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Wismar „Die Insel nur verwalten, das reicht nicht“
Mecklenburg Wismar „Die Insel nur verwalten, das reicht nicht“
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06:00 27.10.2018
Gabriele Richter möchte Bürgermeisterin von Poel bleiben. Einer ihrer Lieblingsorte auf der Insel: der Hafen von Kirchdorf. Quelle: Michaela Krohn
Kirchdorf

 Am 4. November wird auf Poel eine neue Bürgermeisterin gewählt. Gabriele Richter möchte weitere sieben Jahre hauptamtliche Insel-Bürgermeisterin sein. Welche Pläne sie hat, um ihre Mitbewerberin Aenne Möller auszustechen, hat die 51-jährige Parteilose im Gespräch mit der OZ verraten.

Bei der letzten Bürgermeisterwahl vor sieben Jahren hatten Sie gleich drei Mitbewerber, jetzt haben Sie nur eine. Ist der Job des Bürgermeisters nicht so attraktiv auf Poel?

Job kann man das gar nicht nennen. Man muss das gerne machen. Zu sagen, man möchte Bürgermeister werden – diese Möglichkeit hat nach dem Gesetz jeder. Man hat jedoch keine 40-Stunden-Woche. Das muss man mit Leidenschaft und Ausdauer machen, ansonsten erreicht man nämlich nichts. Am allerwichtigsten zur Beurteilung vieler Dinge sind hohe Sach-, Rechts- und nicht zu vergessen die Menschenkenntnis. Ich habe das am Anfang noch nicht so gesehen, aber im Laufe meiner Tätigkeit hier hat sich das ganz stark bemerkbar gemacht.

Damals gab es auch viele Spannungen zwischen der Gemeindevertretung und der Verwaltung. Sie wollten in Ihrer Amtszeit für ein besseres Klima sorgen. Glauben Sie, das ist Ihnen gelungen?

Ja. Ich bin da ganz stolz auf meine Gemeindevertretung, dass wir so gut, konstruktiv, aber auch streitbar miteinander zusammenarbeiten. Es gibt immer Dinge, über die man sich mal ärgert. Aber unterm Strich, muss man schauen, welches Ergebnis dabei herauskommt und dass die Beschlüsse durchgehen und wir als Verwaltung arbeiten können. Das ist für mich wichtig und das ist auch etwas, was ich erreicht habe. Man darf nicht vergessen, dass man immer ein starkes und engagiertes Team braucht, um die vielfältigen Aufgaben zu bearbeiten.

Was können Sie noch auf Ihrer Liste abhaken? Was haben Sie erreicht?

Ganz viel, zum Beispiel, dass es ein gutes Miteinander zwischen Politik, Verwaltung und Vereinen gibt. Ich erinnere da an das Kreiserntedankfest, die 850-Jahrfeier der Insel Poel, viele einzelne Veranstaltungen, das Mehrgenerationenhaus, den Schulförderverein. Aber auch im Infrastrukturbereich haben wir viele Projekte durchgeführt, wie die Promenade in Timmendorf, den maritimen Erlebnispfad und den Radwegebau. Weitere Projekte wurden auf den Weg gebracht.

Sie würden also nicht sagen – wie es Ihre Herausforderin behauptet – Sie hätten die Insel nur verwaltet?

Nein, um Gottes Willen. Wenn ich da an meine Anfangszeit zurückdenke, als der Warener Bürgermeister Günther Rhein damals zu mir sagte: „Wenn du da oben bei dir nur sitzt und wartest und guckst, was deine Mitarbeiter machen – dann wird daraus nicht viel.“ Aber das hat sich mit den vielen Mitstreitern dann ganz rasch entwickelt. Nur die Verwaltung zu betreiben, das geht als Bürgermeisterin nicht, obwohl der Verwaltungsaufwand enorm zugenommen hat – gerade, wenn ich an die vielen Förderprojekte, zum Beispiel Haus des Gastes, Aussichtsplattform oder Trailerbahn denke. Wir arbeiten seit Beginn meiner Wahlperiode daran, jetzt haben wir erst den Zuwendungsbescheid bekommen. Das ist sicher für den Bürger manchmal schwer zu verstehen, warum es bei einigen Projekten so lange dauert, bis sie umgesetzt werden.

