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Wismar Jahrhundertealte Schützen-Tradition lebte 1990 auf
Mecklenburg Wismar Jahrhundertealte Schützen-Tradition lebte 1990 auf
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00:00 28.03.2017
Wismar

Der Wismarer Schützenverein Hanse hat sich heute vor 27 Jahren gegründet. Er zählte damals 14 Mitglieder und nahm eine jahrhundertealte Tradition auf, die von den Nationalsozialisten unterbrochen wurde und zu DDR-Zeiten als Überbleibsel einer bürgerlich-dekadenten Zeit und des Militarismus verboten wurde.

Ein Blick aufs Wismarer Schützenhaus mitten im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1943. Quelle: Foto: Sammlung D. Schmidt

Älteste urkundliche Erwähnungen von Schützengilden in Deutschland stammen aus dem Jahr 1139. Für Wismar kann man als ersten Nachweis für die Schützen die Abbildung eines Vogels im ältesten Stadtwappen, auf dem Bugspriet eines Schiffes erkennen. Wahrscheinlich ein Papagei, war er doch auch der Namensgeber der „Papagoyengesellschaft“, die mit den Gesellschaften der Brauer und Kaufleute im „Neuen Haus“ hinter dem Rathaus ihren Sitz hatte.

Zur „Wehrertüchtigung“ wurde früher zu Pfingsten das Vogelschießen vor dem Lübschen Tor veranstaltet. Maßgebliche Beteiligte waren die Mitglieder der Papagoyengesellschaft. Dazu wurde der Maigraf gewählt, den der Schützenkönig zu bewirten hatte. Der neue Schützenkönig wurde dann später im „Neuen Haus“ gefeiert. Der Maigraf führte das einfache Volk vor das Altwismartor in den Rosengarten, den heutigen Lindengarten, wo es feierte und tanzte. Während in vielen Städten der Dreißigjährige Krieg diese Traditionen zerstörte, blieben sie in Wismar erhalten und lebten 1682 mit dem Scheibenschießen wieder auf. Neben der Papagoyengesellschaft gab es schon vor 1527 die Schützengesellschaft der Krämer.

Im November 1823 kam es zur Vereinigung der Wismarer Schützen. Das wurde am 27. Juli 1824 mit einem Festessen im noch nicht ganz fertiggestellten Schützenhaus an der Schweriner Chaussee gefeiert.

Den ersten gemeinsamen Königsschuss gab es am 29. Juli 1824, und im November 1824 begann der gastronomische Betrieb. Das Schützenhaus wurde von den Wismarern als Ausflugslokal, aber auch für gesellschaftliche Anlässe gut angenommen. 1865 wurde die „Tivolihalle“, heute besser bekannt als Kino, angebaut. Nach 1945 gab es eine Zäsur in der Geschichte des Schützenhauses. Mit 1000 Teilnehmern fand am 2. April 1946 der Wismarer „Vereinigungsparteitag“ von SPD und KPD im immer noch sogenannten Schützenhaus statt. Heute ist in dem Gebäude die Kita „Hanseatenhaus“ beheimatet.

In Wismar gab es in den letzten 27 Jahren kaum ein Ereignis, bei dem die schmuck gekleideten Schützen nicht auftraten. Aktuell hat der Verein 80 Mitglieder. Ihr Schützenhaus befindet sich an der Poeler Straße. 1998 gründeten die Schützen die „Militärhistorischen Einheiten“, die als mecklenburgische Musketiere und schwedische Grenadiere Botschafter der Hansestadt sind.

Detlef Schmidt

OZ

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