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Junge Filmemacher begleiten Menschen nach der Flucht

Wismar Junge Filmemacher begleiten Menschen nach der Flucht

Der September 2015 – und was danach geschah / Debatte im Filmbüro Wismar

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Auf dem Podium nach den Filmen: Die jungen Regisseure Christoph Eder und Laura Laabs im Gespräch mit Moderatorin Petra Kesper.

Quelle: Foto: Nicole Buchmann

Wismar. „Flucht ist kein Zufall.“ Mit dieser Aussage begann der erste von elf Kurzilmen, die am Donnerstag im Filmbüro über die Leinwand liefen. Konzipiert und gedreht von Studenten der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam, zeigen sie unterschiedliche Draufsichten auf Menschen, die im Jahr 2015 geflohen und angekommen sind. Irgendwie. Irgendwo.

„Herbstgesang“ beispielsweise lässt in einem Berliner Flüchtlingsheim die gemeinsame Sehnsucht syrischer Frauen und Männer nach Heimat und Familie laut werden – in gemeinsamen Liedern, die offenbar ein jeder von ihnen kennt. In einem anderen Streifen treffen der Optimismus eines jungen syrischen Mädchens und die Unbekümmertheit eines kleinen deutschen Jungen aufeinander. Beide haben ihre Bedürfnisse, ihre Träume von der Zukunft. Das Mädchen will Polizistin werden, der Junge Drachenreiter. Und beiden bleibt nicht verborgen, dass die Welt um sie herum nicht nur aus Spielen besteht.

Gefangen in der Unfreiheit ist beispielsweise ein junger Senegalese im griechischen Athen. Begafft wie ein Schaf an den Stränden, die er abläuft, mit Sonnenbrillen oder Handtaschen, die er verkaufen will. Seinen Eltern erzählt er, es gehe ihm gut, er habe genug zu essen. Reis ohne Beilage – seine Mahlzeit des Tages.

Die Filmemacher aber befragen auch Menschen, die im September 2015 nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Dass täglich Tausende Fremde die Grenzen passieren, vor Behörden Schlange stehen, „um alles in den A. . . geschoben zu bekommen, um ihre Kriege auf deutschen Boden auszutragen“. Die Filmemacher aber legen diese Aussagen genau jenen Fremden in den Mund.

Fast anderthalb Jahre später haben sich die Themen verschoben. Die Diskussion nach dem Filmabend macht das deutlich. Während in Deutschland Trump, Dieselskandal oder die deutsch-türkischen Beziehungen die Nachrichten füllen, erfrieren in den Lagern in Serbien die, die es nicht mehr geschafft haben über die Grenze. Verwahrlosen die Menschen in den Lagern in Griechenland oder schlagen sich Jugendgruppen deutscher und ausländischer Nationalitäten in Rostock oder Schwerin die Köpfe ein. Fast anderthalb Jahre später beginnt im besten Fall die Integration, reichen die Deutschkenntnisse für Praktika oder gar Ausbildung. „Ist das Boot voll?“, fragt Moderatorin Petra Kester die Vorsitzende des Landesflüchtlingsrates, Ulrike Seemann-Katz. „Voll? Es leert sich doch schon wieder. Die Festung Europa ist wieder sehr gut dicht gemacht.“ Filmemacherin Laura Laabs, geboren 1985, stellt fest: „Der September 2015 hat die Politik in das Leben unserer Generation getragen.“ Naturkatastrophe, Super-GAU, Hungersnot, Krieg – Flucht ist kein Zufall, sagt eine Stimme aus dem Off. 65 Millionen Menschen sind weltweit unterwegs. „Und die Völkerwanderung beginnt erst“, sagt ein Mann im Publikum. Was er vermisse, sei ein Konzept, wie die Welt damit umgeht.

Nicole Buchmann

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