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Wismar Ja zu Solar – aber nicht auf dem Acker
Mecklenburg Wismar Ja zu Solar – aber nicht auf dem Acker
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00:01 18.10.2017
Eine ähnliche Photovoltaikanlage wie in Warin soll an den Bahngleisen zwischen Steinhausen und Hagebök gebaut werden. Quelle: Foto: Sylvia Kartheuser
Neuburg

Gerd Wittmiß (Wählergemeinschaft) fühlt sich falsch verstanden. „Ich bin nicht generell gegen Solaranlagen, habe auf meinem Dach auch selbst eine. Aber ich bin dagegen, wenn dafür Ackerland verschwendet wird“, sagt der Neuburger Gemeindevertreter. Daher kann er sich nach wie vor nicht mit der Vorstellung anfreunden, dass die Wattmanufactur links und rechts der Bahngleise zwischen den Neuburger Ortsteilen Steinhausen und Hagebök eine großflächige Photovoltaikanlage errichten will (die OZ berichtete).

„Für eine Solaranlage geben wir beste Ackerflächen her, auf denen besser Lebensmittel und Futter produziert würden“, so das Urteil von Landwirt Gerd Wittmiß. Davon hätten mehr Menschen etwas, als von der Stromerzeugung, ist seine Überzeugung. „Geld verdient damit weder die Gemeinde noch der Bürger, Geld verdienen der Planer, der Investor und vielleicht noch der Verpächter der Flächen“, zählt Gerd Wittmiß auf.

Der Landwirt bezweifelt zudem die Angabe von Planer Lars Fricke, dass weniger als fünf Hektar der benötigten Fläche die hohen Bodenwerte von 50 Punkten haben, was wiederum eine Prüfung erfordern würde. „In einem Brief ans Bauamt in Neuburg ist von 50 Prozent der Fläche die Rede“, sagt Gerd Wittmiß. Und das wären nach seiner Berechnung bei 20 Hektar nun einmal zehn.

Dass ein Teil der Anlage auf wertvollem Ackerland stehen wird, streitet der Planer auch nicht ab. Es gibt aber einen nicht unerheblichen Nachsatz in dem Brief: „Etwa 50 Prozent der

südlich der Bahn gelegenen Flächen“ würden die hohe Ackerzahl aufweisen. „Also 25 Prozent der Gesamtfläche“, rechnet Lars Fricke vor. Und 25 Prozent von 20 Hektar seien nun einmal fünf Hektar. Nördlich der Gleise gebe es ebenfalls eine hochwertige Ackerfläche, etwa einen halben Hektar groß, „sodass wir auf insgesamt 4,5 Hektar kommen, die mehr als 50 Bodenwertpunkte haben“, erklärt Lars Fricke. Grundlage der Ausführungen ist die Bodenkarte des Landes.

Zweifeln von Gerd Wittmiß, dass die Planungen mit dem Naturschutz kollidieren würden, widerspricht Lars Fricke ebenfalls. „Erst nachdem das FFH-Gutachten (Gutachten zum Lebensraum von Pflanzen und Tieren, die Red.) zu einem für uns positiven Ergebnis kam – nämlich, dass das EU-Vogelschutzgebiet nicht erheblich beeinträchtigt wird – wurden die Änderungen im Bebauungsplan und im Flächennutzungsplan begonnen“, führt der Planer aus. Parallel seien Abstimmungen mit dem Amt für Raumordnung erfolgt, inwieweit die Klauseln zum Schutz des Bodens auf Fotovoltaik-Anlagen zutreffen.

Für die Anlage zwischen Steinhausen und Hagebök wurde extra ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept ausgearbeitet. Darin ist die Beweidung der Fläche durch Schafe vorgesehen. „Die Böden erholen sich von den Pestizid- und Düngemitteleinträgen aus der Intensivlandwirtschaft“, stellt Lars Fricke sogar eine Verbesserung der Bodenqualität in Aussicht. Zumal der Boden auch nicht großflächig, etwa durch Betonfundamente, versiegelt werde. Die Stützen der einzelnen Modultische sollen als offene Stahlprofile in die Erde gerammt werden.

In der Begründung zu dem Projekt, das von einer 20- bis 30-jährigen Nutzung ausgeht, heißt es: „Neuburg ist im Programm ,Bioenergie-Dörfer’ bereits bestrebt, eine Versorgung der Gemeinde mit erneuerbaren Energien zu erreichen.“ Durch die geplante Photovoltaikanlage könne dazu ein wesentlicher Beitrag geleistet werden. Nach Ablauf der Nutzung könnte die Anlage rückstandslos abgebaut werden, ohne dass dem Boden Schaden zugefügt worden wäre.

Sylvia Kartheuser

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