Wie sieht es denn mit dem eventuellen Bau eines Hotels in Timmendorf aus?

Bei der Entwicklung des Rahmenplanes für Poel wurde von den Teilnehmern auch diese Idee angesprochen. Die Fläche, die möglicherweise bebaut werden kann, befindet sich am Ortseingang Timmendorf auf der rechten Seite. Die Fläche ist im Privatbesitz und der Eigentümer hatte schon mehrere Anfragen zur Planung. Eine sehr dichte Bebauung mit Ferienhäusern können wir für unsere Insel nicht zulassen. Bisherige Vorstellungen erschienen uns zu wuchtig, zu geballt. Wenn es aber mal soweit sein sollte und ein Hotel geplant wird, können sich alle Bürger vor dem Beschluss zum B-Plan dazu äußern.

Wie finden Sie persönlich die Idee von einem Hotel? Wäre das mit Ihnen möglich?

Natürlich kein Wolkenkratzer, aber ein schönes kleines Hotel, vielleicht mit einem Schwimmbad, einem Wellness-Bereich und Gastronomie. Aber das Projekt muss man dann erst sehen. Denn das Maß der Ferienbebauung haben wir bald überschritten. Ich persönlich bin auch nicht dafür, weitere Grundstücke dafür auszuweisen. Wir sind hier schließlich nicht in Kühlungsborn oder Boltenhagen. Die Urlauber und Einheimischen auf Poel lieben den natürlichen Charme der Insel und die Beschaulichkeit. Das ist eines unserer vielen Alleinstellungsmerkmale.

Es gab auch Pläne am Hafen in Kirchdorf, weitere Ferienwohnungen zu bauen. Ist das Projekt vom Tisch?

Das Projekt und den B-Plan gibt es noch. Derzeit stehen ungeklärte Eigentums- und Erschließungsfragen einer Umsetzung entgegen. Wenn Sie aber mich fragen, würde ich gerne in einem Gespräch mit dem neuen Investor die Inhalte des Bebauungsplanes einer erneuten Prüfung unterziehen. Es wäre wünschenswert, wenn wir im Einvernehmen die hohe bauliche Verdichtung reduzieren könnten.

Ein anderes Bauprojekt ist für das Wohnen im Alter geplant? Die Pläne gibt es schon seit 14 Jahren. Wie sieht es damit aus?

Die gebildete Arbeitsgruppe war sehr aktiv und hat auch ein Grundstück in Kirchdorf für dieses Projekt gefunden. Wir haben schon mit den verschiedensten Investoren gesprochen. Es scheiterte aber immer an den hohen Mietvorstellungen. In der letzten Beratung vor einem Monat hatte ein Investor aus Wismar sein Interesse bekundet. Gegenwärtig wird das Projekt konkretisiert und das ist ein gutes Zeichen.

Welche Projekte wollen Sie noch nach der Wahl angehen oder weiterführen?

Der Fördermittelbescheid über 1,6 Millionen Euro für das Haus des Gastes ist gekommen. Straßen und Gehwege müssen ausgebessert werden. Für den Tourismus brauchen wir mehr Strukturen, denn nicht jeder Gast mag den ganzen Tag am Strand liegen. Man könnte einen Aussichtsturm zwischen Oertzenhof und Am Schwarzen Busch etablieren. Von dort aus hat man eine wundervolle Aussicht auf das Reetmoor und die Ostsee. Die Flutlichtanlage hinter der Feuerwehr soll umgesetzt werden auf den Sportplatz Kaltenhöfer Weg, um den Sportlern bessere Trainingsbedingungen zu geben. Ein Regenwasserkonzept muss erarbeitet werden und vor allem will ich mit den Touristikern und den Gewerbetreibenden noch enger zusammenarbeiten und die touristische Nachhaltigkeit fördern.

In einer Woche wird gewählt. Sind sie aufgeregt?

Ja, natürlich. Aber ich mache einfach meine Arbeit weiter, so engagiert und zielstrebig wie bisher und warte nicht die Wahl ab. Wenn es nicht klappt, bin ich sehr traurig. Aber durch die vielen Gespräche mit den Einwohnern ich habe ein gutes Gefühl.

Mehr lesen: Aenne Möller: Poel darf kein zweites Sylt werden

Michaela Krohn

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