude der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg

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Direkt gegenüber der Kreisverwaltung. Dort tagte zeitgleich der Sozialausschuss, das Thema Flüchtlinge stand auf der Tagesordnung. Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer mitsamt ihren Schützlingen standen draußen, malten gemeinsam und sprachen darüber, was möglich wäre, wenn man gemeinsam am berühmten Strang ziehen würde. Und was jetzt nicht möglich ist, weil man — so das Gefühl vieler Helfer — mehr gegeneinander agiert als miteinander.

Die Demo richtete sich gegen Grenzen: die politischen EU-Außengrenzen sowie die menschlichen Grenzen der Zusammenarbeit. Auf einer Leinwand hatte ein Künstler ein großes Bild geschaffen, wie ein Mensch versucht, durch Lagen von Stacheldraht zu kommen. Das sehr bedrückende Bild wurde von Helfern wie Flüchtlingen gemeinsam bunt übermalt — Grenzen überwinden, Grenzen übermalen. „Ich habe lange überlegt, ob ich heute herkomme“, gab Helferin Sandra Rieck zu. „Ich möchte eine gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Verwaltung, manchmal klappt die, oft genug auch nicht“, formulierte sie vorsichtig. „Aber wir müssen einfach über diese Probleme sprechen“, so ihre Hoffnung. Die Flüchtlingshilfe sei eine gemeinsame Aufgabe, konstruktive Kritik müsse möglich sein und auch angenommen werden.

Britta Fust, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und Ansprechpartnerin für Flüchtlinge wie Helfer, ist da direkter: „Wir werden gegängelt, Absprachen werden nicht eingehalten, es gibt keinen Dialog.

Wir wollen Mitsprache und Koordinierung. Wir fordern, dass Integration gefördert wird und nicht ausgebremst. Es kann und darf nicht sein, dass der Landkreis hier bis zum heutigen Tage keine Koordinierungsstelle geschaffen hat. Probleme werden klein geschwiegen, Diskussionen vermieden und Hilfsprojekte blockiert.“ Lange Wartezeiten auf den Ämtern, fehlende Beratungsangebote, unverständliche Bürokratie, fehlende Integrationsangebote — die Liste der Helfer ist lang. Britta Fust: „Hilfe darf nicht alleine dem Ehrenamt aufgebürdet werden.“ Ein Beispiel von vielen sei das Problem mit der Meldeadresse. Ehrenamtlerin Karin Gerstenberg (64) erklärt: „Ich habe zwei Schützlinge. Der erste hat seinen Antrag auf Hartz IV im Januar stellen können, der zweite jetzt im März.

Beim ersten war die Meldeadresse in Tressow kein Problem, beim zweiten ist es das, sein Antrag wird nicht weiterbearbeitet.“ Zur Erklärung: Sobald ein Flüchtling anerkannt ist, kann er Hartz IV beantragen und sich eine Wohnung suchen. Die Asylbewerberunterkunft an der Haffburg in Wismar sollte er dann verlassen, mit der Anerkennung endet der Anspruch auf den dortigen Wohnplatz.

Es werden, so heißt es aus dem Büro der Landrätin, aber Vereinbarungen mit den Betroffenen geschlossen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Landrätin Kerstin Weiss (SPD): „Wir entlassen niemanden in die Obdachlosigkeit.“ Wie die Flüchtlinge solch eine erste Begegnung mit der deutschen Bürokratie empfinden, bleibt offen.

Oldenburg übt Kritik am Landkreis

Die Landtagsabgeordnete der Linksfraktion, Simone Oldenburg, kritisiert den Landkreis hinsichtlich der Flüchtlingsbetreuung. „In Nordwestmecklenburg werden die großen Lücken in der Betreuung immer deutlicher.“ Die 46-Jährige wirft dem Landkreis kopf- und planloses Agieren vor, das zunehmend für Unzufriedenheit bei Geflüchteten und Ehrenamtlern sorge.

„Zuerst gelingt es dem Landkreis nicht, ausreichend Sozialarbeiter einzustellen, dann erhält die AWO den Zuschlag für die Integrationslotsen — ohne Ausschreibung, ohne Konzept.“

Doch bei aktuell nur zwei zuständigen Integrationslotsen für anerkannte Flüchtlinge sei an eine rasche Eingliederung nicht zu denken. „Statt aus dem Kreishaushalt zu investieren und neue Stellen zu schaffen, geht der Landkreis in Deckung und glaubt offenbar, dieses Thema aussitzen zu können“, so Oldenburg. Sie mahnt: „Wir müssen den Geflüchteten unser Land, unsere Regeln erklären, wenn Integration gelingen soll. Es ist verantwortungslos zu glauben, die Probleme lösen sich von allein." Aktuell leben über 1600 Flüchtlinge in NWM.

Von Nicole Hollatz

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