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Wismar Internationale Künstler in Plüschow
Mecklenburg Wismar Internationale Künstler in Plüschow
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00:00 28.05.2013
Der französische Fotograf Philippe Brame hat ein Auge für besondere Lichtkonstellationen. Quelle: Knut-Henning Miersch
Plüschow

Michele Schuff ist Amerikanerin und kommt aus der Kleinstadt Austell im US-Bundesstaat Georgia. Obwohl sie in der Hauptstadt Atlanta Malerei studierte, arbeitet die Künstlerin für gewöhnlich mit Wachs. Aus diesem Material produziert sie normalerweise Skulpturen, die sie dann auf Leinwänden oder als Installation farblich arrangiert. Überhaupt stehen Farben und Farbübergänge bei der Amerikanerin besonders im Mittelpunkt. Da sie nur einen Bruchteil ihrer Werkzeuge nach Deutschland mitnehmen konnte, stellte das Austauschprogramm eine große Herausforderung für sie dar.

„Vor der Zeit im Künstlerhaus Plüschow habe ich seit 20 Jahren nicht mehr mit Farbe auf Papier gemalt“, berichtet Schuff. Nicht zu wissen, was in Deutschland auf sie zukommen würde, habe sie fasziniert und zum Umdenken gezwungen. Aus der materiellen Not machte sie eine Tugend. „Ich nutze meine Zeit in Mecklenburg nun bewusst dazu, mich von meinen normalen Projekten zu entfernen“, schildert die Künstlerin. Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten, sich künstlerisch zu verwirklichen, kam sie zurück zur ihren Wurzeln. So arbeitet Schuff derzeit an einer Bilderserie aus Acrylfarben und an verschiedenen Gipsfiguren.

Thematisch behandeln ihre Werke den zeitlichen Verlauf und Verfall von Mensch und Natur und die Frage nach einem Danach. Was passiert mit der Energie eines Menschen nach seinem Lebensende, das ist nur eine von vielen Fragen, die ihre aktuellen Werke beeinflussen. „Es geht um Verlust und um die verwirrenden Gefühle, die damit zusammenhängen“, erklärt die Amerikanerin. Ein großer Teil ihrer Bilderserie zeigt schlüssellochähnliche Motive, von denen ein helles Licht ausgeht. „Man möchte auf die andere Seite gucken, ohne zu wissen, ob diese andere Seite überhaupt existiert“, so Schuff.

Besonders inspirierend empfand die studierte Malerin die alten Weiden in der Umgebung von Plüschow, die sie dazu veranlassten, eine Reihe von Gipsskulpturen herzustellen. Zwar ist das Ende von Michele Schuffs künstlerischer Tätigkeit im Schloss Plüschow noch nicht erreicht, aber sie könne sich vorstellen, dass die hier entstandenen Werke ihre zukünftigen Projekte beeinflussen werden.

Aufnahmen von Licht und Schatten
Philippe Brame ist der erste Franzose, der am Austauschprogramm im Künstlerhaus teilnimmt. Er kommt aus Aube, einer kleinen Region im Nordosten Frankreichs. Nach einem Studium der landwirtschaftlichen Wissenschaft und der Literatur folgte er seiner eigentlichen Leidenschaft, der Fotografie. Seine Arbeit beschreibt er mit den Worten von Corinne Filippi, einer bekannten französischen Fotografin. „Das Licht ist nicht das Gegenteil von Dunkelheit, denn Licht allein erzeugt einen eigenen Schatten“, erklärt er.

In seinen Bildern beschäftigt sich Brame jedoch nicht nur mit den Facetten von Licht und Dunkelheit, ihn interessieren auch die damit verknüpften Kontraste wie Leben und Tod, Vergangenheit und Zukunft, Vergessenheit und Erinnerung oder Alt und Neu.

So setzt er in Schwarz-Weiß-Fotografien gespaltene Weiden in Szene, die trotz ihrer leblosen Gestalt alljährlich aufs Neue sprießen. Dem Franzosen ist es wichtig, dass seine Werke keine bloßen Abbilder sind, sondern eine Geschichte erzählen können. Auch morbide und düstere Gebäude, Landschaften oder Lichtkonstellationen gehören zu seinem Repertoire.

Die in Plüschow entstandene Bildersammlung nennt er „The second shroud“ (zu Deutsch: „Das zweite Leichentuch“). Der zunächst unheimliche Titel soll jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass man es nur mit grauenerregenden Bildern zu tun hätte.

Die Motive von Philippe Brame sind komplex und transportieren nicht selten auch eine Portion Humor und Zuversicht. „Manche Bilder sind sogar sehr lustig“, berichtet er. Bei genauer Betrachtung könne man viele verschiedene Dinge in den Fotografien entdecken.

Eigenes Kind als Quelle der Inspiration
Klara Kohler und Franz Frauenlob sind die Österreicher im Künstlerhaus. Mit ihrem kleinen Sohn Julius haben sie sich von Linz aus auf den Weg nach Nordwestmecklenburg gemacht.

Klara Kohler ist studierte Bildhauerin und nutzt die Zeit in Plüschow für ihre detailreichen Holzschnitte, die sie über ein Druckverfahren auf die Leinwand bringt. Während der vergangenen Wochen lag ihr Fokus auf der Produktion von Wiederholungen. Vor diesem Hintergrund beendete sie erst kürzlich eine Serie von Holzschnitten, die ihren Julius in der immer gleichen Position darstellt.

„Mich fasziniert, dass jedes Bild anders ist, obwohl sich das Motiv selbst nicht verändert“, sagt sie. Da jeder Holzschnitt ein Unikat ist, sehe ihr Sohn manchmal aus wie ein alter Mann, dann wieder wie ein kleines Kind.

Auch Franz Frauenlob integrierte seinen Sohn in künstlerische Projekte. „Jeden Tag malt Julius ein kleines Bild mit Holzstiften, das ich als Grundlage für meine eigene Arbeit nutze und gezielt überarbeite“, erklärt der ehemalige Schmied. Es entstehe eine Art Kunsttagebuch. Der spielerische Umgang mit Kunst stehe dabei im Vordergrund und sei eine interessante Herausforderung.

Insgesamt sei die Zeit im Schloss Plüschow viel zu schnell vergangen. „Wir sind hier alle sehr konzentriert und weit entfernt von unseren alltäglichen Mustern.“

Knut-Henning Miersch

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