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Jeder sechste Jugendliche wird Opfer von Cyber-Mobbing

Wismar Jeder sechste Jugendliche wird Opfer von Cyber-Mobbing

„Weißer Ring“ informierte in Wismar über die Folgen seelischer Gewalt

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Martina Tegtmeier rät Betroffenen, sich Hilfe beim „Weißen Ring“ zu suchen.

Quelle: Fotos: Carolin Riemer

Wismar. Alles fing mit einer Verletzung am Rücken an. Das Mädchen musste ein Gips-Korsett tragen, andere Schüler begannen sie deswegen auszulachen. Sie schubsten die Zwölfjährige im Schulbus. Sie luden ein Foto im sozialen Netzwerk Facebook hoch und bezeichneten sie als „Krüppel“. Es entwickelte sich eine Gruppendynamik. Drei Mädchen waren die Anführerinnen. Der Rest der Klasse verhielt sich passiv, stand dem verletzten Mädchen nicht bei. Einige aus Angst, auch Opfer von Beleidigungen zu werden. So zog sich das Mädchen zurück, mochte nicht mehr zur Schule gehen. Aber auch in ihrem Zuhause fand sie keine Ruhe, denn dort gab es Internet und Telefon. Die Folge: 24 Stunden Angst vor Beleidigungen. Ihren Eltern erzählte das Mädchen viel später von den Vorfällen. Erst dann, als sie ihnen offenbarte, dass sie die Schule wechseln wollte.

OZ-Bild

„Weißer Ring“ informierte in Wismar über die Folgen seelischer Gewalt

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Es ist nur ein Beispiel von Cyber-Mobbing, das Martina Tegtmeier gestern im Wismarer Wonnemar preisgab. Die 51-Jährige arbeitet ehrenamtlich für die Opferberatung „Weißer Ring“. Sie sagt: Jeder kann ein Mobbing-Opfer werden. Mal sind es die strebsamen Charaktere, die von anderen gehänselt werden. Andere haben ein Foto im Internet hochgeladen, auf dem sie Lockenwickler tragen oder einfach eine Grimasse ziehen.

Fakt ist: Gut 16 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen geben an, dass sie schon einmal im Internet beleidigt wurden – das sind deutschlandweit zwei Millionen Schüler. Manche von ihnen hegen Selbstmordgedanken.

Martina Tegtmeier weiß, dass es oft die Mädchen sind, die sehr viel fiesere Mobbing-Aktionen starten als Jungen. Meist fängt es in der Grundschule mit dem Mobben an. „In fast jeder Klasse gibt es einen Außenseiter. Werden die Kinder älter, beleidigen sie diesen nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern stellen ihre Beleidigungen ins Internet – und damit sinkt die Hemmschwelle bei den Tätern“, berichtet die Beraterin.

Im Wismarer Wonnemar organisierten ehrenamtliche Helfer vom „Weißen Ring“ zwei Informationsveranstaltungen über das Thema. Denn der Verband hilft nicht nur Opfern körperlicher, sondern auch seelischer Gewalt. Sie raten allen Betroffenen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Sich Hilfe bei Eltern, Lehrern oder dem „Weißen Ring“ zu suchen. „Ansonsten kann das Cyber-Mobbing zu langanhaltenden, traumatischen Belastungen führen. Das Selbstwertgefühl des Jugendlichen geht drastisch nach unten, wenn nur lange genug auf ihm rumgehackt wurde“, sagt Martina Tegtmeier. Die Täter seien sich oft gar nicht bewusst, dass sie eine Straftat begehen, die auch rechtlich geahndet werden kann. Vorausgesetzt, das Opfer erstattet Anzeige. „Besser ist es, wenn in den Schulen in solchen Fällen disziplinäre Maßnahmen durchgesetzt werden – beispielsweise mit einem Schulverweis drohen.“

Noch habe es sehr wenige Fälle gegeben, in denen sich Mobbing-Opfer an den „Weißen Ring“ wandten. Ein Grund, warum die Ehrenamtlichen nun auf sich aufmerksam machen. „Aber dem Thema wird immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ich bin mir sicher, dass auch die Strafen steigen werden – ähnlich wie beim Stalking“, sagt Martina Tegtmeier.

Was ist Cyber-Mobbing?

Die Opfer werden im Internet

oder per Telefon beleidigt, bedroht oder es werden Gerüchte verbreitet.

Meist wissen die Opfer nicht, wer hinter den Attacken steckt. Die Anonymität enthemmt die Täter. Doch gerade bei Cyber-Mobbing unter Kindern und Jugendlichen kennen Opfer und Täter sich aus der Schule oder dem Wohnviertel. Oft wird das Mobbing dann auch in der realen Welt fortgesetzt. Besonders schlimm ist es für die Opfer, dass die Angriffe aus dem Internet rund um die Uhr erfolgen können und sie sich nicht zurückziehen können. Außerdem ist das Publikum unüberschaubar groß und Inhalte verbreiten sich extrem schnell.

Hilfe finden Opfer beim „Weißen Ring ☎ 0151/ 55 16 46 24

Carolin Riemer

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