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Wismar Mehr Zusammenhalt zur Belebung der Altstadt
Mecklenburg Wismar Mehr Zusammenhalt zur Belebung der Altstadt
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19:12 09.01.2019
Dr. Wieland Kirchner als Vorsitzender der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft e.V. (WWG). Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

Ist die Innenstadt tot? Oder wie könnten mehr Kunden in die Wismarer Innenstadt gelockt werden? Ein Interview zur aktuellen Diskussion mit Dr. Wieland Kirchner als Vorsitzender der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft e.V. (WWG). Die WWG ist mit über 200 Mitgliedern die Interessenvertretung der Wismarer Wirtschaft gegenüber der Politik und Verwaltung.

Die böse Frage zuerst – ist die Innenstadt tot?

Ist sie nicht, gleichwohl haben wir noch einige Reserven. Der Leerstand an Geschäften als ein untrügliches Zeichen für eine nicht funktionierende Innenstadt ist in Wismar relativ gering. Dennoch müssen wir ein waches Auge haben. Im Vergleich zu anderen Städten in Mecklenburg-Vorpommern steht Wismar mit seiner Innenstadt ziemlich gut da. Dennoch hat Wismar einige Potenziale, die noch ungenutzt sind. Wenn in einem Stadtquartier bereits Missstände aufgetreten sind, ist es schwer, die Entwicklung aufzuhalten und gegenzusteuern.

Wo sehen Sie denn die Potenziale für eine Entwicklung nach oben?

Die klassische Funktion des lokalen Handels in der Innenstadt hat durch den Onlinehandel stark gelitten. Das ist ein Wandel, den wir nicht aufhalten können. Wir müssen andere, neue Funktionen für die Innenstadt suchen. Die Innenstadt ist eine Stätte der Begegnung. Sie könnte noch mehr kulturelles Zentrum werden. Jetzt schon ist die Innenstadt ein Anziehungspunkt für Touristen. Darauf lässt sich aufbauen. Wichtig ist, dass der Einkauf für den Kunden ein Erlebnis ist. Gute Beratung und ein ausgezeichneter Service sind die elementaren Grundlagen dafür.

Und was ist mit den Menschen hier?

Wismar hat, wie jede Stadt, eine Umlandfunktion. Die Innenstadt ist Versorger des Umlands. Ohne diese Käuferschicht wäre es für die Händler schwer, ausreichenden Umsatz zu generieren. Die ca. 10 000 Bewohner der Innenstadt reichen nicht aus, um die Händler hier zu ernähren. Auch hier gilt: das Einkaufen muss Spaß machen und es muss ein Mehrwert gegenüber dem Onlinehandel spürbar sein. Wir müssen zusehen, dass Wismars Innenstadt Zentrum des Handels bleibt, trotz aller Widrigkeiten.

Widrigkeiten wie die oft in dem Zusammenhang genannten Parkgebühren?

Wismars Innenstadt hat gute Voraussetzungen mit der derzeitigen Parkplatzsituation, rings um den Altstadtring gibt es zahlreiche Parkplätze, von denen man innerhalb von wenigen Minuten auf dem Markt ist. Das Gegenbeispiel wäre es, wenn wir den Marktplatz zum Parken freigeben, dann hätten wir da circa 300 Autos mehr und die Straßen wären verstopft. Keiner käme rein noch raus. Das würde den Händlern das Leben nicht leichter machen. Es ist derzeit in allen Innenstädten so, dass die Autos dort verdrängt werden, es muss aber Alternativen zum Parken geben. Wismar ist eine Stadt der kurzen Wege. Das sollte man den potenziellen Shoppingkunden auch so vermitteln.

Was kann die WWG tun, um den Einzelhandel in der Innenstadt zu stärken?

Wir sollten mit den einfachen Dingen anfangen. Es wäre gut, wenn sich die Einzelhändler stärker vernetzen und sich wieder als Gemeinschaft verstehen. Ein gutes Beispiel sind die Öffnungszeiten, die so sehr verschieden sind. Insgesamt könnten sich alle Händler auf gemeinsame Standards verständigen. Einheitliche Öffnungszeiten oder auch gemeinsame Aktionen könnten dann besser gestaltet und beworben werden. Es gibt neben den Aktivitäten der WWG durchaus weitere gute Beispiele: „Wismars Lieblinge“ und die „Guten Adressen“ sind zwei Initiativen, die für eine Stärkung der Gemeinschaft der Händler stehen.

Was kann die Verwaltung tun?

Wismar hat es gut getan, dass sich keine großen Einkaufszentren, wie in Schwerin, in der Innenstadt angesiedelt haben. Die zentrumsnahen Shoppingcenter machen den kleinen, lokalen Händlern das Überleben schwer. Richtlinien und Regelungen müssen mit Augenmaß umgesetzt werden, das betrifft beispielsweise auch die Gestaltungssatzung und die Sondernutzungssatzung. Generell ist es gut, dass es Richtlinien gibt. Grelle Leuchtreklame, Plastikmobiliar oder auch überdimensionierte Werbebanner passen nicht zu einer Weltkulturerbe-Stadt. Dennoch müssen die Händler die Möglichkeit haben, auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Wichtig ist die Kommunikation zwischen den Beteiligten, beispielsweise wenn Straßenbauarbeiten anstehen oder länger als geplant andauern. Hilfreich wäre eine frühzeitige Information der Betroffenen und ein Aufeinanderzugehen.

Und der Arbeitskreis zur Belebung der Innenstadt, der ja nun gegründet wurde?

Da werden wir uns natürlich mit engagieren.

Nicole Hollatz

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